ATI verlängert Technologie-Zyklus

Komplett neue Grafikchips nur noch alle zwei Jahre - R400 erst in 2004?

In der Vergangenheit brachten die beiden führenden Grafikchip-Hersteller nVidia und ATI Technologies alle 12 bis 18 Monate grundsätzlich neue Technologien und Architekturen auf den Markt. Dazwischen gab es überarbeitete und optimierte, aber auch einfach schnellere bzw. langsamere Versionen, so dass etwa alle sechs Monate neue Grafikkarten eingeführt werden konnten. ATI und nVidia sind mit diesen Strategien sehr gut gefahren und die einzig noch nennenswerten Hersteller von diskreten (nicht integrierten) Grafikchips.

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Nun sind die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (kurz: F&E) in letzter Zeit aber so sehr angestiegen, dass ATI entschieden hat, seinen Technologie-Zyklus auf 18 bis 24 Monate zu verlängern.

Nach Angaben von Rick Bergman, Senior Vice-President bei ATI, sind Grafikchips so komplex geworden, dass man das Budget für F&E um mehr als die üblichen 10% jährlich hätte aufstocken müssen, um die bisherige Innovationsgeschwindigkeit beibehalten zu können. Angesichts der Tatsache, dass die PC-Verkäufe in den letzten zwei Jahren stagnierten, wäre dies wohl ein zu hohes wirtschaftliches Risiko. In diesem Jahr gibt ATI deshalb “nur“ 165 Millionen US-Dollar für F&E aus statt $180 Mio., die sonst hätten veranschlagt werden müssen.
Die Verlängerung der Laufzeiten bestimmter Architekturen birgt natürlich die Gefahr, dass man technologisch hinter die Konkurrenz zurückfällt, selbst wenn man die Produktzyklen von sechs bis neun Monaten weiterhin einhält. Es ist derzeit noch nicht bekannt, ob nVidia dem Beispiel von ATI folgen wird, oder ob die Kalifornier diese Chance nutzen, sich wieder einen Technologievorsprung zu erarbeiten. Andererseits behaupten böse Zungen sogar, dass nVidia den längeren Zyklus durch die Verzögerungen des NV30 bereits eingeführt hat. 😉
Weiterhin könnte auch Microsoft hier ATI in die Hände spielen, denn DirectX 9 wird eine längere Laufzeit vorausgesagt. Bis DirectX 10 erhältlich ist, könnte es nämlich noch ein paar Jahre dauern, so dass keine dringende Notwendigkeit für komplett neue Grafik-Architekturen besteht.

Mittelfristig ist jetzt interessant zu beobachten, wie sich die Entscheidung von ATI auf die Einführung der nächsten Chip-Generation auswirkt. Kommt der R400 noch in diesem Herbst oder doch erst 2004? Sicher ist nur, dass im Laufe diesen Jahres neue Produkte von ATI auf den Markt kommen werden, um mit nVidias Angeboten zu konkurrieren. Ob es sich dabei um den R400 oder um schnellere, optimierte Varianten des R350 (Radeon 9800 Pro) handelt, ist noch nicht bekannt.

Quelle: BusinessWeek

Frank Schräer

Herausgeber, Chefredakteur und Webmaster

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