ATI & Nvidia: Preisabsprachen?

Haben Grafikchip-Hersteller Preise gemeinsam künstlich hoch gehalten?

Vor einem Gericht in Kalifornien wird derzeit über eine Klage verhandelt, in dem ATI (jetzt AMD) und Nvidia illegale Preisabsprachen vorgeworfen werden. So etwas ist nicht ungewöhnlich, aber meistens verläuft das im Sande, weil die Beweisführung sehr schwierig ist. In diesem Fall aber erweckt das Verhalten des vorsitzenden Richters den Anschein, als könnte die Klage erfolgreich sein.

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Die Klage wurde von mehreren Firmen angestrengt. Dazu gehören sowohl Grafikkartenverkäufer als auch Grafikkartenhersteller, also die direkten Abnehmer der Grafikchips von ATI und Nvidia. Vor dem Gericht in San Francisco wurden alle 51 Anklagen über gemeinsame Preisabsprachen für Grafikchips gebündelt.
Nachdem die verteidigenden Rechtsanwälte bei der Anhörung Anfang Juli gewisse Auskünfte mit dem Hinweis auf Firmengeheimnisse verweigert haben, fuhr Richter William Alsup sie an: „Dieses Gericht ist keine Tochterfirma Ihrer Unternehmen. Ich bin dagegen, dass Sie der Öffentlichkeit Informationen vorenthalten. Wenn das Verfahren offiziell eröffnet wird, wird nichts mehr unter dem Deckel gehalten.“
Alsup sagte außerdem zu den Anwälten der Kläger, dass ihm egal sei, „wenn etwas geheim sei und sei es das Rezept für Coca-Cola. Sie haben meine Erlaubnis es auszuplaudern.“
Auf Nachfrage seitens des Richters, ob in den von den Klägern vorgelegten 9 Millionen Dokumenten Beweise für eine Preisabsprache enthalten sei, verwies der klagende Anwalt auf eine E-Mail aus dem Jahre 2002. Nvidias Senior Vice President of Marketing Dan Vivoli schrieb an den damaligen ATI President und Chief Operating Officer (COO) Dave Orton u.a.: „Ich denke wirklich, wir sollten beim Marketing stärker zusammen arbeiten. Wie Sie und ich bereits besprochen haben, obwohl wir Konkurrenten sind, haben wir das gemeinsame Ziel, unseren Markt zu einem gut positionierten, respektierten Spielfeld zu machen. Aktienkurse von 5 und 8 US-Dollar sind das Ergebnis von mangelndem Respekt.“
Der Kommentar von Richter Alsup, nachdem er die E-Mail laut im Gerichtssaal vorgelesen hatte: „Das ist nicht gut für die Verteidigung. Geschworene würden so etwas gerne sehen.“

Man rechnet damit, dass die Anhörungen in diesem Jahr abgeschlossen werden und ein entsprechendes Verfahren Anfang 2009 eröffnet werden kann.

Quelle: Law.com

Frank Schräer

Herausgeber, Chefredakteur und Webmaster

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