Spiele-Discs vor dem Aus: Publisher sparen Millionen

Rein digital vertriebene Games ersparen pro AAA-Spiel bis zu 16 US-Dollar

Der Abschied von physischen Spielen könnte für Publisher zum lukrativen Geschäft werden. Pro verkauftem AAA-Titel lassen sich laut einem aktuellen Bericht mehr als 10 US-Dollar einsparen, wenn statt einer Disc ausschließlich eine digitale Lizenz angeboten wird.

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Für die Herstellung physischer Spiele sollen Publisher an Sony und Microsoft demnach zwischen 15 und 20 Prozent der unverbindlichen Preisempfehlung (UVP) zahlen. Bei einem Spiel für knapp 80 Dollar entspricht das rund 12 bis 16 Dollar pro Exemplar. Bei Millionenverkäufen entsteht daraus ein erheblicher Kostenblock.

Ein kommender Blockbuster wie Grand Theft Auto VI verdeutlicht die Dimension. Bei zehn Millionen verkauften Exemplaren könnten allein bei der angenommenen Disc-Produktion bis zu 160 Millionen Dollar an Kosten entstehen. Verpackung, Transport und Lagerung sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Vor diesem Hintergrund ist es aus wirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar, dass Microsoft die Disc begräbt und an einem „Digitalisierungsprogramm“ arbeitet, wie vor etwas mehr als einem Monat berichtet wurde. Demnach können Spieler bei diesem „Disc to Digital“-Konzept für Xbox vorhandene Discs künftig in digitale Lizenzen umwandeln. Dafür wird die Disc eingelesen und über einen individuellen Schlüssel mit der digitalen Lizenz verknüpft.

Der Haken: Die Disc würde dadurch ihre bisherigen Eigenschaften als physischer Datenträger verlieren. Ein Weiterverkauf, Verleihen oder Vermieten wäre nicht mehr möglich. Auch die Nutzung auf einer anderen Konsole würde verhindert. Damit würde Microsoft einen weiteren Schritt in Richtung einer vollständig digitalen Xbox-Plattform machen.

Kurz zuvor bereits hatte Sony das Ende der PlayStation-Discs eingeläutet. Nach eigenen Angaben wird der Konzern ab 2028 damit beginnen, die Produktion von Discs für neue Spiele zurückzufahren. Sonys letztes Werk für PlayStation-Discs wird bereits umgebaut. Für Publisher wäre das vor allem aus wirtschaftlicher Sicht attraktiv: Kosten für Datenträger, Verpackung und Teile der Logistik würden entfallen.

Ein Bild aus alten Tagen: Laufwerk der PlayStation 3

Gerade angesichts der hohen Entwicklungskosten moderner AAA-Spiele und der zahlreichen Entlassungen in der Branche könnte eine deutlich höhere Marge für Publisher interessant sein. Die eingesparten 15 bis 20 Prozent würden allerdings nicht automatisch vollständig als Gewinn verbleiben.

Für Spieler hätte der Abschied von Discs dagegen einen entscheidenden Nachteil: Die Wahlfreiheit schrumpft. Gebrauchtkäufe, Weiterverkauf und das Verleihen von Spielen wären bei digitalen Lizenzen nicht mehr möglich. Zudem steigt die Abhängigkeit von den digitalen Stores und deren Geschäftsbedingungen. Der Wechsel zur digitalen Lizenz ist damit ein klassischer Interessenkonflikt: Publisher reduzieren ihre Kosten, während Spieler einen Teil der Freiheiten verlieren, die physische Spiele bislang bieten.

Quelle: Game File

Frank Schräer

Herausgeber, Chefredakteur und Webmaster

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