Mythen um Wi-Fi-Gesundheitsrisiken

Studien hinter Warnungen sind fragwürdig

Der Europarat hat einen Bericht veröffentlicht, der drahtlosen Übertragungstechniken allerlei Gesundheitsrisiken bescheinigt. Teilweise vergleicht man die Gesundheitsrisiken, die etwa durch Kommunikation mit drahtlosen Telefonen bzw. Handys entstehen, gar mit den Gefahren durch Zigarettenkonsum. Für EU-Staaten schlägt man vor Wi-Fi aus Schulen zu verbannen und in öffentlichen Einrichtungen wieder kabelgebundene Telefone einzuführen. Leider sind die zugrunde liegenden Studien allerdings kritikwürdig, da es sich noch um eine hypothetische Gefahr handelt.

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So liegen den Studien, die „Handy-Strahlung“ krebsfördernde Wirkung bescheinigen, nur höchst unsichere Datenbasen zugrunde, da man sich auf subjektive Auskünfte zum Nutzungsverhalten verlassen hat. Zudem variieren die Ergebnisse der Untersuchungen stark, denn einige Studien erkennen ein erhöhtes Krebsrisiko, andere wieder nicht. Außerdem berufen sich die Studien in der Regel auf Daten zur Handy-Nutzung, die sich noch auf ältere Produkte beziehen, die wesentlich unausgereifter waren als heutige Mobiltelefone.

Somit existieren bis heute keine stichhaltigen Beweise, dass die Strahlen durch Wi-Fi-Geräte oder Handys menschlichem Gewebe langfristig schaden können. Studien mit Menschen, die selbst über negative Effekte durch Wi-Fi-Geräte klagen, haben ergeben, dass die Betroffenen entgegen eigener Behauptungen nicht auseinanderhalten können, ob Wi-Fi-Geräte in der Nähe aktiv sind. Die Symptome scheinen demnach aus anderen Quellen zu stammen oder psychosomatischer Natur zu sein.

Im Bericht des Europarates wurden zudem Forschungen zitiert, die teilweise einseitig argumentieren oder anderweitige Studien mit abweichenden Ergebnissen falsch bzw. irreführend zitieren. Im Ergebnis ist die Argumentation mehr als vage und lückenhaft. So blendet man etwa abweichende Studienergebnisse größtenteils aus und konzentriert sich auf wenige, einseitige Forschungsergebnisse um die eigene Position als unumstritten darzustellen. Der Bericht geht in diesem Zuge ziemlich weit und fordert von der gesamten Mobilfunkindustrie sich wieder auf kabelgebundene Techniken zu fokussieren. Zudem fordert man eine große Informationskampagne, um an Schulen aufzuklären. Dieses kostspielige Unterfangen wirkt sehr überzogen, da weiterhin eben ein abgesichter wissenschaftlicher Konsens fehlt.

Bisher steht allerdings eine Reaktion der einzelnen Staaten noch aus. Wie der Bericht also angenommen wird, ist aktuell offen.

Quelle: ArsTechnica

André Westphal

Redakteur

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