(Auszug aus der Pressemitteilung)
Vor dem Hintergrund neuer EU-Vorschriften wird die Frage, wie sich Compliance-Kultur in konkrete Sicherheits- und Governance-Maßnahmen übersetzen lässt, immer dringlicher. Der neue Bericht State of Risk & Compliance in Germany 2026 des führenden Anbieters von Risiko- und Compliance-Lösungen NAVEX zeichnet ein differenziertes Bild der deutschen Compliance-Landschaft. Die Studie zeigt, dass deutsche Organisationen bei zentralen kulturellen Faktoren wie Vertrauen, ethischer Führung und Investitionsbereitschaft viele europäische und internationale Konkurrenten übertreffen. Gleichzeitig offenbart der Bericht Unterschiede bei der operativen Umsetzung von Compliance-Maßnahmen, insbesondere in mittelständischen Organisationen und auf der Ebene des mittleren Managements. Oliver Riehl, Regional Vice President, DACH bei NAVEX, gibt seine Perspektive auf die Befunde.
Deutschlands Compliance-Kultur zählt zu den stärksten in Europa. Dies ist eine der zentralen Erkenntnisse des aktuellen Berichts State of Risk & Compliance in Germany 2026 von NAVEX. Laut der umfragebasierten Studie geben 58 Prozent der deutschen Befragten an, dass die oberste Führungsebene ihrer Organisation auch angesichts konkurrierender Geschäftsinteressen an ihrem Bekenntnis zu ethischem Handeln festhält. Weltweit liegt dieser Wert bei 50 Prozent, der Vergleichswert für die Europäische Union ohne Deutschland beträgt 37 Prozent. Gleichzeitig befürchten in Deutschland 37 Prozent der Beschäftigten negative Konsequenzen für ihre Karriere, wenn sie Bedenken oder Fehlverhalten melden, verglichen mit 51 Prozent weltweit. Darüber hinaus erwarten 42 Prozent der Organisationen in diesem Markt, dass ihre Compliance-Budgets um mindestens zehn Prozent steigen werden, verglichen mit 32 Prozent weltweit. „Die Ergebnisse zeigen, dass Deutschland stark in GRC investiert und sich Beschäftigte im Vergleich zu anderen Ländern stärker ermutigt fühlen, Missstände anzusprechen“, erklärt Oliver Riehl, Regional Vice President, DACH bei NAVEX. „Diese kulturelle Stärke bildet eine wichtige Grundlage für wirksame Compliance-Programme.“
Deutschlands Compliance-Landschaft – starke Kultur, uneinheitliche Umsetzung
Die Studie zeigt, dass sich diese kulturellen Stärken nicht in allen Bereichen gleichermaßen in den Organisationsstrukturen widerspiegeln. Deutsche Organisationen berichten häufiger als ihre europäischen Konkurrenten von Herausforderungen bei der Umsetzung regulatorischer Anforderungen. So nennen beispielsweise 42 Prozent der Befragten Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Anforderungen zur Korruptionsbekämpfung und Ethik. Im übrigen Europa liegt dieser Wert bei 25 Prozent. Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Schutz von Hinweisgebern werden ebenfalls von 32 Prozent der deutschen Organisationen genannt, verglichen mit 20 Prozent in anderen EU-Mitgliedstaaten. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Umsetzung regulatorischer Anforderungen und die Verankerung entsprechender Strukturen weiterhin uneinheitlich sind. „Eine starke Compliance-Kultur ist die Grundlage dafür, Risiken frühzeitig zu erkennen und regulatorische Anforderungen nachhaltig zu erfüllen. Organisationen müssen sicherstellen, dass klare Prozesse, wirksame Meldekanäle und eine konsequente Einbindung der Führungskräfte in das operative Tagesgeschäft vorhanden sind“, sagt Riehl. NAVEX unterstützt Organisationen mit integrierten Lösungen für Hinweisgebersysteme, Richtlinienmanagement, Risiko- und Compliance-Management sowie Schulungen.
