Microsoft und Hollywood

Gemeinsam für mehr Kopierschutz

Microsoft würde gerne auch ins Wohnzimmer vordringen. Im „Home Entertainment“-Bereich werden die Inhalte jedoch hauptsächlich von großen Hollywood Studios vorgegeben. Um sich nicht mit diesen zu verscherzen, plant Microsoft, in Windows Vista Maßnahmen gegen das Kopieren von Videos in bisher nie dagewesenem Ausmaß einzubauen. Die Studios haben zwar noch nicht alles bekommen was sie wollten, aber Windows Vista geht sehr viel weiter als alle bisherigen Betriebssyteme für den PC.

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Der Konzern beruft sich freilich auf vollendete Tatsachen. Die Studios würden nur noch Hochsicherheitsmaßnahmen erlauben, der hochauflösende Film der Zukunft soll nicht außer Kontrolle geraten.

„Der Tisch ist schon gedeckt“ sagt Marcus Matthias, Produktmanager für Microsofts Abteilung digitale Medien. „Wir können hereinkommen und am Buffet essen, oder wir können draußen bleiben und Autos waschen.“

Um dies in Windows Vista garantieren zu können, werden verschlüsselte Inhalte in einer „geschützten Umgebung“ abgespielt, die von manchen Entwicklern als abgetrennte „Sandbox“ beschrieben wird. Die Abspielsoftware wird so von den eigentlichen Daten gelöst und dient nur noch als eine Art Fernbedienung. Die Software wird dann beispielsweise einen „Abspielen“-Befehl an die Sandbox schicken, das Entschlüsseln und eigentliche Abspielen übernimmt dann das Betriebssystem in der geschützten Umgebung.

Eine „Protected Video Path“ genannte Technologie soll dann sicherstellen, dass die Inhalte auf ihrem Weg nur durch geschützte Pforten wandern, bis sie schließlich am Anzeigegerät angekommen sind. Ein Teil von Vistas Job wird es sein, zu untersuchen, ob auch alle Geräte dabei mitspielen. Viele heutige PC-Monitore sind aber noch nicht mit ensprechenden Anschlüssen ausgestattet. Diese könnten dann entweder schwarz bleiben oder ihnen wird ein schlechteres Bild gesendet.

Derzeitige DVDs und MP3s werden von alledem vermutlich nicht betroffen sein, wohl aber Musikstücke in Online-Shops. Auch für diese ist eine Sandbox vorgesehen. Die Labels hätten zwar gerne auch ein Ensprechendes System für Audio-CDs mit Kopierschutz gesehen, diese sind laut Microsoft aber noch nicht ausgereift, außerdem müssten hierfür mehrere Firmen an einem Strang ziehen. Gemeint ist damit unter anderem Apple.

In den derzeitigen Betas ist von all den neuen Schutzsystemen noch nichts zu finden, sie sollen erst Mitte kommenden Jahres auf breiter Basis getestet werden. Als Sicher gilt ihre Integrierung in das fertige Windows Vista gegen Ende 2006. Einige Programmierer und Bürgerrechtler sind mit den kommenden Änderungen allerdings alles andere als zufrieden. Da Teile der Maschine weder für den Anwender noch für Programmierer zugänglich sein werden, könnten Innovationen erschwert oder gar vollkommen verhindert werden. Als würde ein Teil der eigenen Wohnung einfach zugemauert. Edward Felten, ein ausgesprochener Kritiker von Kopierschutz-System und Professor für Informatik an der Universität zu Princeton, meint hierzu: „Es herrscht eine Tendenz, Teile des Designs wegzuschließen, um Kopierschutz-Systeme zu schützen. Das macht die Einführung neuer Nutzungsarten für alle schwerer, auch für Microsoft.“

Quelle: ZDnet News.com

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