Google Ausfall stachelt Presse an

Abstruse Behauptungen bezüglich des Internet-Traffics

In der Nacht von Samstag auf Sonntag fielen für wenige Minuten Googles gesamte Dienste aus. Davon war nicht nur die Suchmaschine, sondern etwa auch Google+ und YouTube betroffen. Diese eher unspektakuläre Situation stachelte zahlreiche Kollegen dazu an, unter anderem Journalisten bei Forbes, Spiegel Online aber auch IT-Seiten wie MobileGeeks, eine abstruse Meldung zu verbreiten: Der „weltweite Internetverkehr“ sei durch den Ausfall der Google Dienste kurzzeitig um 40 % eingebrochen. Es entstand blitzschnell eine urbane Legende, der vollständig der Bezug zur Realität fehlt.

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So plappert ein Magazin das andere nach, alle Wege führen aber zu einer einzigen Ursprungsquelle: dem Traffic-Analyse-Dienst GoSquared. Doch GoSquared erfasst natürlich nicht den gesamten Internetverkehr, sondern überwacht nur eine ausgewählte Anzahl an Websites – die seiner Kunden. Wie typisch diese Seiten aber für das gesamte Internet sind, ist völlig unklar. Auch welche Methoden GoSquared zur Traffic-Analyse nutzt, ist größtenteils offen. So oder so ist irreführend von „Internetverkehr“ zu sprechen, da GoSquared nicht etwa tatsächliches Datenvolumen, sondern reine Pageviews misst.

Somit ist die Behauptung, der weltweite Internetverkehr sei durch den kurzen Ausfall der Google-Dienste um 40 % zurückgegangen, vollkommen absurd. Der Internet-Knoten DE-CIX in Frankfurt am Main etwa registrierte den Ausfall kaum. Im Endeffekt lässt sich nur sagen, dass die Anzahl der Pageviews bei den Kunden des Traffic-Analyse-Dienstes GoSquared während des Ausfalls der Google-Dienste um 40 % gesunken ist. Aber das war vielen Medienvertretern offenbar zu unspektakulär.

Quelle: BildBlog

André Westphal

Redakteur

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