Der Boom bei künstlicher Intelligenz (KI) sorgt nicht nur für eine steigende Nachfrage nach GPUs und SSDs. Auch klassische Festplatten (HDDs) werden für große Rechenzentren wieder wichtiger. Toshiba will von dieser Entwicklung profitieren und plant offenbar, seine Produktionskapazität für HDDs bis zum Geschäftsjahr 2027 nahezu zu verdoppeln.
Laut einem Bericht der japanischen Wirtschaftszeitung Nikkei will Toshiba dafür rund 60 Milliarden Yen, umgerechnet fast 340 Millionen Euro, investieren. Der Ausbau konzentriert sich auf die Fertigungsanlagen des Unternehmens auf den Philippinen. Es wäre die erste größere Investition von Toshiba in die HDD-Produktion seit rund fünf Jahren.
Hinter dem Ausbau steht vor allem die wachsende Nachfrage aus Rechenzentren. KI-Anwendungen erzeugen enorme Datenmengen, die dauerhaft gespeichert werden müssen. HDDs sind dabei deutlich langsamer als SSDs, bieten pro Laufwerk und insbesondere pro gespeicherter Datenmenge aber weiterhin Kostenvorteile.
Toshiba will mit neuen Fertigungslinien Laufwerke herstellen, deren Speicherkapazität pro Einheit um bis zu 40 Prozent höher liegt. Damit soll nicht nur die Produktionsmenge steigen, sondern auch die insgesamt verfügbare Speicherkapazität.
Toshiba strebt laut Nikkei zudem an, seinen Anteil am HDD-Markt gemessen an der ausgelieferten Speicherkapazität mittelfristig von derzeit etwas mehr als 10 Prozent auf rund 30 Prozent zu erhöhen. Damit würde der japanische Hersteller deutlich stärker mit den beiden anderen großen HDD-Produzenten Seagate und Western Digital konkurrieren.
Parallel zum Ausbau der Fertigung arbeitet Toshiba an deutlich höheren Speicherkapazitäten. Die Roadmap sieht laut den Berichten eine Massenproduktion von HDDs der 65-TByte-Klasse ab 2030 vor. Langfristig sind sogar Festplatten mit 100 TByte vorgesehen.
Bereits für 2027 stehen Laufwerke der 30-TByte-Klasse im Fokus, nachdem Toshiba mit der M12-Serie erste Nearline-HDDs mit bis zu 34 TByte für den Enterprise-Einsatz bereits im Frühjahr angekündigt hatte. Toshiba plant anschließend den weiteren Ausbau auf 40 TByte und darüber hinaus. Für die höheren Kapazitäten müssen allerdings auch Aufzeichnungstechnik und Aufbau der Festplatten weiterentwickelt werden.
Der Ausbau kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die HDD-Nachfrage ohnehin hoch ist. Gleichzeitig sorgt die starke Nachfrage nach NAND-Flash und SSDs für zusätzliche Engpässe im Speichermarkt. Für große Rechenzentren bleiben HDDs deshalb trotz ihrer geringeren Geschwindigkeit eine wichtige Ebene der Speicherhierarchie.
Ob Toshiba seine ambitionierten Marktanteilsziele tatsächlich erreichen kann, bleibt abzuwarten. Analysten weisen darauf hin, dass dafür auch Zulieferer ihre Kapazitäten erhöhen müssten. Die geplante Investition dürfte daher nicht automatisch zu einer entsprechenden Verdoppelung der tatsächlich verfügbaren HDD-Mengen auf dem Weltmarkt führen.
Quelle: Nikkei Asia

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