KI-Boom verschärft PCB-Knappheit: Mainboards & Grafikkarten bald noch teurer?

Starke Nachfrage aus dem KI-Sektor erhöht Lieferzeiten für Leiterplatten auf bis zu 30 Monate

Nach RAM, NAND-Flash und Grafikspeicher droht der Hardwarebranche ein weiterer Engpass: Leiterplatten (Printed Circuit Boards, PCB). Der massive Ausbau von KI-Rechenzentren sorgt für eine stark steigende Nachfrage nach hochwertigen Platinen und verdrängt zunehmend die Produktion für klassische PC-Hardware. Laut einem Bericht aus Asien könnte sich die Versorgungslage bis zum Ende des Jahrzehnts schwierig gestalten.

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Die Auswirkungen sind bereits in der Lieferkette spürbar. Ein Manager eines US-amerikanischen PC-Herstellers erklärte gegenüber Nikkei Asia, dass es trotz möglicherweise rückläufiger PC-Auslieferungen im kommenden Jahr zunehmend schwierig sei, ausreichend Leiterplatten für die geplanten Produkte zu beschaffen. Ein PCB-Hersteller berichtet zudem von teilweise verdoppelten Lieferzeiten. Bei einigen Produkten müssen Kunden inzwischen bis zu 30 Monate warten. Ein weiterer Zulieferer erwartet bei heutigen Bestellungen eine Auslieferung frühestens Ende 2028.

Hinter der Entwicklung steht vor allem der enorme Bedarf an Leiterplatten für KI-Beschleuniger und entsprechende Serverplattformen. Diese benötigen komplexere Platinen mit mehr Schichten und höheren Anforderungen an die verwendeten Materialien. Entsprechend lukrativ sind die Aufträge für die Hersteller, die ihre verfügbaren Kapazitäten zunehmend auf den KI-Sektor ausrichten.

Das betrifft nicht nur die eigentliche Leiterplattenproduktion, sondern auch wichtige Vorprodukte. Dazu zählen kupferkaschierte Laminate (Copper Clad Laminates, CCL) sowie spezielle Glasfasermaterialien. Ein taiwanischer PC-Hersteller berichtet, dass sich die Kosten für CCL seit Juli mindestens auf das Zwölffache erhöht hätten. Bei einem der weltweit führenden Anbieter sind die Auftragsbücher bereits bis 2030 gefüllt. Das Unternehmen plant zwar, seine Produktionskapazität bis 2028 zu verdreifachen, kann damit den aktuellen Bedarf aber offenbar nicht kurzfristig decken.

Auch bei sogenannten Chip-Substraten, auf denen Prozessoren und Grafikchips montiert werden, steigt der Kapazitätsbedarf. Nvidia hat deshalb Kooperationen mit den Herstellern Ibiden aus Japan, Samsung Electro-Mechanics aus Südkorea und Unimicron aus Taiwan geschlossen. Unimicron plant, seine Kapazitäten innerhalb der kommenden drei Jahre um das 2,5-Fache auszubauen.

Die Hersteller reagieren zwar mit Investitionen in neue Produktionsanlagen, doch auch der Ausbau der Fertigung benötigt Zeit. Hinzu kommt ein Mangel an qualifizierten Fachkräften. Laut Nikkei Asia sind die Gehälter in der PCB-Branche bereits um 20 bis 30 Prozent gestiegen, um ausreichend erfahrenes Personal zu gewinnen und zu halten.

Für PC-Käufer könnte sich die Entwicklung in Form weiterer Preissteigerungen bemerkbar machen. Besonders Mainboards und Grafikkarten sind auf große, komplexe Leiterplatten angewiesen und damit unmittelbar von den Engpässen betroffen. Steigende Material- und Fertigungskosten könnten deshalb zusätzlich zu den bereits angespannten Preisen für Speicher und Grafikchips auf die Endkundenpreise durchschlagen.

Eine schnelle Entspannung ist nicht absehbar. Selbst wenn neue Fertigungskapazitäten in den kommenden Jahren hinzukommen, dürften die hohe Nachfrage aus dem KI-Sektor und die langen Vorlaufzeiten die Lieferketten noch längere Zeit belasten. Damit könnte die PCB-Knappheit zu einem weiteren Kostenfaktor werden, der den PC-Hardwaremarkt bis weit in die zweite Hälfte des Jahrzehnts begleitet.

Quelle: Nikkei Asia

Frank Schräer

Herausgeber, Chefredakteur und Webmaster

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