Intel: Kein Tick-Tock mehr

Produktzyklen werden langsamer, neue Strategie eingeführt

Viele Jahre lang ist Intel seine „Tick-Tock-Strategie“ gefahren, bei der auf eine neue Fertigungstechnik im folgenden Jahr eine neue Prozessorarchitektur folgte, bevor dann im zweiten Jahr wieder ein neues Herstellungsverfahren kam. Davon scheint sich Intel jetzt zu verabschieden. Stattdessen gibt es „PAO“ mit einer dritten Stufe, der Optimierung der Architektur aus dem Vorjahr.

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In Vergangenheit war es so, dass Intel jedes zweite Jahr den Herstellungsprozess verfeinern konnte (Tick). Mit dem neuen Produktionsverfahren und der Verkleinerung der Strukturbreite wurden die Chips kleiner, die Energieeffizienz höher und die bestehende Mikroarchitektur in wenigen Punkten verbessert. In den Jahren dazwischen brachte Intel eine neue CPU-Architektur (Tock), bei der teilweise erhebliche Leistungssprünge erzielt wurden.
Das wurde in letzter Zeit immer schwieriger, weil die Verkleinerung der Strukturbreite immer komplexer wurde und die bestehenden Fertigungsverfahren an ihre physikalische Grenzen stoßen, so dass neue Produktionstechniken entwickelt werden müssen. Das Ergebnis ist z.B. „Kaby Lake“ in diesem Jahr. Dies ist die dritte Prozessorgeneration auf Basis der 14-Nanometer-Fertigung nach „Broadwell“ 2014 und „Skylake“ im letzten Jahr. Auch hier greift die Tick-Tock-Strategie schon nicht mehr.
Stattdessen gibt es jetzt „PAO“, wie Intel in seinem Finanzbericht (PDF) für die US-amerikanischen Aufsichtsbehörden darlegt. Das bedeutet: Process – Architecture – Optimization. Demnach folgt ein Jahr nach Einführung eines neuen Fertigungsprozesses wie gehabt eine neue CPU-Architektur, aber im darauf folgenden Jahr dann eine Optimierung sowohl von Fertigung als auch Architektur. Damit wird der Zyklus praktisch von zwei auf drei Jahre verlängert.
Dies stellt Intel auch für die 10-nm-Generation (Cannonlake) in Aussicht.
Holt die Konkurrenz von Samsung, TSMC und GlobalFoundries dadurch auf? Davon ist auszugehen, aber Intel hat immer noch einen großen Vorsprung bei der Produktion von größeren Chips. Intel hatte die 14-nm-Fertigung bereits Mitte 2014 aufgenommen. GlobalFoundries trommelt zwar für seinen 14-nm-FinFET-Prozess, aber die Massenproduktion ist noch nicht angelaufen. Samsung (14 nm) und TSMC (16 nm) fertigen seit letztem Jahr lediglich deutlich kleinere Mobilchips für Smartphones und Tablets. Erst in diesem Jahr werden Intels Konkurrenten größere Chips (für AMD und Nvidia) in den neuen Prozessverfahren herstellen. Wie es dann bei 10 und 7 Nanometer aussieht, werden wir erst im nächsten Jahr sehen.


Neue Strategie

Quelle: TheMotleyFool

Frank Schräer

Herausgeber, Chefredakteur und Webmaster

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