Intels Dual-Core Strategie

x20, x30 und x40 Prozessoren sind für das dritte Quartal 2005 geplant

Mitte diesen Monats sorgte Intel für einiges Aufsehen, als der eigentlich fest eingeplante Pentium 4 mit 4 GHz von der Roadmap gestrichen wurde. Statt auf höhere Taktfrequenzen setzt der Marktführer bei PC-Prozessoren auf Features wie einen größeren internen Cache, höhere Bus-Geschwindigkeiten, Befehlserweiterungen und die Integration von zwei CPU-Kernen in einem Prozessor. Zu diesen Dual-Core Modellen von Intel sind in den letzten Tagen detaillierte Informationen aufgetaucht.

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Nach diesen natürlich noch inoffiziellen Angaben wird Intel im dritten Quartal nächsten Jahres die ersten drei Desktop-Prozessoren mit Dual-Core auf den Markt bringen. Voraussichtlich werden diese nicht mehr Pentium 4 heißen und vielleicht sogar ohne den Begriff ‚Pentium‘ auskommen müssen. Derzeit stehen die drei CPUs als x20, x30 und x40 auf der Roadmap. Die einzigen Unterschiede zwischen diesen Modellen ist die Taktfrequenz, die von 2.8 über 3.0 bis 3.2 GHz reicht. Der Front Side Bus liegt bei 800 MHz.
Die unter dem Codenamen ‚Smithfield‘ laufenden Dual-Core Prozessoren verwenden praktisch zwei in 90nm Technologie gefertigte Prescott Kerne mit jeweils 1 MB Level-2 Cache, die auf dem selben CPU-Die untergebracht sind. Die Spekulationen über die Verwendung von stromsparenden Banias oder Dothan Notebook-CPUs für die Dual-Core Modelle sind damit hinfällig.
Der Einsatz von Prescott-Technologie erklärt die vergleichsweise niedrigen Taktfrequenzen. Ein einzelner Pentium 4 Prescott wird in Kürze schon mit 3.8 GHz erhältlich sein, aber ein Dual-Core Prozessor auf Prescott-Basis benötigt bei diesem Tempo einfach zu viel Strom und wird zu heiß.
Außerdem werden Intels Dual-Core CPUs deshalb auch mit der erweiterten SpeedStep Technologie ausgestattet, die den Stromverbrauch und die Taktfrequenz abhängig von der Auslastung senken kann.
Daneben unterstützt Smithfield die neuen Features der EM64T (Intels 64bit Erweiterung und Antwort auf AMD64) sowie Intels “Execute Disable Bit“ (XD-bit). Das XD-bit soll das System vor den Pufferüberläufen (buffer overflow) schützen, die sich bösartige Programme wie Mail-Würmer und Viren zu Nutze machen, um Code zum Ablauf zu bringen, der vom Betriebssystem eigentlich nicht zur Ausführung gedacht ist. Bei AMD heißt dieses Feature “Enhanced Virus Protection“ (auch “NX-bit“ genannt) und ist schon in den AMD Athlon 64 CPUs enthalten.
Die Intel Dual-Core Prozessoren sollen mit dem LGA-775 Sockel kompatibel sein, den auch die aktuellen Pentium 4 Prescott CPUs verwenden. Allerdings benötigt man wohl einen neuen Chipsatz für Dual-Core, so dass solche Prozessoren nicht in bestehenden Mainboards eingesetzt werden können. Als Chipsets für Smithfield sind ‚Glenwood‘ und ‚Lakeport‘ geplant, die beide FSB800 und FSB1066 sowie Dual-Channel DDR2-533 und -667 unterstützen. Der Glenwood Chipsatz – als Nachfolger des Intel 925X Alderwood – erlaubt den Einsatz von 8 GB Hauptspeicher, macht also Gebrauch von der 64bit Erweiterung. (Aktuelle 32bit CPUs können üblicherweise maximal 4 GB verwalten.)

Im dritten Quartal plant auch Konkurrent AMD das Erscheinen seiner Dual-Core Prozessoren für Desktop-Systeme und hat auch bereits lauffähige Systeme präsentiert. Man darf gespannt sein, wer hier schneller mit tatsächlich erhältlichen Produkten auf dem Markt ist.
Ob die Nachfrage nach diesen Modellen allerdings groß sein wird, darf bezweifelt werden. Auf herkömmlichen Desktop-Systemen bringt der Einsatz von zwei Prozessoren bzw. zwei Kernen in den meisten Fällen sehr viel weniger Leistungszuwachs als z.B. eine höhere Taktfrequenz. Die überwiegende Zahl der Standard-Anwendungen besitzt keine Multi-CPU-Fähigkeit. Dies dürfte sich erst 2006 ändern, wenn Dual-Core Prozessoren weiter verbreitet sind.

Quelle: OnlyNewZ

Frank Schräer

Herausgeber, Chefredakteur und Webmaster

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