Apple: Ideenklau bei App-Entwicklern?

Firma übernimmt angeblich Ideen aus abgelehnten Apps

Apple beschuldigt Samsung des Plagiats und verbietet Amazon den Begriff „App Store“ zu verwenden. Dabei scheint das Unternehmen eventuell mit zweierlei Maß zu messen, wenn es selbst das geistige Eigentum anderer respektieren soll: Letztes Jahr reichte Greg Hughes bei Apple eine App ein, mit der sich die iPhones drahtlos mit den iTunes-Daten synchronisieren lassen. Apple verweigerte die Freigabe für den App Store, so dass Hughes die App „Wi-Fi Sync“ nur im Cydia Store für iPhones mit Jailbreak verkaufen konnte. Jetzt bietet Apple mit dem iOS 5 exakt die von Hughes entwickelte Funktionalität.

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Apple hat sich dabei keine Mühe gegeben die Ähnlichkeiten zu Hughes App zu verschleieren, denn man setzt ebenfalls auf den Namen „Wi-Fi Sync“ und setzt fast 1:1 auf das gleiche Logo (siehe Bild) wie Hughes. Im Bild sieht man links Hughes Logo und rechts die Apple-Variante. Allerdings nutzt Apple wiederum die Bestandteile des Logos schon lange einzeln, so dass man parallel argumentieren könnte, Hughes hätte einfach beide Logos kombiniert und Apple ebenfalls unabhängig von ihm diesen naheliegenden Schritt gewagt. Auch, dass sowohl Hughes als auch Apple den relativ generischen Namen „Wi-Fi Sync“ verwenden, könnte darauf zurückzuführen sein.

Hughes selbst gibt sich fassungslos: „Ich war natürlich ziemlich geschockt. Ich habe meine App mit genau diesem Namen und dem Logo seit einem Jahr angeboten. Apple weiß das, denn ich hatte sie ja zuvor für den offiziellen App Store eingereicht. Nun bin ich dementsprechend überrascht.“ Hughes erklärt, dass Apple seine App im Mai 2010 abgelehnt hatte. Steve Rea, bei Apple verantwortlich für Entwicklerbeziehungen im iPhone-Segment, hatte Hughes laut eigenen Aussagen sogar vor der offiziellen Ablehnung angerufen: Rea hatte erklärt die App sei beeindruckend, aber zu unsicher und die Funktionen entsprächen nicht den Vorgaben des iPhone-Software-Developers-Kit. Allerdings forderte Rea einen Lebenslauf von Hughes an, da das iPhone-Team beeindruckt von der Arbeit war.

Nachdem Hughes die App dann im Cydia Store für Jailbreak-iPhones veröffentlichte, verkaufte sie sich bis heute über 50.000 mal. Hätte die „Wi-Fi Sync“ eine Freigabe für den offiziellen App Store erhalten, wäre diese Zahl sicher noch wesentlich höher ausgefallen. Ergänzend muss man jedoch sagen, dass Hughes App mit gutem Grund abgelehnt wurde: Seine App arbeitet mit privaten APIs, die Apple nicht für Entwickler freigegeben hat. Infolge nutze er nicht die reguläre, sondern eine gehackte Version des Entwickler-Kits – die Ablehnung seiner App stand also im Grunde von Anfang an fest, was er vermutlich auch ahnte. Reichte er die App dementsprechend überhaupt nur ein, um auf sich aufmerksam zu machen?

Ob Apple also Hughes Vorarbeit aufgegriffen hat, oder einfach nur eine ohnehin naheliegende Idee aufgenommen hat, ist offen. Zumindest kann man Apple vorwerfen relativ unelegant mit dem Thema verfahren zu sein: Ein leicht abgeänderter Name und ein anderes Logo für die neue Wi-Fi-Sync-Funktionalität hätten die Vorwürfe seitens Hughes und die negative Berichterstattung seitens der Presse vermeiden können.

Vielen Dank an unseren Moderator „Dude“ für die zusätzlichen Hinweise zum Thema!

Quelle: TheRegister

André Westphal

Redakteur

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