Trubel bei BlackBerry

Thorsten Heins räumt Posten als CEO

BlackBerry hat gestern abend gleich mehrere überraschende Ankündigungen vorgenommen: Zum einen hat man sich abrupt von seinem Geschäftsführer Thorsten Heins verabschiedet. Übergangsweise und ab sofort sitzt nun John S. Chen auf seinem Posten. Zum anderen sind die Verkaufspläne des Unternehmens auf Eis gelegt. Stattdessen will man durch Investoren ca. 1 Milliarde US-Dollar zusammenkratzen, zu denen auch die Fairfax Holdings zählen, welche ursprünglich versucht hatten BlackBerry von der Börse abzuziehen.

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Laut der Vorstandsvorsitzenden Barbara Stymiest sei der neue Kurs für den kanadischen Hersteller langfristig die vitalste Option und auch im Sinne der Aktionäre. Den ehemaligen Geschäftsführer Heins lobt man zwar in einer Pressemitteilung zu seinem Ausscheiden dafür, dass er BlackBerry durch eine schwierige Zeit der Restrukturierung geführt habe, hinter den Kulissen dürfte sein Ausscheiden aber wohl handfester abgelaufen sein: So verlor BlackBerry während Heins Zeit als CEO kontinuierlich Marktanteile und fuhr Verluste ein. Sein abrupter Weggang deutet darauf hin, dass die internen Konflikte den Siedepunkt erreicht hatten.

In einem Interview äußert sich auch der Übergangs-CEO John S. Chen, der zuvor als Geschäftsführer für Sybase tätig war, zu BlackBerrys Plänen. Laut Chen fühle er sich wie in einem Film, den er bereits gesehen habe. Denn auch bei Sybase übernahm er in einer schwierigen Phase 1998 den Posten des Geschäftsführers. Er hatte es damals geschafft sich mit Sybase auf einen Nischenmarkt zu fokussieren und erreichte innerhalb eines Jahres wieder die Gewinnzone. Ob ihm dies auch bei BlackBerry gelingt, muss nun die Zeit zeigen.

Die Aktionäre scheinen ihre Zweifel zu haben, denn der Kurs BlackBerrys fiel gestern um rund 16 %. Chen bleibt optimistisch und erklärt: „Es gibt viel zu tun. Es gibt viele Herausforderungen – aber sonst hätte ich auch kein Interesse.“ Innerhalb der Industrie gilt Chen als sehr energetisch und rational. Als ihm beispielsweise einmal ein Manager vorschlug ein Produkt umzubenennen, das sich schlecht verkauft hatte, entgegnete Chen, ob man auch seinen Kindern andere Namen geben solle, wenn sie schlechte Noten in der Schule bekämen.

Quelle: Reuters

André Westphal

Redakteur

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