4K – Augenweide oder Augenwischerei? - Seite 4

Von Auflösungen, Bilddiagonalen und Sitzabständen

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Pixeldichte & Auflösung

Stellen wir uns vor, wir sehen das eben gezeigte Full HD Bild des Buckingham Palace nativ auf einem HD-TV. Es ist detailreich und scharf. Nun stellen wir es auf drei verschieden großen Bilddiagonalen – 40, 80 und 160 Zoll – dar. Die Darstellungsgröße des Bildes in Zentimetern nimmt dadurch zu. Die Auflösung bleibt dagegen jeweils identisch (1920×1080 Bildpunkte). Die Pixeldichte nimmt je mehr ab, desto größer die Bildschirme werden. Wir betrachten das Bild quasi mit der Nase am Bildschirm, in immer gleichem Sehabstand. Diesen Ausschnitt würden wir an einem 40 Zoller sehen.


HD-Bildausschnitt 40 Zoll

Hier sehen wir einen Teil des rechten, unteren Bildrandes. Uns fällt in unmittelbarer Nähe zum Display auf, dass den Blumen im Vergleich zur Realität Details abhanden gekommen sind. Selbst aus der Nähe sieht der Bildausschnitt aber noch relativ scharf aus. Einzelne Pixel erkennen wir aufgrund der hohen Pixeldichte des 40-Zollers kaum.

Betrachten wir haargenau dasselbe Bild auf einem 80-Zoller mit identischer Auflösung, abermals mit der Nase am Bildschirm, sehen wir einen kleineren Ausschnitt – da das Gesamtbild größer erscheint.


HD-Bildausschnitt 80 Zoll

Aus nächster Nähe fallen uns jetzt einzelne Bildpunkte auf, denn die Pixeldichte des Bildschirms hat im Vergleich zum 40-Zoller abgenommen. Auf den Detailgrad des Bildes an sich hat das keinen Einfluss. Wir haben bei dem größeren Bildschirm natürlich den Vorteil, dass wir uns weiter weg setzen könnten und immer noch von der höheren Auflösung profitieren würden. Dies liegt an der physischen Größenzunahme des Bildes, die uns auch bei größerem Abstand alles erkennen lässt.

Besäßen wir ein 160-Zoll-Display mit 1920×1080 Bildpunkten und klebten erneut direkt mit der Nase am rechten unteren Bildschirmrand, sähen wir diesen Ausschnitt.


HD-Bildausschnitt 160 Zoll

Die Pixel sind deutlich erkennbar und wir merken, dass wir uns zu nah am Bild befinden. Schön sieht das nicht mehr aus. Bei einer höheren Auflösung könnten wir eventuell zusätzliche Details entdecken, doch bei gleichbleibender Auflösung fällt uns in erster Linie die reduzierte Pixeldichte des Riesen-Bildschirms auf. Vorteil: Auch wenn wir mehrere Meter entfernt säßen, könnten wir die HD-Auflösung auskosten, wo bei einem 40-Zoller schon kein Unterschied mehr zwischen 480p (DVD) und 1080p (Blu-ray) zu sehen wäre.

Ergo hängt der Bildeindruck bei gleicher Auflösung entscheidend von Bildschirmgröße und Sitzabstand ab. Für eine riesige Kinoleinwand ist eine höhere Auflösung sinnvoll, da das Bild riesig ist und die Sitzabstände groß ausfallen. Umgekehrt würde es keinen Sinn machen, ein Bild mit 1920×1080 Bildpunkten in Briefmarkengröße darzustellen. Hier wäre zwar die Pixeldichte fantastisch, aber der Effekt für das menschliche Auge gar nicht mehr wahrnehmbar. Es sei denn, man nutzt ein Mikroskop. Eine geringere Auflösung und Pixeldichte würde ausreichen. Schlussfolgerung: Auflösung bzw. Pixeldichte müssen zur Bilddiagonale angemessen sein. Bei zu niedriger Pixeldichte wirkt das Bild bei niedrigen Sehabständen pixelig. Bei extrem hoher Pixeldichte nehmen wir die Unterschiede zu geringeren Auflösungen in gängigen Sehabständen aber gar nicht mehr wahr.

André Westphal

Redakteur

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