Taiwans verschärftes Energiegesetz dürfte TSMC-Kosten erhöhen

TSMC und Hunderte Unternehmen sollen eigene Kraftwerke und Stromspeicher errichten

Taiwan reagiert auf den rasant steigenden Strombedarf seiner Halbleiterindustrie und der boomenden KI-Branche mit einer weitreichenden Gesetzesinitiative. Die Regierung plant eine Überarbeitung des Energy Management Act, die große Industrieunternehmen künftig dazu verpflichten könnte, eigene Stromerzeugungs- und Energiespeichersysteme aufzubauen. Betroffen wären mehr als 400 Unternehmen – allen voran Halbleiterriese TSMC.

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Nach dem aktuellen Gesetzesentwurf sollen Unternehmen mit einer vertraglich vereinbarten Anschlussleistung von mehr als 5 Megawatt künftig selbst Maßnahmen zur Stromversorgung treffen. Vorgesehen ist der Aufbau von eigener Stromerzeugung und Energiespeichern auf dem Firmengelände. Darüber hinaus müssten mindestens 10 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. Ausgenommen von den neuen Vorschriften wären lediglich Schulen und Krankenhäuser. Mit der Maßnahme will Taiwan die Stabilität seines Stromnetzes erhöhen und gleichzeitig die Versorgungssicherheit für besonders energieintensive Industrien verbessern.

Zu den Unternehmen mit dem höchsten Energiebedarf zählt naturgemäß die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC). Der weltweit größte Auftragsfertiger für Halbleiter verbraucht derzeit rund 25,55 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr – das entspricht etwa neun Prozent des gesamten Stromverbrauchs Taiwans, wie taiwanische Medien berichten. Angesichts der weltweit steigenden Nachfrage nach modernen KI-Beschleunigern, Server-Prozessoren und High-End-Chips dürfte dieser Energiebedarf in den kommenden Jahren weiter deutlich wachsen. TSMC investiert derzeit massiv in neue Fertigungskapazitäten, darunter modernste 2-nm- und künftig auch A14-Produktionslinien.

Für die Halbleiterfertigung ist eine stabile Stromversorgung von entscheidender Bedeutung. Moderne Wafer-Fabs arbeiten rund um die Uhr, wobei selbst kurze Stromausfälle erhebliche Folgen haben können. Produktionsunterbrechungen gefährden nicht nur die Auslastung der Anlagen, sondern können auch die Ausbeute der gefertigten Wafer reduzieren und hohe finanzielle Schäden verursachen. Taiwan musste in den vergangenen Jahren bereits mehrfach größere Stromausfälle verkraften. Diese Ereignisse machten deutlich, wie empfindlich die hochautomatisierte Chipfertigung auf Schwankungen im Stromnetz reagiert.

TSMC Fab 15 in Taichung

TSMC investiert bereits seit mehreren Jahren in erneuerbare Energien und hat unter anderem langfristige Abnahmeverträge für Offshore-Windenergie abgeschlossen. Zudem prüft das Unternehmen verschiedene Möglichkeiten, die eigene Energieversorgung weiter auszubauen. Sollte die Gesetzesänderung verabschiedet werden, dürfte TSMC seine Investitionen in eigene Energieinfrastruktur nochmals deutlich erhöhen. Neben Solaranlagen und Batteriespeichern könnten künftig auch weitere Formen der dezentralen Stromerzeugung eine größere Rolle spielen.

Hintergrund der geplanten Gesetzesänderung ist der enorme Anstieg des Strombedarfs in Taiwan. Neben der kontinuierlichen Expansion der Halbleiterindustrie entstehen zunehmend neue Rechenzentren für Anwendungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI), deren Energiebedarf ebenfalls erheblich ist. Mit der Verpflichtung großer Stromverbraucher, einen Teil ihrer Energie selbst bereitzustellen, möchte die Regierung das öffentliche Stromnetz entlasten und gleichzeitig die Versorgungssicherheit langfristig verbessern.

Für Unternehmen wie TSMC bedeutet dies zwar zusätzliche Investitionen in Milliardenhöhe. Gleichzeitig könnte eine stärkere Eigenversorgung die Produktionssicherheit erhöhen und die Abhängigkeit vom öffentlichen Stromnetz reduzieren – ein zunehmend wichtiger Faktor, da Taiwan seine Position als weltweit führender Standort für die Fertigung modernster Halbleiter weiter ausbauen will.

Quelle: UDN (Taiwan)

Frank Schräer

Herausgeber, Chefredakteur und Webmaster

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