Intel reagiert auf die stark gestiegene Nachfrage nach Server-Prozessoren für KI-Rechenzentren mit einer Anpassung seiner Fertigungsstrategie. Der Konzern will zusätzliche Produktionskapazitäten für seine Xeon-Familie schaffen und dafür teilweise auch Ressourcen nutzen, die bislang für Client-Prozessoren vorgesehen waren. Hintergrund ist eine zunehmende Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage: Während der PC-Markt schwächelt, übersteigt der Bedarf an Server-CPUs weiterhin die verfügbaren Liefermengen.
Die Entwicklung geht aus Intels Geschäftsbericht für das dritte Quartal 2026 hervor, den das Unternehmen kürzlich bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat. Darin beschreibt Intel erhebliche Einschränkungen durch Engpässe bei Substraten, Speicher und weiteren wichtigen Komponenten. Besonders betroffen seien Rechenzentrumsprozessoren, deren Fertigung auf entsprechend aufwendige Packaging-Technologien angewiesen ist.
Die Zahlen verdeutlichen, warum Intel seine Prioritäten verschiebt. Im dritten Quartal 2026 legte der Umsatz der Data Center and AI Group (DCAI) im Jahresvergleich um 78 Prozent auf rund 7,3 Milliarden US-Dollar zu. Allein der Serverumsatz stieg um 2,5 Milliarden Dollar. Dabei erhöhte sich der durchschnittliche Verkaufspreis (ASP) um 54 Prozent, während die ausgelieferte Stückzahl um 10 Prozent zunahm. Vor allem die großen Cloud-Anbieter treiben die Nachfrage.
Demgegenüber entwickelte sich das Client-Geschäft deutlich schwächer. Der Umsatz mit Desktop- und Notebook-Prozessoren sank im dritten Quartal um 424 Millionen Dollar auf 6,9 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Rückgang von rund 6 Prozent. Die verkaufte Stückzahl ging sogar um 14 Prozent zurück. Neben der schwächeren Nachfrage spielen dabei auch steigende Speicherpreise und begrenzte IT-Budgets eine Rolle.
Intel sieht deshalb eine Möglichkeit, frei werdende Fertigungskapazitäten aus dem Client-Bereich für das lukrativere Server-Geschäft einzusetzen. Konkret soll im US-Bundesstaat Oregon die Fertigungstechnologie Intel 3 zusätzliche Kapazitäten erhalten. Dafür werden teilweise Produktionsressourcen umgewidmet, die ursprünglich für Intel-18A-Chips wie die letztes Jahr enthüllten Intel Core Ultra 300 alias „Panther Lake“ vorgesehen waren.
Intel-CFO David Zinsner bestätigte diese Vorgehensweise während der Präsentation der Quartalszahlen. Die Umstellung soll allerdings Zeit benötigen: CEO Lip-Bu Tan rechnet damit, dass die zusätzlichen Intel-3-Kapazitäten in Oregon erst in der zweiten Jahreshälfte 2027 für die Produktion zur Verfügung stehen. Auch die Fertigung im irischen Werk Fab 24 soll ausgebaut werden, um mehr Xeon-Prozessoren herstellen zu können.
Eine schnelle Entspannung ist dennoch nicht in Sicht. Intel kämpft nicht nur mit begrenzten Wafer-Kapazitäten, sondern auch mit Engpässen bei sogenannten Substraten, die für die fortschrittliche Chipverpackung von Server-Prozessoren benötigt werden. Hinzu kommen knappe Speicherkomponenten. Intel arbeitet mit zusätzlichen Fertigungskapazitäten und langfristigen Lieferverträgen dagegen an, kann die Einschränkungen aber nicht vollständig ausgleichen.
Nach Einschätzung des Unternehmens dürften die branchenweiten Lieferprobleme noch bis ins Jahr 2027 hineinreichen. Gleichzeitig erwartet Intel eine anhaltend starke Nachfrage nach Produkten für Rechenzentren. Die Nachfrage nach Server-CPUs könnte laut Management sowohl 2026 als auch 2027 um mehr als 30 Prozent wachsen, sofern genügend Produktionskapazitäten verfügbar wären.
Für PC-Käufer bedeutet die Entwicklung möglicherweise längere Lieferzeiten und weniger Spielraum bei den Preisen. Intel muss seine begrenzten Produktionsressourcen zunehmend dort einsetzen, wo die Nachfrage besonders hoch und die erzielbaren Verkaufspreise attraktiv sind. Das könnte das Angebot an bestimmten Client-Prozessoren zusätzlich einschränken, auch wenn die schwächere PC-Nachfrage einen Teil der frei werdenden Kapazitäten erklärt. Eine kurzfristige Rückkehr zu einem entspannten CPU-Markt ist damit nicht absehbar.
Quelle: Intels SEC-Meldung

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