Filmstudios sind selbst Raubkopierer

Mitarbeiter teilen selbst Pornos online

Aktionen gegen Raubkopien sind vor allem den ehrlichen Käufern ein Dorn im Auge: So prangten in der Vergangenheit gerade auf DVDs oft Werbespots und Promo-Videos, die Raubkopierer mit Kapitalverbrechern gleichsetzten. Der ehrliche Kunde musste diesen vorgehaltenen Finger ertragen, während die zweifelhaften Videos bei illegalen Kopien sowieso entfernt wurden. Laut einer neuen Studie der US-Tauschbörse Torrentfreak sollten zumindest die Filmstudios den Mund ohnehin nicht zu voll nehmen: Oft stammen illegale Kopien nämlich aus dem eigenen Hause.

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Torrentfreak hat mit dem BitTorrent-Analysedienst Scaneye die IP-Adressen von Uploadern beliebter Film-Torrents erfasst. Die IP-Adressen hat man dann mit den statischen IP-Adressbereichen großer Filmstudios verglichen. Für die Studios fallen die Ergebnisse beschämend aus: Aus den Netzwerken bekannter Vertriebe wie Disney, 20th Century Fox, Sony Pictures, Warner Bros. und Paramount Pictures werden viele aktuelle Filme zum Herunterladen angeboten. Offenbar laden nachlässige Mitarbeiter selbst über BitTorrent Daten herunter und teilen auch illegale Filmkopien mit anderen Anwendern. Weder wurden dabei die IP-Adressen verschleiert, noch bereits heruntergeladene Filme aus den Share-Ordnern entfernt.

So entdeckte man im Rahmen der Analyse witzigerweise auf den Paramount-Servern eine Raubkopie der Lionsgate-Produktion „The Hunger Games – Die Tribute von Panem“. Warner Bros. reicht dagegen über nachlässige Mitarbeiter mehrere Pornos und „The Expendables 2“, ebenfalls eine Lionsgate-Produktion, weiter. Bei Sony dagegen steht „Ice Age 4: Voll Verschoben“ des Konkurrenten 20th Century Fox zum Download bereit.

Die Ergebnisse der Torrent-Analyse stellen die Studios in einem sehr schlechten Licht dar. Zudem dürften die Vertriebe in Erklärungsnot geraten: In der Vergangenheit erklärte man die Verbreitung bestimmter Filme damit, man habe auf diese Weise Raubkopierer drankriegen wollen. Da auf den Firmen-Servern aber auch Pornos und Independent-Filme illegal verbreitet wurden, scheidet diese Erklärung aus.

Aber nicht nur die Filmstudios geben sich Blößen: Auch über IP-Adressen von Musikvertrieben, US-Behören, dem Deutschen Bundestag oder dem Europäischen Parlament werden illegal Filme und andere Dateien verbreitet. Hier sollten die IT-Administatoren vermutlich einmal prüfen, wer die Firmennetzwerke missbraucht – sonst drohen in Zukunft weitere Peinlichleiten.

Quelle: Welt

André Westphal

Redakteur

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