Hartz IV Missbrauch

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PdW
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Hartz IV Missbrauch

Ungelesener Beitrag von PdW » 14.06.2006, 15:34

Alle Langzeitarbeitslosen sollten sich jeden Morgen melden und Arbeitsdienst leisten - mit dieser Forderung hat der Unionsexperte Stefan Müller der Debatte um Hartz IV eine neue Schärfe gegeben.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,421374,00.html

Was haltet ihr davon? Ich muss denjenigen teilweise Recht geben, die von "moderner Sklaverei" sprechen.

Andererseits wohne ich atm hier im Osten und habe schon etliche Menschen hier erleben müssen, die schick mit dem eigenen Auto rumgurken, täglich entspannt auspennen und ferner alle Grundbedürfnisse des Konsums erfüllen können.

Bei Jobangeboten wie "Würstchen anbraten" bei umgeschulten Köchen und darauf folgenden Kommentaren wie "bin ich mir zu schade für" trotz Schulbildung "Brettercollege" frage ich mich, ob das noch sozial gerecht sein kann.
Ich möchte hier nicht alle über einen Kamm scheren, aber es sind leider keine Einzelfälle.

Sehe ich das zu krass oder sollte ich entspannter an die Sache herangehen?
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Aragorn
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Ungelesener Beitrag von Aragorn » 14.06.2006, 15:38

Halte ich nicht für dumm.

Wer spricht da außerdem von moderner Sklaverei? Die Leute bekommen Geld und dafür können sie auch was tun. Wer nicht zur Arbeit kommt wird kein Geld bekommen. Allerdings sind 8 Stunden und jeden Morgen melden etwas zu hoch gegriffen, da könnte man es schon weitaus weniger aggressiv angehen. Allerings, wenn sie sich nicht jeden morgen melden hats auch irgendwie keinen Sinn und sonst müsste man eben diese Arbeitslose dazu einsetzen die ganzen Anrufe entgegenzunehmen ;)
Sollte sowas durchgesetzt werden besteht dummerweise die Gefahr, dass damit Arbeiten ersetzt und nicht ergänzt werden, somit normal angestellte gefeuert.
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Ungelesener Beitrag von madmax » 14.06.2006, 15:53

Ich war eher geschockt, als wieder die Berichte von der Spargelsaison kamen und die Spargelbauern berichtet haben, dass sie sich sehr wohl um Hartz IV Empfänger bemüht haben. Diese wollten aber nicht oder sind nur mal einen Tag für 2 Stunden erschienen und dann einfach abgehauen. Das ist auch nicht die feine englische. In einem Interview mit einer Frau gab diese dann auf die Frage, warum Deutsche keinen Spargel stechen wollen, zur antwort, dass dass ja schon anstrengend sei und dass man das ja keine 8 Stunden in gebückter Haltung am Tag aushält. Komisch nur, dass die Polen das locker aushalten. Im Folgeinterview hat eine Polin dann fast verlegen geantwortet, dass sich die Deutschen für so eine Arbeit wohl zu fein und wohl auch eher zu faul dazu sind. Und das trifft den Nagel doch auch auf den Kopf. Solange die Regierung das duldet, dass man auf die Kosten des Staates und und anderer leben kann, wird sich daran auch nichts ändern.

Ändern wird sich erst was, wenn auch ein Hartz IV oder Arbeitslosengeldempfänger der Sache ins Auge blicken muss, dass seine Geldquelle wohl bald mal versiegt. Ich bin dafür, dass man Arbeitslose unterstützt, damit sie von einem sozialen Netz aufgefangen werden und eine Chance bekommen, wieder was neues zu finden. Aber sowas muss Grenzen haben! Halbes Jahr Stütze und gut! Danach gibts dann keinen Pfennig mehr vom Staat. Da denke ich dass da viel mehr über ihren Schatten springen und auch mal einen weniger beliebten Job annehmen müssten um nicht auf der Straße zu landen. Gegen dieses Langzeitarbeitslosen Leben hab ich prinzipiell was!
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Ungelesener Beitrag von H3LL S3RV4NT » 14.06.2006, 16:02