Mittelständische Organisationen weisen die größten strukturellen Lücken auf
Mittelständische Organisationen – mit n 2.500 bis 9.999 Beschäftigten – sind möglicherweise besonders exponiert. Obwohl auch diese Organisationen von den allgemeinen kulturellen Stärken Deutschlands profitieren, liegen sie bei mehreren Indikatoren der Compliance-Reife hinter anderen Organisationen zurück. 34 Prozent der mittelständischen deutschen Organisationen bieten anonyme Meldekanäle an. Bei vergleichbaren Organisationen weltweit liegt dieser Wert bei 47 Prozent. Während 44 Prozent der deutschen Unternehmen von einer strategischen Einbindung des Vorstands oder des Leitungsorgans in Compliance-Themen berichten, sinkt dieser Wert bei lokalen mittelständischen Organisationen auf 31 Prozent. Darüber hinaus geben in dieser Gruppe nur elf Prozent an, dass ihr Compliance-Programm die höchste Reifestufe „Optimizing“ erreicht hat. Unterschiede zeigen sich auch bei der Messung der Wirksamkeit von Compliance-Programmen. In Deutschland nutzen lediglich 31 Prozent der mittelständischen Organisationen Daten aus Compliance-Schulungen zur Bewertung ihrer Programme, verglichen mit 62 Prozent der kleinen und 59 Prozent der großen Organisationen. Gleichzeitig führen 34 Prozent der mittelständischen Organisationen Gap-Analysen zur Identifizierung von Risiken durch, während 29 Prozent externe Compliance-Audits nutzen. „Was wir in der Praxis beobachten, ist, dass Compliance in mittelständischen Organisationen häufig weniger formalisiert ist. Rollen, Berichtslinien und Messgrößen entwickeln sich noch weiter, was Transparenz und Aufsicht erschweren kann“, erklärt Riehl. Er ergänzt: „In solchen Situationen können integrierte Compliance- und Risikomanagement-Lösungen wie NAVEX dabei helfen, Prozesse zu standardisieren, Verantwortlichkeiten klar zu definieren und relevante Kennzahlen zentral auszuwerten. Dadurch erhalten Organisationen eine stärkere Grundlage, um Risiken frühzeitig zu erkennen und Compliance-Programme wirksam zu steuern.“
Eine Lücke zwischen Führung und operativer Umsetzung wird sichtbar
Ein weiterer Schwerpunkt des Berichts ist die Rolle des mittleren Managements. Die Ergebnisse zeigen, dass ethische Führung nicht auf allen Führungsebenen gleichermaßen wahrgenommen wird. Während 58 Prozent der deutschen Befragten angeben, dass Mitglieder der obersten Führungsebene auch unter Druck an ihrem ethischen Handeln festhalten, sagen dies nur 33 Prozent über das mittlere Management (gegenüber 45 Prozent weltweit). Diese Lücke ist in mittelständischen Organisationen in Deutschland besonders ausgeprägt. Nur 49 Prozent der Befragten in diesen Organisationen nehmen das mittlere Management als ethische Vorbilder wahr. In kleinen Organisationen liegt dieser Wert bei 62 Prozent, in großen Organisationen erreicht er 72 Prozent. Gleichzeitig berichten 45 Prozent der Befragten, dass das mittlere Management Schwierigkeiten hat, von Beschäftigten gemeldete Bedenken angemessen zu behandeln oder weiterzuleiten. Unterstützende Maßnahmen sind vergleichsweise selten. Nur 13 Prozent der deutschen Organisationen nutzen Kennzahlen zur Speak-up-Kultur als Bestandteil der Bewertung von Führungskräften, während verpflichtende Schulungen zum Umgang mit Meldungen lediglich in 38 Prozent der Organisationen existieren. „Das mittlere Management spielt eine entscheidende Rolle dabei, wie Bedenken entgegengenommen, bewertet und eskaliert werden. Deshalb ist es wichtig, diese Führungskräfte mit maßgeschneiderten und kontinuierlichen Schulungen, Prozessen und Leitlinien auszustatten“, erklärt Riehl. Viele Organisationen greifen zunehmend auf externe Unterstützung zurück, um Hinweisgebersysteme, Schulungsprogramme und Compliance-Prozesse aufzubauen und weiter zu stärken. NAVEX unterstützt Organisationen mit speziell entwickelten Lösungen und Best Practices, um wirksame Strukturen für das Management von Meldungen und Risiken zu etablieren.
Kulturelle Stärke bleibt die Grundlage zukünftiger Compliance-Programme
Insgesamt zeichnet der NAVEX-Bericht ein positives Bild der deutschen Compliance-Landschaft. Deutschland schneidet insbesondere bei Vertrauen, Führungsverhalten und Investitionsbereitschaft im Vergleich zu vielen europäischen und internationalen Märkten sehr gut ab. Vor dem Hintergrund zunehmender regulatorischer Anforderungen wie der CSDDD, dem EU AI Act und NIS2 zeigt der Bericht, dass die Verbindung zwischen kultureller Stärke und operativer Umsetzung für deutsche Organisationen zunehmend an Bedeutung gewinnen wird. Insbesondere die Reife der Programme, Governance-Strukturen, Meldekanäle und die Unterstützung durch Führungskräfte werden entscheidende Faktoren für resiliente Compliance-Programme sein. „Deutschland startet aus einer Position der Stärke. Die Herausforderung besteht nun darin, diese kulturellen Grundlagen in robuste Prozesse und Strukturen zu überführen“, fasst Riehl zusammen.
Über den Bericht
Für den Bericht State of Risk & Compliance in Germany 2026 befragten NAVEX und die in London ansässige B2B-Agentur alan. agency gemeinsam mit der iResearch Consulting Group weltweit 1.179 Führungskräfte aus verschiedenen Branchen. Die Befragung wurde zwischen dem 5. Januar und dem 5. Februar 2026 durchgeführt.

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