GPU-Markt legt deutlich zu – doch Grafikkarten profitieren kaum

Üblicherweise schwaches 2. Quartal mit Wachstum dank Notebook-Grafikchips

Der weltweite PC-GPU-Markt hat im zweiten Quartal 2026 überraschend deutlich zugelegt. Nach Angaben von Marktforschern wurden weltweit 75,5 Millionen GPUs ausgeliefert. Das entspricht einem Plus von 10,4 Prozent gegenüber dem ersten Quartal und einem Wachstum von 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Erholung fällt allerdings deutlich differenzierter aus, als die Gesamtzahl zunächst vermuten lässt.

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Besonders wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen den Quartals- und Jahreszahlen. Während ein Plus von 10,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf ein ungewöhnlich starkes zweites Quartal hindeutet, beträgt das Wachstum im Jahresvergleich lediglich 1,1 Prozent. Von einem breit angelegten Boom bei der PC-Nachfrage kann daher keine Rede sein.

Der wichtigste Wachstumstreiber waren Notebooks. Die Auslieferungen von Grafiklösungen für mobile PCs stiegen im Vergleich zum ersten Quartal um 16,8 Prozent. Gleichzeitig gingen die Auslieferungen von Desktop-Grafikkarten um 4 Prozent zurück. Damit zeigt sich bereits, warum die positive Gesamtentwicklung nicht mit einem Wachstum des klassischen Grafikkartenmarkts gleichgesetzt werden sollte.

Auch bei den diskreten GPUs meldet Jon Peddie Research (JPR) ein kräftiges Plus von 12,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Allerdings umfasst diese Kategorie sowohl Desktop- als auch Notebook-GPUs. Eine steigende Zahl diskreter Grafikchips kann deshalb durchaus mit rückläufigen Desktop-Auslieferungen einhergehen.

GPU-Auslieferungen steigen in Q2 rund 10% gegenüber Q1 (JPR)

Im Jahresvergleich legten die Auslieferungen diskreter GPUs ebenfalls zu. Gleichzeitig verweist JPR auf die weiterhin schwierige Situation bei den Komponentenpreisen und einen globalen Speichermangel. Laut JPR-Präsident Jon Peddie stiegen die dGPU-Auslieferungen trotz der stark gestiegenen Komponentenpreise.

Auch die Marktanteile der Hersteller müssen mit Vorsicht interpretiert werden. Intel bleibt mit rund 56 Prozent Marktanteil klar führend, gefolgt von Nvidia mit etwa 23 Prozent und AMD mit rund 21 Prozent. Diese Werte beziehen sich jedoch auf den gesamten PC-GPU-Markt und nicht auf separat verkaufte Desktop-Grafikkarten.

Q2-Marktanteile der GPU-Hersteller (JPR)

Der Grund: JPR zählt neben diskreten GPUs auch integrierte Grafikeinheiten. Ein Intel- oder AMD-Prozessor mit integrierter GPU fließt somit ebenfalls in die Statistik ein, selbst wenn der betreffende PC niemals eine zusätzliche GeForce-, Radeon- oder Arc-Grafikkarte erhält. Die Marktanteile lassen sich deshalb nicht mit dem Wettbewerb bei Desktop-Grafikkarten gleichsetzen.

Gegenüber dem Vorquartal konnte AMD seinen Anteil laut JPR um 0,6 Prozentpunkte steigern. Nvidia legte um 0,46 Prozentpunkte zu, während Intel 1 Prozentpunkt verlor.

Für Käufer von Desktop-Grafikkarten lässt sich aus den aktuellen Zahlen daher nur wenig Positives ableiten. Die höheren GPU-Auslieferungen bedeuten nicht automatisch, dass mehr GeForce-, Radeon- oder Arc-Grafikkarten im Einzelhandel verfügbar sind oder deren Preise sinken. Dafür ist die Statistik zu breit gefasst. Sie sagt beispielsweise nichts darüber aus, welche Preisklassen besonders stark ausgeliefert wurden, welche Regionen stärker beliefert wurden oder wie sich die Stückzahlen auf einzelne Grafikkartenmodelle verteilen.

Der aktuelle Bericht zeichnet damit vor allem das Bild einer Erholung des gesamten PC-Grafikmarkts, die maßgeblich von Notebooks getragen wird. Der Desktop-Bereich entwickelt sich dagegen deutlich schwächer. Die für das zweite Quartal gemeldeten 75,5 Millionen GPUs sind somit vor allem ein Zeichen für eine Belebung des breiten PC-Geschäfts – und noch kein Beleg für einen neuen Boom bei Desktop-Grafikkarten.

Quelle: Jon Peddie Research

Frank Schräer

Herausgeber, Chefredakteur und Webmaster

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