Mooresches Gesetz ist überholt?

Wirtschaftlichkeit steht technischer Entwicklung im Wege

Laut Robert Colwell, einem Prozessorexperten der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Staaten, naht das Ende des Mooreschen Gesetzes. Jenes besagt grob und je nach Interpretation, dass sich die Anzahl der Transistoren auf gleicher Fläche neuer Prozessoren innerhalb von 12 bis 24 Monaten verdoppelt. Colwell sieht jedoch eventuell bereits 2020 das Ende kommen. Dies liege aber nicht an der Technik an sich, sondern an der Wirtschaftlichkeit.

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Colwell glaubt, dass es noch Prozessoren aus dem 7- und eventuell aus dem 5-Nanometer-Verfahren geben werde. Dann sei aber die Grenze der Wirtschaftlichkeit erreicht – eine Fertigung in 1 Nanometern werde es nicht geben. Es sei irgendwann wirtschaftlich nicht mehr zu verantworten, immer komplexere Fertigungsprozesse zu entwickeln. Stattdessen werde man dann beginnen die Mikroarchitekturen und die System-Designs noch stärker zu optimieren. Enorme Leistungssprünge, wie man sie in den letzten Jahren noch erlebt habe, werden dann aber ausbleiben. Ergänzend müsse man sich fragen: Wie lange lohnt sich die Entwicklung neuer Architekturen noch? Greifen die Kunden noch zu, wenn die Leistungssteigerung nur 10 % beträgt?

In diesem Zusammenhang gibt Colwell, der früher auch für Intel gearbeitet hat, zu bedenken, dass man die Flaggschiffe der CPU-Reihen sowieso bei großen Herstellern eher als Mittel zum Zweck sehe. Das wahre Geschäft stecke in der Einstiegs- und Mittelklasse. Dort adaptiere man die Architektur der Flaggschiffe für einen breiten, rentablen Markt. Das High-End-Segment nehme man sozusagen eher mit, weil es sich anbiete.

Zunächst gebe es aber auch nach dem Ende von des „Moore’s Law“ noch Wege die Leistung zu verbessern: Schnellerer RAM, höhere Bandbreiten, verbesserte Architekturen, 3D-Stacking, neue Materialien wie Nano-Verbindungen aus Kohlenstoff, etc.

Quelle: TheRegister

André Westphal

Redakteur

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