Vernichtet die IT mehr Jobs als sie schafft?

MIT-Wissenschaftler: IT vernichtet Jobs und macht die Reichen immer reicher

Während einige der Ansicht sind, dass durch neue Technologien auf lange Sicht mehr Jobs entstehen, als es vorher der Fall war, sehen das die beiden MIT-Wissenschaftler Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee anders. Wie Technology Review berichtet, vertreten die beiden Autoren in ihrem neuen Buch „Race Against The Machine“ die Meinung, dass die Informationstechnik nicht nur mehr Jobs vernichtet als sie neue hervorbringt, sondern darüber hinaus die Reichen noch reicher macht. So habe sich das Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahrzehnt vom Arbeitsmarkt entkoppelt.

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Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee vertreten die Ansicht, dass die IT den Managern einiger Branchen zu gewaltigen Umsätzen und Gewinnen verhilft, sie ersetzt Angestellte durch Software und sie ist in der Automatisierung von Fabriken für die Eigentümer von größerem Nutzen als für die Mitarbeiter.

Laut Brynjolfsson und McAfee ist nicht nur die Deregulierung der Finanzmärkte Schuld daran, dass ein Großteil des erwirtschafteten Wohlstands in die Taschen der reichsten 1 % fließen. Die Tatsache, dass verstärkt auf ein Software-gesteuertes Management gesetzt wird und vermehrt digitale Produkte verkauft werden, trage ebenfalls sehr dazu bei. Egal ob nun Mark Zuckerberg, Lady Gaga oder ein Hedgefonds-Manager, die IT ermöglicht es, dass diese „ihre Fähigkeiten für viel mehr Vermögenswerte und Kunden einsetzen, als es zuvor möglich gewesen war“, so Brynjolfsson. Denn „anders als Atome kann man Bits kostenlos, global und verzugslos verbreiten. Alles Digitale, von Software bis zu Musik, kann ein viel größeres globales Publikum erreichen. Dasselbe gilt auch für Software-gesteuerte Geschäftprozesse. Das machen sich CEOs zunutze.“

Dies könnte eine Erklärung dafür sein, wieso die Zahl der Arbeitsplätze im vergangenen Jahrzehnt sank, während die Wirtschaft und Produktivität weiter wachsen konnten. Denn dies war in den Jahrzehnten zuvor nicht der Fall.

Diese Entwicklung sei aber laut Brynjolfsson noch nicht am Ende. So könnten durch intelligentere Assistentensysteme und Frage-Antwort-Software oder neue Industrieroboter weitere Arbeitskräfte eingespart werden, wodurch „mehr Erträge zum Kapital fließen und weniger zum Faktor Arbeit“.

Der amerikanische Ökonom und Nobelpreisträger Robert Solow sieht die Sache etwas anders. So habe der technische Fortschritt schon immer Menschen arbeitslos gemacht, doch habe die Gesamtbeschäftigung nicht darunter gelitten. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob sich dies im vergangenen Jahrzehnt womöglich geändert hat. Des Weiteren verweist er darauf, dass die Milliarden armen, nach Wohlstand strebenden Menschen in anderen Teilen der Welt für weiteres Wirtschaftswachstum sorgen könnten und sich dadurch für die reichen Länder neue Export-Möglichkeiten ergäben.

Ungeklärt bleibt die Frage, wie sich eine Wirtschaft organisiert, in der viele Arbeitskräfte durch Roboter ersetzt werden. Laut Solow wäre die Demokratisierung des Kapitals eine Möglichkeit. Dabei würde das Eigentum am gesamten Kapital samt Maschinen etc. über die Bevölkerung verteilt werden und dieses würde wie ein Anlagefonds funktionieren. Es sei aber ungewiss, ob dieser Fall überhaupt eintreten wird, und wenn, dann wohl erst in 100 bis 200 Jahren.

Quelle: Technology Review

Jan Apostel

Redakteur

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