Gigabyte kritisiert ASUS

ASUS ''PEG Link Mode'' kann Grafikkarten per Mainboard-BIOS übertakten

Anfang dieser Woche hatte angeblich Gigabyte ein Feature von ASUS Mainboards kritisiert, das automatisch die eingesetzte Grafikkarte übertaktet und nicht ausreichend dokumentiert sei. Dadurch würden vergleichende Benchmarks verfälscht. Einen Tag später folgte ein öffentliche Mitteilung von ASUS, die den betreffenden “PEG Link Mode“ als einzigartiges Feature zur Beschleunigung der Grafikleistung heraus stellt.

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Gigabyte selbst war auf Anfrage von Hartware.net zu keiner Stellungnahme bereit. ASUS verweist lediglich auf die bereits erwähnte Pressemitteilung, gibt aber zu, dass man das Feature besser vorher hätte kommunizieren sollen.
Worum geht es genau?
ASUS hat mit den neuen Sockel-775 Mainboards mit Intel 915P und 925X Chipsätzen für Pentium 4 Prozessoren ein neues Feature namens “PEG Link Mode“ eingeführt. Damit ist eine Übertaktung der Frequenzen von Grafikchip und -speicher der eingesetzten PCI Express Grafikkarte möglich. In den “Advanced Chipset Settings“ des BIOS-Setups des Mainboards kann der “PEG Link Mode“ auf ‚Auto‘, ‚Slow‘, ‚Normal‘, ‚Fast‘ und ‚Faster‘ eingestellt werden. Voreingestellt ist ‚Auto‘, wodurch laut ASUS automatisch die korrekten Taktfrequenzen gewählt werden.
ASUS hat dieses Feature nach eigenen Angaben ausführlich für “jede einzelne PCI Express Karte“ getestet und optimiert, um die Stabilität zu garantieren.
Im Handbuch z.B. vom ASUS P5AD2 Premium Mainboard ist der “PEG Link Mode“ – wie so viele BIOS-Einstellungen – nur sehr sparsam dokumentiert. “Sets the PCI Express graphics card link mode“ ist die einzige Informationen, die man dazu findet.
Solange die Voreinstellung ‚Auto‘ aber nichts an den Taktraten der Grafikkarte verändert, wie ASUS angibt, gäbe es auch prinzipiell nicht viel zu kritisieren an diesem Feature. Allerdings ist dies wohl noch nicht endgültig geklärt. Die belgischen Kollegen von Materiel.be haben den “PEG Link Mode“ auf dem ASUS P5AD2 Premium mit einer Abit Radeon X600 XT PCIe Grafikkarte getestet und mussten dabei feststellen, dass die Einstellung ‚Auto‘ mitnichten die Taktraten der Grafikkarte unangetastet lässt. Lediglich bei ‚Slow‘ lagen die Taktfrequenzen wie von Abit vorgegeben bei 513/371 MHz. Bei ‚Auto‘ (sowie bei ‚Normal‘ und ‚Fast‘) wurde die Karte auf 540/385 MHz übertaktet und bei ‚Faster‘ sogar auf 554/392 MHz.
Ein solches Overclocking der Grafikkarte von 5% bzw. 4% schon bei der BIOS-Voreinstellung ist dabei nicht nur für Tester, deren Benchmark-Ergebnisse damit nicht mehr vergleichbar sind, ein Ärgernis, sondern gegebenenfalls auch für Anwender, wenn die Grafikkarte die höheren Vorgaben des Mainboards nicht mitmacht. An wen wendet sich der User dann im Garantiefall?
Ein weiteres Problem ist die Kompatibilität mit neuen, derzeit noch nicht vorgestellten Grafikkarten. Ist der Anwender zu einem BIOS-Update seines Mainboards gezwungen, wenn er in wenigen Monaten eine Grafikkarte der nächsten Generation einbauen will? Schließlich ist es durchaus denkbar, dass das BIOS dieses neue Modell und dessen Taktraten noch nicht erkennen kann.
Insgesamt scheint der “PEG Link Mode“ mehr Schwierigkeiten als Nutzen zu versprechen. ASUS und auch jeder andere Platinen-Hersteller sollte sich besser aus den Einstellungen der Grafikkarte heraushalten. Wer diese übertakten möchte, braucht dafür nicht das BIOS des Mainboards.

ASUS ''PEG Link Mode'' im BIOS-Setup
Auszug aus dem Handbuch des ASUS P5AD2 Premium

Quelle: E-Mail

Frank Schräer

Herausgeber, Chefredakteur und Webmaster

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