Missbrauch ist kein Ostproblem, das findet in gleicher Intensität auch im Westen statt.
Das Problem ist halt, der finanzielle Unterschied. ALG2 bringt knapp 400€ bei freier Miete und Heizung. Das entspricht ca. 800€ Nettoverdienst zzgl. den Kosten für die Arbeit (Fahrtkosten) - einen solchen Job mit dem Verdienst suche mal für einen niedrig/falsch Qualifizierten. Und aus Empfängersicht: warum also was annehmen, wo bei Disnutzen aus der Arbeit im Endeffekt weniger bei rauskommt.
Irgendwo hatte ich mal nen Beispiel gelesen (Friseur iirc, wobei das doch eigentlich kein 1€ Job sein darf?) wo die ALG2-Empfängerin bei weniger Arbeit 150€ mehr im Monat hatte, als ne reguläre Friseuse.
Aber so wie es jetzt kommen soll, ist es doch eigentlich ausreichend. Einmal was ausschlagen gibt nen Drittel weniger Geld. 2x zwei Drittel, beim 3. Mal gibts nix mehr.
Hier ist dann aber wieder das Problem, wo sollen 5-7 Mio Leute beschäftigt werden, ohne dass reguläre Arbeitsplätze vernichtet werden?
Genauso bei der unkontrollierten Förderung der Ich-AGs - an und für sich ne gute Idee. Wenn das Geld doch nicht bloss mit der Giesskanne verteilt worden wäre. Die Konzepte hätten geprüft werden müssen und die Förderung individuell angepasst werden. Viele haben also die 14.400€ einfach nur abgegriffen, die Pleiten der Ich-AGs sprechen Bände.
Zu polnischen Spargelstechern - da gibt es keine derartiges soziales Netz, die müssen wirklich sehen, wo sie bleiben.
Komplett einstellen nach einer gewissen Zeit und die Leute verrecken lassen? Weil es ja auch 7 Mio freie Stellen gibt. Sorry, aber so ne Äusserung ist absoluter Stuss.
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Ungelesener Beitrag von La-Z » 14.06.2006, 17:07

H3LL S3RV4NT hat geschrieben:Hier ist dann aber wieder das Problem, wo sollen 5-7 Mio Leute beschäftigt werden, ohne dass reguläre Arbeitsplätze vernichtet werden?
Richtig. Unter anderem deswegen ist es totaler Schwachsinn - na ja, CSU halt. Es ist ja mitnichten so, dass die Arbeitslosen faul waeren. Es gibt einfach kaum freie Jobs fuer sie. Was bringt es jemandem ohne Schulabschluss und ohne Ausbildung, wenn ein Informatiker oder ein Flugzeugingenieur gesucht wird?

Wenn die Langzeitarbeitslosen jetzt noch zu Zwangsarbeit (nichts anderes ist es. Die Alternative ist ja verhungern. Das ist ja sogar offiziell rausgegebene SPD-Politik und die CDU wird sich sowas nicht zwei Mal sagen lassen.) rangezogen werden wird es noch mehr Arbeitslose geben. Das ist ein von den Ein-Euro-Jobs bekanntes Problem. Vielfach fallen z.B. in Altersheimen normale Arbeitsverhaeltnisse weg, weil die Arbeit ja auch billiger von Ein-Euro-Kraeften gemacht werden kann. Jetzt wird es nochmal billiger, weil es gar kein Geld mehr gibt. Die Einschraenkung auf Allgemeinnuetzigkeit schraenkt hier nur ein, welche Sektoren das machen koennen. Und die wurde ja eh schon kritisiert, insofern wuerde es mich absolut nicht wundern, wenn sie demnaechst auch faellt.

Anstatt sich dauernd den Kopf darueber zu zerbrechen wie man es verhindert, dass einige tausend Menschen in Deutschland mehr Geld bekommen als ihnen eigentlich laut Gesetz zustehen sollte, sollte sich die Bundesregierung mal darum kuemmern, *allen* Menschen ein anstaendiges Leben zu ermoeglichen. Wie kann es sein, dass Menschen voll arbeiten und ihr Einkommen trotzdem unter dem Existenzminimum liegt? *Das* ist der Skandal, nicht die paar Leute die ALG2 zu unrecht bekommen. Es ist grundsaetzlich *nie* moeglich, Missbrauch komplett zu verhindern. Also muss man sich auf ein akzeptable Niveau begeben, bei dem man berechtigte Anfragen nicht zu sehr behindert. Das ist schon laengt ueberschritten.

