Von Windows und Mehrkern-CPUs

Windows-Entwickler denkt über Neu-Design nach

Die Anzahl der CPU-Kerne in PCs steigt: Quad-Cores sind bei Privatanwendern bereits verbreitet und AMDs wie Intels kommende Sechs-Kerner könnten sich ebenfalls großer Beliebtheit erfreuen. Doch die Leistung des Systems steigt nicht proportional im Verhältnis zu den Kernen, weil die Betriebssysteme die Multi-Cores oft nicht richtig ausnutzen können. Dave Probert, einer der Entwickler des Windows-Kernels, glaubt daher, dass die gesamte Architektur des Microsoft-Betriebssystems umgekrempelt werden müsste.

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Probert denkt, dass sich Multi-Cores nur mit einem neuen Konzept auf Dauer effizient nutzen lassen. Probert arbeitet bereits an der nächsten Windows-Version, stellte aber klar, dass seine persönlichen Ansichten nicht unbedingt Rückschlüsse auf die Arbeit am neuen Windows erlauben.

Laut Probert müsste sich ein für Mehrkern-CPUs ideales Betriebssystem stark von aktuellen Windows-Versionen oder Unix unterscheiden. Probleme sieht der Windows-Entwickler vor allem bei de Zuweisung von Prioritäten: Oft würden den falschen Tasks hohe Prioritäten zugewiesen. Hier müsste man den Anwendern selbst mehr Einstellungsmöglichkeiten bieten.

Außerdem sei das Programmieren für Multi-Cores sehr kompliziert, da man es mit vielen virtuellen Prozessoren zu tun habe: Etwa spalte Windows die CPU ohnehin, da im Grunde der Kernel eine virtuelle CPU belaste und dann wieder die Programme jeweils für sich versuchen würden die CPU zu beanspruchen. Im Grunde verhalte sich Windows so, als würde jede Anwendung auf einer eigenen CPU arbeiten – egal wie viele Kerne tatsächlich vorhanden sind. Das macht das Programmieren um so schwerer, je mehr CPU-Kerne es zu organisieren gilt. Es gibt unzählige virtuelle CPUs, deren Prioritäten auf wenigen physisch existierenden Prozessorkernen koordiniert werden müssen.

Hier sieht Probert aber auch eine Chance: Wenn die Anzahl der Kerne steigt, sind die virtuellen CPUs vielleicht nicht mehr nötig, sondern man kann sich auf tatsächlich vorhandene Kerne konzentrieren, statt Windows zu veranlassen „so zu tun als ob“ mehrere CPUs vorhanden wären. Auf diese Weise könnte man die Programmierung vereinfachen und den Programmen selbst mehr Freiraum geben.

Probert räumt allerdings ein, dass für diese Herangehensweise viele langfristige Tests nötig seien und die Idee umstritten ist. Er hält sie jedoch für „ein vielversprechendes Konzept“.

Quelle: NetworkWorld

André Westphal

Redakteur

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