Abkehr vom Hybrid-Design? Intel arbeitet an einheitlichen CPU-Kernen

Stellenangebot deutet an, dass Intel eine „Unified Core“-Option prüft

Seit der 12. Core-Generation (Alder Lake) setzt Intel bei seinen Prozessoren auf ein Hybrid-Design mit Performance-Kernen (P-Cores) für hohe Single-Thread-Lasten sowie Effizienzkerne (E-Cores) für Hintergrundaufgaben und stark parallelisierte Workloads. Nun deutet ein interessantes Detail darauf hin, dass Intel parallel an einer alternativen Langfriststrategie arbeitet. In einer aktuellen Stellenausschreibung ist von einem „Unified Core“-Designteam die Rede, mit Fokus auf funktionale CPU-Verifikation.

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Das Konzept der P- und E-Cores hat sich in der Praxis bewährt – insbesondere in Kombination mit Intels Thread Director. Die Telemetriedaten helfen modernen Windows-Schedulern dabei, Threads dynamisch und kontextsensitiv auf die jeweils geeigneten Kerne zu verteilen, selbst wenn sich Power-Limits und Turbo-Frequenzen zur Laufzeit ändern.

Doch das im LinkedIn-Stellenangebot erwähnte „Unified Core“-Designteam macht deutlich, dass Intel bei den CPU-Architekturen zumindest mehrgleisig fährt. Gesucht wird ein „Senior CPU Verification Engineer“ in Vollzeit. Solche Rollen sind typischerweise sehr früh im Entwicklungszyklus angesiedelt – zu einem Zeitpunkt, an dem noch kein Silizium existiert und architektonische Grundsatzentscheidungen sowie Pre-Silicon-Validierungspläne definiert werden. Das ist kein Hinweis auf ein kurzfristiges Produkt, wohl aber ein belastbares Signal: „Unified Core“ ist offenbar mehr als ein Social-Media-Gerücht.

Was könnte „Unified“ konkret bedeuten? Naheliegend ist eine Reduktion oder vollständige Aufhebung der architektonischen Trennung zwischen P- und E-Cores. Ein einheitlicher Kerntyp würde das Thread-Scheduling vereinfachen und Spezifikationen transparenter machen: Kernzahlen müssten nicht länger in unterschiedliche Klassen aufgeschlüsselt werden. Zudem ließe sich Plattformkomplexität reduzieren, etwa bei Edge-Cases, in denen unterschiedliche Kerntypen unter bestimmten Instruktionsmustern, Latenzanforderungen oder Affinitätsvorgaben divergierendes Verhalten zeigen.

Die Herausforderung liegt jedoch darin, die Vorteile des Hybrid-Ansatzes zu erhalten. Kleine E-Cores sind nicht nur energieeffizient, sondern auch flächeneffizient. Sie ermöglichen hohe Thread-Zahlen, ohne die Die-Fläche unverhältnismäßig zu vergrößern, und liefern eine starke Multi-Thread-Performance pro Quadratmillimeter. Ein Unified-Core-Ansatz müsste daher alternative Hebel zur Produktsegmentierung und Effizienzsteuerung bieten – etwa über unterschiedliche Cache-Konfigurationen, abgestufte Takt- und Power-Ziele oder mehrere Implementierungen derselben Architektur mit jeweils spezifischer Optimierung, statt völlig separater Mikroarchitekturen.

Derzeit handelt es sich aber wohl noch um frühe Exploration, keine unmittelbar bevorstehende Kehrtwende. Intels veröffentlichte Roadmaps bleiben mittelfristig klar auf Hybrid-Designs ausgerichtet. Der Begriff „Unified Core“ deutet jedoch darauf hin, dass Intel perspektivisch einen Ausweg aus der Komplexität gemischter Kerntypen evaluieren möchte. Ob ein solcher Ansatz die Dichte- und Durchsatzvorteile hybrider Designs erreichen kann, bleibt die zentrale offene Frage.

Quelle: Olrak29 @ X

Frank Schräer

Herausgeber, Chefredakteur und Webmaster

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