Xiaomi Mi 9T im Test: Mittelklasse-Smartphone mit allem was man braucht - Seite 4

Der chinesische Preisbrecher legt die Messlatte im Midrange-Segment erstaunlich hoch

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Display & Kameras

Xiaomi setzt für das Mi 9T auf einen AMOLED-Bildschirm mit 6,2 Zoll Diagonale und einer nativen Auflösung von 2340×1080 Pixeln. Das Panel dürfte wie beim Mi 9 von Samsung stammen und auch die Qualität ist beeindruckend ähnlich. Unterschiede zeigen sich darin, dass das Mi 9 allerdings doch eine Spur heller wird und daher bei Sonnenlicht etwas besser lesbar ist. Auch unterstützt das Mi 9 beispielsweise HDR10, was beim Mi 9T zwar auch theoretisch vorhanden ist, in der Praxis aber weniger eindrucksvoll wirkt.

Dank AMOLED-Technik zeigt das Display des Mi 9T fabelhafte Kontraste und ein sattes Schwarz. Auch die Farben sind recht kräftig, wenn auch ab Werk etwas kühl. Wer möchte, kann da in den Systemeinstellungen etwas nachhelfen. Für ein Mittelklasse-Smartphone bietet der Screen des Mi 9T ein tolles Bild. Klar, den Vergleich zu teureren Modellen wie z.B. den Samsung Galaxy S10 oder Note 10 sollte man nicht suchen, das bleibt eine andere Liga. In seiner Preisklasse ist das Xiaomi Mi 9T aber in Sachen Bildqualität mit Sicherheit relativ weit vorne anzusiedeln.

Die Kamera kann auch in einen breiteren Ultraweitwinkel-Modus umschalten

Xiaomi verwirrt bei den Angaben zur Kamera leicht, denn man nennt als Sensor der Hauptkamera den Sony IMX 582. So einen Sensor haben die Japaner aber gar nicht im Repertoire. Mit etwas Recherche stellt man fest, dass das Xiaomi Mi 9T wohl offenbar genau wie etwa das Mi 9 oder der das Mi 9T Pro ebenfalls den Sony IMX 586 Sensor verwendet. Da das Mi 9T aber im Gegensatz zu den Geschwistern keine 4K-Aufzeichnung mit 60 fps beherrscht, was dem Snapdragon 730 geschuldet ist, gibt Xiaomi einen anderen Kamerasensor an. Sicher spielen da auch Marketing-Abwägungen eine Rolle, da man das Mi 9T nicht als gleichwertig zu den teureren Mi 9 und Mi 9T Pro erscheinen lassen möchte.

Doch was für Bilder zaubert das Mi 9T denn nun herbei? Die Antwort lautet: in der Regel sehr gute! Wie bei anderen Modellen lassen sich sowohl HDR als auch ein AI-Modus aktivieren, der z.B. Essen, Tiere, Menschen, Gebäude und Co. erkennt und die Bildeinstellungen entsprechend anpasst. Ob man das braucht, sollte jeder für sich entscheiden. Was ein wenig stört, ist die manchmal etwas zu starke Nachschärfung, die z.B. bei unseren Bildern mit vielen kleinen Objekten, etwa Blättern, hervorsticht.

Festzustellen ist, dass die Bilder des Xiaomi Mi 9T eine gute Dynamik aufweisen und sehr kräftige Farben darstellen. Letztere sind vielleicht hin und wieder sogar etwas zu kräftig, wodurch manche Fotos etwas unnatürlich aussehen. Schaltet man den AI-Modus ab, reduziert sich dieser Effekt jedoch.

Bei weniger Licht zeigt sich natürlich digitales Rauschen und der Detailgrad sinkt spürbar ab, da bewirkt eben auch dieses Smartphone mit seinem kleinen Sensor keine Wunder. Insgesamt sind die Fotos aber, gerade für ein Mittelklasse-Smartphone, ausgesprochen vorzeigbar. Aus unserer Sicht hat Xiaomi hier im Grunde für wenig Geld einen echten Kamera-Tipp veröffentlicht.

Einen kleinen Bug mussten wir beim Portraitmodus feststellen: Will man auf geknipsten Bildern die Tiefenunschärfe einstellen, stellt das Mi 9T als Standard seltsamerweise das Objekt im Vordergrund unscharf – nicht den Hintergrund. Erst ein manuelles Antippen des Vordergrundes und somit das Neusetzen des Fokuspunktes korrigiert diesen Fehler dann. Der Bug war in unserem Testzeitraum stets reproduzierbar. Kein Beinbruch, denn der Modus arbeitet an sich korrekt. Wer das erste Mal den Portrait-Modus verewendet, könnte anfangs aber entgeistert sein und vermuten, dass er generell den Vordergrund unscharf und den Hintergrund scharf stelle.

Die Ergebnisse sind im Übrigen sehr gut: Meistens schneidet die Software sauber aus und da sich die Stärke der Unschärfe justieren lässt, erzielt man schnell zufriedenstellende Ergebnisse. Auch Effekte wie Studiobeleuchtung, welche den Hintergrund komplett austauschen, sind über die Kamera-App möglich. Und natürlich kann der Portrait-Modus nicht nur für die Haupt-, sondern auch für die Frontkamera zum Einsatz kommen. Auch hier erzielt er wirklich gute Ergebnisse.

Wer möchte, dreht auch die Beauty-Filter auf (siehe oben), welche auf der ersten Stufe noch einigermaßen natürlich wirken, danach aber immer mehr dafür sorgen, dass Menschen eher wie Androiden oder Wachsfiguren wirken. Ist aber eine Funktion, die eben bei keinem asiatischen Smartphone fehlen darf.

Eine Zusammenfassung? Die Hauptkamera schießt für die Mittelklasse ausgezeichnete Fotos und auch die Frontkamera ist nicht zu verachten. Schade, dass es aktuell einen kleinen Fehler beim Portrait-Modus gibt. Jener sollte sich aber durch ein Firmware-Update leicht beheben lassen und beeinträchtigt die Ergebnisse nicht.

André Westphal

Redakteur

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