4K – Augenweide oder Augenwischerei?

Von Auflösungen, Bilddiagonalen und Sitzabständen

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Einleitung

Aus heutiger Sicht haben wir in den 1980ern wie in der Steinzeit gelebt: Nicht nur, dass unsere Haarschnitte verdächtig an Neandertaler nach dem Aufstehen erinnerten, wir zogen uns MTV entweder bei Oma und Opa auf der Schwarz-Weiß-Röhre rein oder verfolgten die Abenteuer des halbnackten Muskelprotzes „He-Man“ von durchgenudelten VHS-Kassetten. Das kann man aus Sicht aktueller Unternehmens-PR kaum noch Leben nennen, oder? Bald aber kamen die ersten Flachbildschirme zu für Privatkunden erschwinglichen Preisen auf den Markt. Zwar tat sich an der Auflösung nix, aber wir durften immerhin ab Ende der 1990er Filme wie „Teenage Mutant Ninja Turtles“ auf DVDs begutachten.

Von diesen mickrigen 720×480 Bildpunkten in 60 Hz bei Halbbildern sind wir heute weit entfernt. TV-Hersteller knallen uns Full HD, 24p und sogar 3D um die Ohren (und Augen). Für HD-TV und Blu-ray hat die Gunst der Stunde geschlagen: Wir sehen Filme mit der Auflösung von 1920×1080 Bildpunkten mit 24 Vollbildern pro Sekunde (1080p) – wahlweise mit stereoskopischem 3D-Effekt. Die Auflösung einer Blu-ray entspricht dem Sechsfachen einer DVD! Für Filmstudios, Heimkino-Fans und Elektronik-Hersteller ist quasi das goldene Zeitalter angebrochen… Könnte man zumindest annehmen. Doch steht nicht nur mit der HVD (Holographic Versatile Disc) einer von vielen potentiellen Nachfolgern der Blu-ray in den Startlöchern, sondern auch 1080p gehört laut vielen Firmensprechern bereits zum alten Eisen: Es ist langsam Zeit für 4K!

Hersteller LG zum Beispiel hat mit dem LG 84LM9600 einen Fernseher mit 84 Zoll Bilddiagonale und 3840×2160 Bildpunkten (4K) vorgestellt. Das Bild bietet im Verhältnis zu aktuellen TVs horizontal wie vertikal die doppelten Pixelzahlen und erreicht insgesamt die vierfache Auflösung von 1080p. Würde man mit traditionelleren Begriffen arbeiten, könnte man statt 4K analog zu 1080p (1920×1080 Bildpunkte) auch von 2160p (3840×2160 Bildpunkte) sprechen. Unternehmen wie Samsung und Sony eifern LG nach und haben ähnliche Modelle in der Pipeline. Toshiba hat seinen 55ZL2G, ein 55-Zoll-Display mit 4K-Auflösung, sogar schon veröffentlicht. Der Preis ist mit ca. 8000 Euro allerdings wohl nur für Geschäftskunden attraktiv.


Toshiba 55ZL2G

Es ist trotzdem nur noch eine Frage der Zeit, bis weitere 4K-Geräte – anfangs natürlich noch zu gigantischen Preisen – auf den Markt kommen. Die wichtigere Frage sollte jedoch sein: Bringt die erhöhte Bildauflösung zuhause überhaupt etwas? Auch wenn Pressesprecher hier ein euphorisches „Ja!“ parat haben, ist die Antwort wesentlich ernüchternder als vielleicht von manchen Filmbegeisterten erwartet.

André Westphal

Redakteur

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