Kevin Spacey zur Zukunft des Fernsehens

"House of Cards" gibt Hinweise auf neue Modelle

Der Oscar-Gewinner Kevin Spacey hat anlässlich der James MacTaggart Memorial Lecture im Rahmen des Edinburgh International Television Festivals eine rund 40-minütige Rede zum aktuellen und dem Fernsehen der Zukunft gehalten. Seine Ansprache ist insofern bemerkenswert, da er der erste Hollywood-Schauspieler ist, der im Rahmen der Lecture auf der Bühne steht. Doch auch inhaltlich rüttelte Spacey internationale Fernsehmacher auf und erntete Standing-Ovations für seine vielschichtige Ansprache und seinen eindringlichen Vortragsstil.

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Spaceys Kernbotschaft ist klar: Die Grenzen zwischen Fernsehen, Kino und Internet verschwimmen zusehens. Jugendlichen sei heutzutage schnurz, ob sie ihre Inhalte auf der großen Leinwand, am TV oder am Tablet konsumieren. Vielmehr dienen Definitionen wie „Kinofilm“ oder „TV-Serie“ vor allem Agenten und Juristen als Hilfestellung bei der Vermarktung und Vertragsverhandlungen. Das Publikum aber sehne sich schlicht nach großartigen Geschichten. An diesem Punkt vertritt Spacey die Ansicht, dass sich das Fernsehen aus seinem Schattendasein erhoben habe und heute qualitativ mit Kinofilmen konkurrieren könne. Der Schauspieler geht sogar so weit zu erklären, dass Serien wie „Breaking Bad“, „Game of Thrones“ aber auch „House of Cards“ in Punkto Plot und Charakterentwicklung mehr Identifikationspotentiale für Zuschauer bieten als das Gros der Hollywood-Blockbuster.

Probleme sieht Spacey in veralteten Strukturen und zu viel kurzsichtiger Zahlendreherei. Als Beispiel greift er die Entstehung der Serie „House of Cards“ heraus, die er selbst mit produziert hat bzw. in der er die Hauptrolle spielt: „Es hatte nichts mit Arroganz zu tun, dass wir keinen Pilotfilm für einen Sender drehen wollten, um zu sehen, ob wir eventuell in Serie gehen. Es war viel mehr so, dass wir eine anspruchsvolle, vielschichtige Geschichte erzählen wollten, die Zeit braucht und auf Charakteren und ihren Beziehungen basiert, die sich erst nach und nach offenbaren. Das Versprechen eines Piloten hingegen jedoch darin in 45 Minuten schon mal alle Charaktere vorzustellen und beliebig Cliffhanger zu erzeugen, um schon in dieser Folge alles zu beweisen, was man mit der Staffel vor hat. Netflix war das einzige Unternehmen, das sagte: ‚Wir glauben an Euch. Wir brauchen keinen Piloten.'“

In dieser Strategie liege laut Spacey die Zukunft: Es gehe darum langfristig Marken aufzubauen. Auch „Breaking Bad“ habe beispielsweise erst mit den späteren Staffeln seinen hervorragenden Ruf erworben und ein immer größeres Publikum begeistert. Zudem sollte man die Wünsche des Publikums endlich respektieren: Die gesamte erste Staffel der Serie „House of Cards“ habe man an einem einzigen Wochenende veröffentlicht. Denn heutige Zuschauer, das ergeben die Statistiken des Streaming-Anbieters Netflix, schauen sich am liebsten ihre Serien in Marathons an. Das bedeutet man konsumiert nicht eine Folge pro Woche, sondern jeweils 2-3 Folgen oder mehr nacheinander. Laut Spacey sollte man dieses Verlangen der Zuschauer respektieren – so wie Netflix es vorgemacht habe. Die Kontrolle sollte beim Zuschauer liegen. Gebe man den Zuschauern das was sie wollen: Tolle Geschichten in einem großen Paket zu einem vernünftigen Preis, dann sinke auch die Gefahr der Raubkopien. Eine große Story sei ein machtvolles Werkzeug, dass die Menschen begeistere, so dass sie darüber bei Facebook diskutieren, in Blogs Kritiken verfassen oder selbst gemachte GIFs erstellen. Für Spacey wäre es eine Schande für die gesamte Industrie, wenn man die Bedürfnisse der Zuschauer einfach ignoriere.

Für die Zukunft, sagt Spacey, müsse man mehr Risiken eingehen, statt hunderte von Pilotfilmen immer wieder Test-Zuschauern vorzuführen: „Im vergangenen Jahr wurden in den USA 113 TV-Piloten produziert, 35 davon gingen auch tatsächlich auf Sendung, 13 Serien davon wurden verlängert. In diesem Jahr wurden 146 Piloten produziert, 56 davon gehen in Serie. Wie das ausgeht, wissen wir noch nicht. Aber die Kosten für all diese Piloten liegen jedes Jahr zwischen 300 und 400 Millionen Dollar“, erklärt Spacey. „Das lässt unseren ‚House of Cards‘-Deal über zwei Staffeln ja geradezu kostengünstig erscheinen.“

Spaceys Ansprache bestach dabei nicht nur inhaltlich, sondern auch durch die gekonnte Rhethorik und den eindringlichen Sprachstil des Schauspielers. Wer möchte, kann sich die gesamte Rede hier ansehen:

Eine Zusammenfassung kleiner Highlights, gibt es für eiligere Gemüter:

Dies ist ein Trailer zur Serie „House of Cards“, auf die Spacey immer wieder anspielt. Während die Serie in den USA exklusiv über den Streaming-Anbieter Netflix verfügbar ist, lief sie in Deutschland bisher nur im Pay-TV. Eine Blu-ray / DVD Auswertung erfolgt hierzulande im November 2013:

Quelle: DWDL

André Westphal

Redakteur

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