RAM bleibt knapp: Entspannung bei Speicher erst ab 2028

Micron rechnet erst 2028 mit spürbar mehr Speicherkapazität – KI treibt die Nachfrage weiter

Die angespannte Lage am Speichermarkt könnte deutlich länger anhalten als bislang erwartet. Nach Einschätzung von Micron wird erst ab 2028 nennenswert zusätzliches Speicherangebot zur Verfügung stehen. Bis dahin dürfte die Nachfrage nach DRAM weiterhin die verfügbare Produktionskapazität übersteigen. Das geht aus Aussagen von Micron-Manager Sumit Sadana auf dem Six Five Summit 2026 hervor.

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Dabei betrifft der Engpass laut Sadana nicht nur besonders schnelle oder für KI-Beschleuniger optimierte Speicherprodukte. Die Knappheit erstrecke sich inzwischen über sämtliche Marktsegmente. Gleichzeitig würden Kunden ihre Bedarfsprognosen weiter nach oben korrigieren. Selbst bei einer konsequenten Ausweitung der Produktion lasse sich deshalb derzeit nicht absehen, wann Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht kommen.

Ein wesentlicher Treiber ist der massive Ausbau von KI-Rechenzentren. Moderne KI-Systeme benötigen große Speicherkapazitäten und hohe Speicherbandbreiten. Je größer die Modelle werden, desto mehr Daten müssen während Training und Inferenz zwischen Prozessoren und Speicher bewegt werden.

Dabei konkurrieren klassische DRAM-Produkte zunehmend mit besonders speicherintensiven Anwendungen wie High-Bandwidth Memory (HBM). Die Produktion von HBM benötigt im Verhältnis zur nutzbaren Kapazität deutlich mehr Wafer-Kapazität als konventioneller DRAM. Dadurch kann ein Ausbau der Fertigung nicht unmittelbar im gleichen Umfang zu zusätzlichem verfügbarem Arbeitsspeicher führen. Die Marktforscher von TrendForce erwarten deshalb auch für 2027 weiterhin einen angespannten DRAM-Markt.

Die Folgen sind bereits bei den Preisen sichtbar. Investment-Banker von UBS prognostizierten im Juli für das dritte Quartal 2026 einen Anstieg der weltweiten DRAM-Vertragspreise um 32 Prozent gegenüber dem Vorquartal und erwarteten eine Fortsetzung des Preisdrucks bis ins zweite Quartal 2028.

Micron investiert deshalb massiv in zusätzliche Produktionskapazitäten. Unter anderem soll die neue ID1-Fabrik in Idaho Mitte 2027 erstmals Wafer produzieren. Bei ID2 in Idaho wird der Produktionsstart für Ende 2028 erwartet. Weitere Fabriken sind unter anderem in New York, Japan und Singapur geplant.

Sumit Sadana (Micron) auf dem Six Five Summit 2026

Zwischen dem Bau einer Fabrik und tatsächlich verfügbaren Speichermengen liegt allerdings eine erhebliche Verzögerung. Nach dem Bau müssen Anlagen installiert, Produktionsprozesse eingerichtet und die Fertigung auf ausreichende Ausbeute gebracht werden. Micron zufolge ist deshalb selbst 2028 zunächst nur der Beginn des Hochlaufs zusätzlicher Kapazitäten. Erst in den darauffolgenden Jahren dürfte daraus ein größerer Beitrag zur globalen Versorgung entstehen.

Für PC-Hersteller und Kunden bedeutet das, dass hohe RAM-Preise und eine teilweise eingeschränkte Verfügbarkeit nicht als kurzfristiges Problem betrachtet werden können. Große Hersteller versuchen bereits, sich langfristig Speicherlieferungen zu sichern. So wurde bereits im Juli berichtet, dass der chinesische Speicherhersteller CXMT bis Ende 2027 ausgebucht ist, weil dessen Kapazitäten teilweise bis Ende 2027 reserviert sind.

Zusätzlich könnte sich die Nachfrage weiter erhöhen. Neben klassischen KI-Rechenzentren nennt Micron auch Agentic AI, Edge-AI, Fahrzeuge, Industrieanwendungen und Robotik als künftige Speicherverbraucher. Insbesondere humanoide Roboter könnten pro Gerät mehrere hundert Gigabyte DRAM und mehrere Terabyte NAND-Flashspeicher benötigen.

Damit zeichnet sich ein ungewöhnlich langer Speicherzyklus ab: Selbst wenn neue Fabriken ab 2027 und 2028 ihre Produktion aufnehmen, dürfte dies nicht automatisch zu einer schnellen Entspannung führen. Für PC-Nutzer bedeutet das, dass günstiger Arbeitsspeicher auf absehbare Zeit keine Selbstverständlichkeit sein dürfte.

Quelle: ITHome (China)

Frank Schräer

Herausgeber, Chefredakteur und Webmaster

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