Zu der Friseurgeschichte kann ich nur sagen, dass die korrekte Reaktion darauf sein muesste, sich aufzuregen wieso die Friseurin so wenig verdient! Nicht warum dem ALG2-Empfaenger sein Existenzminimum garantiert wird.

Grundsaetzlich muss man sich auch mal die Konsequenzen dieser ganzen Aktionen ueberlegen. Unabhaengig vom Wirtschaftlichen - wirtschaftliche Ueberlegungen sind nicht alles! Das ist ein weiterer Schritt zur Verschlechterung der Rechtssituation von Arbeitnehmern. Die Arbeitgeber haben immer mehr Macht ueber ihre Angestellten, grade bei einfachen Arbeiten. Muell von der Strasse aufsammeln kann jeder. Wer das jetzt macht und dabei eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen fordert wird demnaechst einfach gefeuert und dann kostenlos wieder angestellt.

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Ungelesener Beitrag von Dude » 14.06.2006, 17:09

madmax hat geschrieben: [...]Aber sowas muss Grenzen haben! Halbes Jahr Stütze und gut! Danach gibts dann keinen Pfennig mehr vom Staat. Da denke ich dass da viel mehr über ihren Schatten springen und auch mal einen weniger beliebten Job annehmen müssten um nicht auf der Straße zu landen. Gegen dieses Langzeitarbeitslosen Leben hab ich prinzipiell was!
In meiner Familie wurde ein 53jähriger nach 27 Jahren sehr guter Arbeit bei Fujitsu Siemens entlassen, weil die ums Verrecken Stellen streichen - das hebt schliesslich den Aktienkurs.
Sag dem mal, dass er jetzt Spargel stechen soll. Der bekommt zwar ohnehin kein ALG oder sonstwas, weil er dafür zuviel besitzt, aber stell dir mal vor der wäre jetzt geldmäßig schlecht dran. Soll der jetzt nach 27 Jahren einfach sein ganzes Leben hinschmeissen und sich für ein miserables Über-die-Runden-kommen (das Wort "Leben" scheint hier höchstens ironisch zu passen) die letzten 10 Jahre vor der Rente noch mit Spargelstechen den kompletten Körper versauen? Tolle Idee.

Und wie Servant schon sagte. Deine Idee ist super, ich vermute mal du hast die 5 Millionen Arbeitsplätze in deiner Hosentasche? Informiere dich erstmal bevor du hier derart bescheuerte Aussagen machst.
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Ungelesener Beitrag von -.B_Rabbit.- » 14.06.2006, 17:18

ich möchte auch mal eben einschmeissen, dass ich solche aussagen ziemlich blöde finde. eben die leute, die sich aufregen, dass manche nicht arbeiten wollen.
mal angenommen, von den 5 millionen arbeitslosen sind eine million solche, die keine lust auf arbeit haben: dann sollen bitteschön die restlichen vier erstmal arbeit bekommen, DANN kann man sich über die restliche million beschweren! ansonsten ist das ziemlich schwachsinnig.
außerdem: wenn ich angemessen bezahlt würde, würde ich auch spargel stechen. mit zulagen wegen körperlicher belastung und spätfolgen jahrelanger falscher haltung usw. aber nicht für so einen geringen satz, das finde ich völlig normal.
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Ungelesener Beitrag von Sir_Henry » 15.06.2006, 01:08

-.B_Rabbit.- hat geschrieben: außerdem: wenn ich angemessen bezahlt würde, würde ich auch spargel stechen. mit zulagen wegen körperlicher belastung und spätfolgen jahrelanger falscher haltung usw. aber nicht für so einen geringen satz, das finde ich völlig normal.
Naja die Aussage kann ich nicht so hinnehmen. Der Pole machst doch auch so, ist dann ein deutscher mehr Wert? Nur weil er deutsch spricht muß ich dem Arbeiter gleich 5€ mehr zahlen?
Für mich spricht das alles nur, dass die Deutschen für nichts tun zu viel bekommen.
Was ist den daran so falsch die Leute für das Geld was sie in den Arsch geschoben bekommen auch mal was zu machen. Es muss ja nicht so extrem sein wei hier vorgeschlagen, aber ich bin dafür das die Leute vielleicht 8 Stunden in der Wochen oder so was tun für das Geld was sie bekommen.

Obwohl ich auch sagen muss, dass man ein Arbeiter den 40 Jahre gearbeitet hat und dann arbeitslos wird nicht nach einem Jahr das ALG 1 steichen und dann Hartz 4 geben.

