AMD64-kompatible Intel-CPUs

Intel zeigt angeblich Mitte Februar eigene 32bit-CPUs mit 64bit-Fähigkeit

Nachdem es lange Zeit nur Gerüchte gab über das angebliche Yamhill-Projekt von Intel, konnte man über Weihnachten die erste offizielle Bestätigung lesen. Zwar wurde diese umgehend dementiert, aber nach den Angaben von Intel-Chef Paul Otellini in einem Interview mit dem Wall Street Journal von dieser Woche ist die Lage nun deutlich klarer. “Sie können ganz sicher sein: Sobald ein entsprechendes Angebot an 64bit-Software vorhanden ist, und zwar Betriebssysteme und Applikationen, werden wir mit von der Partie sein“, meinte der President and Chief Operating Officer von Intel. Dies deutet einen Strategiewechsel bei Intel an, denn bislang setzte man auf entweder 64bit (Itanium für Server) oder auf 32bit (Pentium 4 für Desktop und Xeon für kleinere Server und Workstations). AMD kann dagegen Erfolge bei der Akzeptanz seiner AMD64 Prozessoren Athlon 64 (FX) und Opteron feiern, die sowohl 32bit- als auch 64bit-Software originär verarbeiten können.

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Aus Intel-nahen Quellen ist zu hören, dass der Marktführer bei PC-Prozessoren 64bit-Versionen seiner Xeon und Pentium 4 CPUs Mitte Februar auf der Intel Developer Forum in San Francisco präsentieren wird. Intel hatte sich mit solchen Informationen bisher zurückgehalten, um die Verkaufszahlen des 64bit Itanium nicht zu beeinträchtigen. Diese dürften nun deutlich zurückgehen, denn ein günstigerer Xeon mit 64bit-Fähigkeiten dürfte für die meisten Server-Betreiber interessanter sein als ein Itanium, der 32bit-Software nur emulieren und sehr langsam verarbeiten kann.
In diesem Zusammenhang sind die Zahlen der Marktforscher von IDC interessant. Demnach wurden im dritten Quartal letzten Jahres – erst dem zweiten Quartal seit Einführung des AMD Opteron im April – 10.746 Opteron-Server verkauft, mehr als doppelt so viele wie Itanium-Systeme (4.957). Andererseits verblassen diese 64bit-Absatzzahlen im Vergleich mit den im dritten Quartal verkauften 1,18 Millionen 32bit-Servern mit Intel Xeon oder Pentium oder AMD Athlon Prozessoren.

Die unter dem Namen Yamhill bekannt gewordene 64bit-Technologie für 32bit-CPUs soll nach inoffiziellen Informationen nun “CT“ heißen. Dies würde in die bestehende Reihe von Technologienamen passen, die Intel bereits in seine Prozessoren integriert. Dazu gehören HT (Hyper-Threading), VT (Vanderpool – mehrere Betriebssystem laufen auf einem Chip) und LT (LaGrande Sicherheitstechnologie).
Intel-Sprecher Bill Kircos wollte die Bezeichnung oder die Pläne für “CT“ nicht kommentieren, sagte aber: “Wir werden entsprechende Erweiterungen in unsere Chips integrieren, wenn die Kunden danach verlangen und die Infrastruktur verfügbar ist, einschließlich Betriebssystem, Tools, Software und Anwendungen.“

Intel wird seine 32bit-CPUs aber nicht von Heute auf Morgen mit 64bit-Fähigkeiten ausstatten können. Aus diesem Grund wurde schon länger vermutet, dass der nächste Woche erscheinende, in 90nm Prozesstechnologie gefertigte Pentium 4 Kern mit dem Codenamen “Prescott“ bereits über eine entsprechende Erweiterung verfügt, die aber vorerst nicht aktiviert ist. Das bedeutet, dass auch die Prescott-Derivate für den Server-Bereich mit der 64bit-Erweiterung ausgestattet sein werden. Das sind “Nocona“ für Dual-CPU Systeme und “Potomac“ für Systeme mit vier oder mehr CPUs.
Wann Intel die 64bit-Fähigkeiten seiner 32bit-Prozessoren freischaltet, steht auf einem ganz anderen Blatt. Manch ein Marktbeobachter sieht diese Möglichkeit erst mit der Einführung des “Tejas“, der eventuell schon Anfang 2005 vorgestellt wird. Der Grund dürfte darin liegen, dass die Entwicklung des Prescott schon zu weit vorangeschritten war, bevor Intel Zugang zur AMD64 Technologie bekam, so dass die Kompatibilität nicht gewährleistet sei. Und kompatibel müssen sie sein, die AMD64- und die “INT64“-Prozessoren, denn Microsoft wird wohl kaum für jede CPU-Serie ein eigenes Windows XP-64bit entwickeln.

Quelle: CNET News.com

Frank Schräer

Herausgeber, Chefredakteur und Webmaster

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