Raubkopien dank hoher Preise?

Studie kommt zu interessanten Ergebnissen

Eine neue wissenschaftliche Studie des Social Science Resarch Counsils hat versucht die Ursachen von Raubkopien zu ergründen. Man kam dabei zu dem Ergebnis, dass weder Internet-Zensur, Verbindungssperren durch die Telekommunikationsanbieter, noch höhere Strafen eine Lösung seien. Stattdessen schreiben die Wissenschaftler die wachsende Anzahl an Raubkopien der Preispolitik der Hersteller zu, die in vielen Ländern unangemessen sei. Man hat dabei Länder wie Indien, Mexiko und Russland untersucht, in denen die Zahl der Raubkopien besonders hoch ist.

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Der Grund für die enorme Anzahl an Raubkopien in den genannten Ländern besteht darin, dass die Preise der CDs, DVDs und Computerspiele unverhältnismäßig hoch im Vergleich zum Einkommen sind. Setzt man die Verkaufspreise der Medien in ein Verhältnis zum Einkommen bzw. den Lebenserhaltungskosten, kosten CDs, DVDs und Spiele in Indien, Mexiko und Russland in etwa fünfmal so viel wie in Westeuropa oder den USA.

Internationale Unternehmen halten die Preise auch in besagten Ländern so hoch, um ihre Preispolitik in wirtschaftsstarken Ländern zu schützen. Sonst bestünde die Gefahr, dass viele Käufer aus Deutschland etwa zum wesentlich günstigeren aber gleichwertigen Import aus Indien greifen könnten. Dafür erwerben Käufer in den genannten Ländern aber bis zu 90 % ihrer Medien als Raubkopien.

Als Beispiel nennen die Forscher den Film „The Dark Knight“, welcher sowohl in den USA als auch in Russland für ca. 15 US-Dollar den Besitzer wechselt. Setzt man den Preis aber in ein realistisches Verhältnis zum Einkommen, zahlen die Russen im Vergleich zu den Amerikanern in etwa einen Preis von 75 US-Dollar.

Aufgrund dieser Preispolitik sei es laut den Wissenschaftlern kein Wunder, dass die Zahl der Raukopien etwa in Russland stetig zunähme. Sollten die Preise für Medien dort nicht fallen, könnten auch stärkere rechtliche Sanktionen nichts bewirken. Laut Joe Kraganis, einem der Autoren der Studie, seien Raubkopien immer ein Signal, dass die Konsumenten mit den Angeboten der Unternehmen unzufrieden seien. Im Ergebnis dürfe man die Preise in wirtschaftsschwachen Ländern nicht allein an den Standards der reichen Industrienationen messen, denn das könne auf Dauer nur schief gehen. Schließlich würde auch ein Amerikaner nicht 75 US-Dollar für einen Film zahlen.

Gleichzeitig muss man den Inhalt der Studie aber als einseitig kritisieren, da viele Faktoren vernachlässigt werden: Wenn etwas umsonst einfach verfügbar ist, ist dem potentiellen Käufer auch der niedrigste Preis noch zu hoch. Aus diesem Grund hängen Verkaufspreise und Raubkopien häufig nur indirekt zusammen.

Quelle: ArsTechnica

André Westphal

Redakteur

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