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Ungelesener Beitrag von H3LL S3RV4NT » 15.06.2006, 01:24

Generell spricht nix dagegen, dass ALG2-Empfänger sich das Geld verdienen. Aber auch bei 8h/Woche ist das Problem, woher die ganzen Stellen nehmen (8h/Woche entspricht gute 1 Mio Vollzeitstellen)?
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Ungelesener Beitrag von La-Z » 15.06.2006, 06:34

Sir_Henry hat geschrieben:Naja die Aussage kann ich nicht so hinnehmen. Der Pole machst doch auch so, ist dann ein deutscher mehr Wert? Nur weil er deutsch spricht muß ich dem Arbeiter gleich 5€ mehr zahlen?
Nein, aber der Pole wird gezwungen jeden Job anzunehmen weil er sonst verhungert, deswegen kann man ihn besser ausbeuten. Ist aber ja bald kein Thema mehr, das wird ja hier auch grade eingefuehrt.
Sir_Henry hat geschrieben:Für mich spricht das alles nur, dass die Deutschen für nichts tun zu viel bekommen.
Ja, die koennen glatt noch essen und muessen nicht verhungern. Schrecklich, gehoert sofort abgeschafft! "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!"
Sir_Henry hat geschrieben:Was ist den daran so falsch die Leute für das Geld was sie in den Arsch geschoben bekommen auch mal was zu machen.
Erstens: Niemand bekommt etwas in den Arsch geschoben. Du redest hier teilweie ueber Leute die 20, 25 Jahre gearbeitet haben. Deren Betrieb pleite gemacht hat und die jetzt einfach von niemandem mehr angestellt werden, weil sie zu alt sind. Oder ueber Leute, die es in der Schule nicht geschafft haben und die jetzt ohne Ausbildung dastehen. Was willst du mit denen machen? Deine Loesung ist Zwangsarbeit? Super... Glaubst du wirklich, dass du damit irgendein Problem loest? Anstatt sich mal Gedanken zu machen warum wir x Mio Arbeitslose haben von denen ein sehr grosser Teil gerne arbeiten wuerde aber keine Stelle findet...
Sir_Henry hat geschrieben:Es muss ja nicht so extrem sein wei hier vorgeschlagen, aber ich bin dafür das die Leute vielleicht 8 Stunden in der Wochen oder so was tun für das Geld was sie bekommen.
1) Was sollen sie denn machen? Wo gibt es denn x Mio freie Jobs, die man ohne entsprechende Qualifikation machen kann?
2) Wie verhinderst du, dass dadurch normale Arbeitsverhaeltnisse abgebaut werden?
3) Nur mal angenommen, es gaebe wirklich Arbeit, die nicht getan wird aber getan werden muesste. Dann soll derjenige, der diese Arbeit hat, sich Leute dafuer anstellen und zwar in ordentlichen, ausreichend bezahlten Arbeitsverhaeltnissen! Leute zur Zwangsarbeit zu verpflichten ist nicht akzeptabel!

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Ungelesener Beitrag von -.B_Rabbit.- » 15.06.2006, 08:15

Sir_Henry hat geschrieben:Naja die Aussage kann ich nicht so hinnehmen. Der Pole machst doch auch so, ist dann ein deutscher mehr Wert? Nur weil er deutsch spricht muß ich dem Arbeiter gleich 5€ mehr zahlen?
Die Polen sind aber auch einen niedrigeren Lebensstandard gewohnt, außerdem ist das Leben bei Ihnen daheim um einiges billiger. Die können doch nur davon leben, weil sie in Polen leben!
Abgesehen davon hab ich nicht gesagt, dass es ok ist, was die Polen bekommen. Für die Arbeit ists genauso zu wenig wie für nen Deutschen.
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Ungelesener Beitrag von Starrise » 15.06.2006, 11:52

