Der globale DRAM-Markt wurde jahrzehntelang von drei Unternehmen dominiert: Samsung, SK Hynix und Micron. Doch nun zeichnet sich ein möglicher Wandel ab. Mit den neuen DDR5-Speicherkits der chinesischen Hersteller Gloway und KingBank gelangen erstmals Consumer-Produkte auf den Markt, die vollständig auf in China entwickelte 24-Gbit-DRAM-Chips setzen – und damit bewusst auf Speicherbausteine der etablierten Marktführer verzichten.
Auslöser der Entwicklung sind neue 24-Gbit-DDR5-Chips des chinesischen Speicherherstellers CXMT (ChangXin Memory Technologies). Durch die ungewöhnliche Chipkapazität lassen sich sogenannte „Non-Binary“-Speicherkonfigurationen realisieren, darunter 24-GByte-Module oder 48-GByte-Kits mit zwei Speicherriegeln. Bisher dominierten vor allem 16-Gbit- und 32-Gbit-DRAM-Bausteine, wodurch hauptsächlich 16-, 32- oder 64-GByte-Konfigurationen verfügbar waren.
Für Anwender entsteht dadurch eine interessante Zwischenstufe: Wer mit 32 GByte an seine Grenzen stößt, aber nicht direkt auf 64 GByte aufrüsten möchte, erhält mit 48 GByte eine neue Option. Besonders Content Creator, Entwickler oder Nutzer lokaler KI-Anwendungen könnten davon profitieren.
Gloway präsentierte ein neues DDR5-6000-Kit mit einer Gesamtkapazität von 48 GByte (2×24 GByte). Die Module arbeiten mit Timings von CL36-38-38-80 bei einer Spannung von 1,25 Volt und wurden laut Hersteller speziell für AMD-Plattformen optimiert. KingBank setzt bei seiner Star-Blade-RGB-Serie ebenfalls auf die neuen chinesischen Speicherchips und kombiniert diese mit RGB-Beleuchtung und verstärkten Kühlkörpern. Technisch sind die Produkte zunächst keine Revolution. Ihre eigentliche Bedeutung liegt vielmehr in der Herkunft der verbauten DRAM-Chips.
Die globale Speicherindustrie gilt als eines der am stärksten konzentrierten Segmente der Halbleiterbranche. Samsung, SK Hynix und Micron kontrollieren seit Jahren den Großteil der weltweiten DRAM-Produktion. Auch chinesische Modulhersteller waren bislang weitgehend auf Chips dieser Anbieter angewiesen. Mit den neuen DDR5-Produkten zeigt sich erstmals, dass chinesische Hersteller in der Lage sind, moderne Hochkapazitätsmodule auf Basis heimischer Speicherchips zu produzieren. Das ist ein wichtiger Schritt im Rahmen von Chinas langfristiger Strategie zur technologischen Unabhängigkeit im Halbleitersektor.
Dabei geht es nicht nur um nationale Industriepolitik. Eine breitere Anbieterlandschaft könnte langfristig auch den Wettbewerb im DRAM-Markt stärken und die Abhängigkeit von einzelnen Lieferketten reduzieren. Analysten sehen darin einen potenziellen Gegenpol zu den derzeitigen Marktstrukturen, die zunehmend durch die hohe Nachfrage nach KI-Hardware und Rechenzentrumskomponenten geprägt werden.
Die aktuellen Speicherkits sind nicht die einzigen Anzeichen für den Aufstieg chinesischer DRAM-Technologie. Bereits vor wenigen Wochen tauchten erste DDR5-Kits von Corsair mit CXMT-Speicherchips auf dem chinesischen Markt auf. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen an schnelleren DDR5-8000- und LPDDR5X-Lösungen und erweitert kontinuierlich sein Produktportfolio.
Noch kann CXMT technologisch nicht in allen Bereichen mit Samsung oder SK Hynix gleichziehen. Dennoch zeigen die jüngsten Entwicklungen, dass chinesische Speicherhersteller zunehmend in Segmente vordringen, die bislang fest in der Hand internationaler Marktführer waren.
Wer nun auf deutlich günstigeren Arbeitsspeicher hofft, sollte seine Erwartungen jedoch dämpfen. Branchenvertreter berichten, dass CXMT-basierte DDR5-Module preislich bislang kaum unter vergleichbaren Produkten der etablierten Hersteller liegen. Der größte Vorteil liegt derzeit weniger im Preis als vielmehr in zusätzlichen Produktionskapazitäten und einer diversifizierten Lieferkette.
Die Einführung der ersten DDR5-Kits mit chinesischen 24-Gbit-DRAM-Chips lassen sich jedoch auch als Beginn einer größeren Verschiebung in der Speicherbranche deuten. Sollte CXMT seine Produktion weiter ausbauen und technologisch aufschließen, könnte sich der bislang von drei Konzernen dominierte DRAM-Markt erstmals seit vielen Jahren nachhaltig verändern.
Quelle: IT Home (China)


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