Nach Jahren knapper Verfügbarkeit und hoher SSD-Preise könnte sich der NAND-Flash-Markt endlich entspannen. Laut einer aktuellen Prognose des Marktforschungsunternehmens TrendForce wird die weltweite Angebot-Nachfrage-Situation voraussichtlich in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 wieder ins Gleichgewicht kommen. NAND-Flash wäre damit einer der ersten großen Halbleitermärkte, der die langanhaltenden Lieferengpässe vollständig hinter sich lässt.
Bis dahin müssen Unternehmen und Verbraucher allerdings noch mit einer angespannten Versorgungslage rechnen. Für den Rest des Jahres 2026 erwartet TrendForce weiterhin ein Angebotsdefizit von rund vier bis sechs Prozent. Zwar fällt die Lücke deutlich geringer aus als noch in den vergangenen Jahren, dennoch reicht die Produktion vieler Hersteller weiterhin nicht aus, um die weltweite Nachfrage vollständig zu decken. Die Folge bleiben vergleichsweise hohe SSD-Preise sowie eine begrenzte Verfügbarkeit in verschiedenen Marktsegmenten. Besonders im Enterprise-Bereich ist die Nachfrage nach leistungsfähigen und hochkapazitiven SSDs weiterhin sehr hoch.
Grund für die erwartete Entspannung sind die kontinuierlichen Investitionen der führenden Speicherhersteller. Unternehmen wie Samsung, SK Hynix, Micron, Kioxia, Western Digital und YMTC erhöhen schrittweise ihre monatliche Wafer-Produktion und stellen gleichzeitig auf modernere Fertigungsprozesse um. Der eigentliche Fortschritt liegt dabei weniger in einer massiven Erweiterung der Fabrikkapazitäten als vielmehr in der höheren Speicherdichte neuer NAND-Generationen. Durch modernere Fertigungsprozesse lassen sich deutlich mehr Speicherbits pro Wafer produzieren, wodurch das Gesamtangebot steigt, ohne dass umfangreiche Neubauten erforderlich sind.
Im Gegensatz zu früheren Marktzyklen gehen die Hersteller dabei deutlich vorsichtiger vor. Nach den Erfahrungen früherer Überkapazitäten verzichten viele Unternehmen bewusst auf einen aggressiven Ausbau der Produktion. Ziel ist es, langfristig stabile Preise zu ermöglichen und einen erneuten Preisverfall durch Überproduktion zu vermeiden.
Der wichtigste Wachstumstreiber bleibt der Enterprise-Sektor. Nach Angaben von TrendForce entfallen mittlerweile rund 40 Prozent der weltweiten NAND-Flash-Nachfrage auf Server. Vor allem Cloud-Anbieter und Betreiber von KI-Infrastrukturen benötigen immer größere Mengen hochkapazitiver SSDs, um den steigenden Speicherbedarf moderner Anwendungen abzudecken.
Ebenfalls rund 40 Prozent der Nachfrage stammen aus dem Smartphone- und Notebook-Markt. Hier hat sich das Wachstum jedoch spürbar abgeschwächt. Angesichts gestiegener Hardwarepreise verschieben viele Verbraucher den Kauf neuer Geräte und nutzen bestehende Systeme länger als früher.
Parallel dazu wächst Chinas Rolle als NAND-Produzent kontinuierlich. TrendForce rechnet damit, dass chinesische Hersteller im Jahr 2026 bereits knapp 19 Prozent der weltweiten NAND-Bitproduktion stellen werden. Maßgeblich verantwortlich dafür ist der weitere Ausbau der Produktionskapazitäten von YMTC. Kürzlich erst wurde berichtet, dass Lenovo erstmals chinesische YMTC-SSDs in Laptops verbaut hat. Zusammen mit der steigenden Speicherproduktion wird dies als Zeichen interpretiert, dass China in den kommenden Jahren zunehmend zur Stabilisierung des globalen Angebots beitragen und seine Position im internationalen Speichergeschäft weiter ausbauen wird.
Quelle: Trendforce

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