Also das das Leben in Polen soviel billiger ist kann ich nicht bestätigen.
Ich habe auf der Arbeit genug Polen die mir oft erzählen das es da nicht mehr soviel billiger ist wie hier.
Das ist den Polen aber nicht Grund genug nicht doch die Jobs, bei denen sie 350 Euro im Monat verdienen zu machen.
In der Firma in der ich arbeite werden zum 1.7.06 auch die hälfte der Arbeitsplätze abgebaut.
Es wird jetzt in Polen für weniger Geld produziert.
Ich muss nach 22 Jahren gehen. Keine Kinder und nicht verheiratet.
Bei den heutigen "Sozialplänen" ein Todesurteil.
Leistungsbezogen ist in Germany leider ein Fremdwort.
Wenn ich mal wegen guter Arbeit 50 Cent mehr die Stunde bekommen würde oder man mich deswegen nicht kündigen würde, käme sofort eine Klagewelle auf meinen Nocharbeitgeber zu.
Jetzt bekomme ich noch ein Jahr 60% und wenn sich dann auf dem schlechten Arbeitsmarkt für mich nix geändert hat, kommt H4 und evtl. die Zwangsarbeit *Kopfschüttel*

Morgen ist mein letzter Arbeitstag. Das wird glaube ich ein harter Gang.

Gruß Starry

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Ungelesener Beitrag von FuckDoc » 15.06.2006, 12:23

Starrise hat geschrieben: Jetzt bekomme ich noch ein Jahr 60% und wenn sich dann auf dem schlechten Arbeitsmarkt für mich nix geändert hat, kommt H4 und evtl. die Zwangsarbeit *Kopfschüttel*
Und das ist genau der Dank, den du für 22 Jahre Steuern, Sozialversicherung usw bekommst! Einfach traurig.

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Ungelesener Beitrag von Dude » 15.06.2006, 16:32

Sir_Henry hat geschrieben: Was ist den daran so falsch die Leute für das Geld was sie in den Arsch geschoben bekommen auch mal was zu machen. Es muss ja nicht so extrem sein wei hier vorgeschlagen, aber ich bin dafür das die Leute vielleicht 8 Stunden in der Wochen oder so was tun für das Geld was sie bekommen.
Eine grandiose Idee, aber leider gibt es dieses System schon. Man nennt das in Deutschland Arbeit, oder Job. Man verrichtet Arbeit und bekommt dafür Geld. Nun, hättest du darüber nachgedacht wäre dir sicher aufgefallen, dass du gerade über Leute die leider keinen Job finden, in dem sie arbeiten und so Geld verdienen könnnen, gesagt hast, dass sie für ihr GELD DOCH BITTE ARBEITEN SOLLEN.

Die intelligenten Kommentare in diesem Thread überschlagen sich.


Mein Beileid, Starry. Wie gesagt, ich kenne die Situation.
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Ungelesener Beitrag von H3LL S3RV4NT » 15.06.2006, 18:27

@Fuckdoc: wie soll man das verstehen? Sollte es mehr Kohle geben und man darf nicht für gemeinnützige Arbeiten herangezogen werden?
@Dude: was spricht denn dagegen, dass ALG2-Empfänger in zumutbaren Rahmen gemeinnützige Arbeit verrichten, wenn man mal von der Problematik der Existenz dieser Arbeitsplätze absieht? Man muss ja nem 60-jährigen kein Spargelstechen zumuten, aber nen 20-jährigen Schulabbrecher kann durchaus auch mal den Buckel krumm machen, wenn er schon auf Staatskosten lebt. Der 60-jährige hat eingezahlt, der 20-jährige eben nicht, also soll er wenigstens durch seine Arbeitskraft was dazu beitragen.
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Ungelesener Beitrag von Tackleberry » 15.06.2006, 20:59

Das mit den Lebenskosten in Polen kann ich bestätigen, da ich vor kurzen mal da war. Die Mieten sind da vielleicht etwas geringer aber Nahrung kostet dort bereits fast soviel, wenn nicht gar mehr als hier. Elektrogeräte sind deutlich teurer als hier.

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Ungelesener Beitrag von La-Z » 16.06.2006, 05:19

@Tackleberry
Wo in Polen warst du? In Grossstaedten und da noch in den teuren Laeden? Oder auf dem Land? Ich kenne Polen nicht, aber Grossstaedte sind haeufig sehr viel teurer als ihre Umgebung. Die "billigen" Laender sind meist keineswegs durchgaengig billig, sondern in den Gebieten wo viele Reiche leben auch sehr teuer.

@Hell Servant
Was spricht dagegen, ihnen dann einen richtigen Job zu geben?

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Ungelesener Beitrag von Enigma » 16.06.2006, 09:20

Mal zu der Meldepflicht:

Ist doch super, dann kann die eine Hälfte der Hartz4 Leute sich täglich melden kommen und die andere Hälfte arbeiten auf der Meldestelle. ;)

Die Ämter kommen doch mit dem täglichen Kundenaufkommen nicht klar, wie soll das realisierbar sein, das die H4 sich jeden Tag melden?

H4 ist die totale Katastrophe.
Ein Kollege von mir ist betroffen, seine Freundin arbeitet. Würde die Freundin keine Arbeit haben hätten die beiden mehr Geld. Schon komisch sowas...
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Ungelesener Beitrag von Hellracer » 16.06.2006, 11:11

@La-Z
In Polen sind die Lebenskosten überall höher, als in Deutschland, egal ob auf dem Land oder in Großstädten.

Man muss das ja immer im Vergleich zum Durchschnittseinkommen sehen. Und da kann sich ein Arbeiter in Polen für 1 Stunde Arbeit so ungefähr 2 Liter Diesel kaufen oder 2-3 Bier.

Das einzige, was dort noch einigermaßen günstig ist, sind die Grundnahrungsmittel.

Was spricht dagegen, ihnen dann einen richtigen Job zu geben?
Dagegen spricht wohl, dass nicht jeder ein richtigen Job annimmt, weil er dort nicht viel mehr bekommt, als vom Staat, aber fürs Geld arbeiten muss.

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Ungelesener Beitrag von La-Z » 16.06.2006, 12:07

Hellracer hat geschrieben:Man muss das ja immer im Vergleich zum Durchschnittseinkommen sehen.
Nein, das ist in diesem Fall irrelevant.
Hellracer hat geschrieben:
Was spricht dagegen, ihnen dann einen richtigen Job zu geben?/quote]
Dagegen spricht wohl, dass nicht jeder ein richtigen Job annimmt, weil er dort nicht viel mehr bekommt, als vom Staat, aber fürs Geld arbeiten muss.
Das es fuer Vollzeitjobs teilweise kaum noch das Existenzminimum als Lohn gibt habe ich oben schon kritisiert. Das darf nicht sein.

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Ungelesener Beitrag von Tackleberry » 16.06.2006, 12:49

La-Z hat geschrieben:@Tackleberry
Wo in Polen warst du? In Grossstaedten und da noch in den teuren Laeden? Oder auf dem Land? Ich kenne Polen nicht, aber Grossstaedte sind haeufig sehr viel teurer als ihre Umgebung. Die "billigen" Laender sind meist keineswegs durchgaengig billig, sondern in den Gebieten wo viele Reiche leben auch sehr teuer.
Land, Kleinstadt, Großstadt. Und nein ich war nicht nur in den teuren Läden sondern auch im stinknormalen Supermarkt sowie dem Tante-Emma-Laden an der Ecke.

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Ungelesener Beitrag von H3LL S3RV4NT » 16.06.2006, 16:06

@La-Z: was gegen richtige Jobs spricht (abgesehen von dem Mangel am Angebot dieser Arbeitsplätze) - Fehlqualifizierung, Minderqualifizierung, zu lange aus dem Beruf raus (als Euphemismus Dequalifikation) Alter, Bildung und Umgangsformen im Allgemeinen, fehlende Flexibilität etc.
Und bevor es wieder nen Aufschrei gibt - nein, nicht jeder Arbeitssuchende ist faul und dumm. Aber nen 20-jähriger Schulabbrecher wird in ner IT-Firma scheitern. Ebenso ne 55-jährige Umgeschulte.
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Ungelesener Beitrag von La-Z » 16.06.2006, 16:40

Wie jetzt? Die Leute sind falsch oder zu wenig qualifiziert einen Job zu machen, aber richtig und ausreichen qualifiziert, den gleichen Job zu machen? Nein, Hell, da musst du dich entscheiden. Entweder die Leute koennen einen Job machen, dann kann man sie dafuer auch anstellen und muss sie keine Zwangsarbeit machen lassen, oder sie koennen ihn nicht machen.

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Ungelesener Beitrag von H3LL S3RV4NT » 16.06.2006, 17:44

Nen junger Schulabbrecher ist zu gering qualifiziert für nen IT-Job, wohl aber fähig zum Spargelstechen (um bei dem Beispiel zu bleiben).
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Ungelesener Beitrag von La-Z » 16.06.2006, 18:34

Also: Was spricht dann dagegen, ihn zum Spargelstechen anzustellen statt zu zwingen?

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