Händler kritisieren „Always On“

Microsoft schade dem Spielemarkt

Microsoft möchte mit der Xbox 720 angeblich das Prinzip „Always On. Always Connected.“ einführen. Das bedeutet die Next-Generation-Konsole soll zum Starten von Spielen eine Internetverbindung voraussetzen. Zwar hat Microsoft den Online-Zwang bisher weder bestätigt noch dementiert, die Händler machen ihrem Ärger über die Pläne aber bereits Luft: Christopher Rogers von der UK-Kette Dixons etwa bemängelt, dass man international eine großflächige und stabile Breitband-Infrastruktur voraussetze, die nicht überall gegeben sei.

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Don McCabe von Chips urteilt nüchtern: „Sollte Microsoft über den Online-Zwang Second-Hand-Verkäufe blockieren, wird sich der Markt für sie rapide verkleinern – trotzdem werden sie aber Gewinn machen, da nur noch die zahlungswilligen Kunden bleiben und die Raubkopien abnehmen.“Robert Lindsay vom Games Centre spricht deutliche Worte: „Die Publisher haben den Bezug zu ihren Kunden verloren, wenn sie nicht verstehen wie der Markt für gebrauchte Spiele ihnen indirekt hilft neue Titel zu finanzieren. Man muss kein Wissenschaftler sein, um zu begreifen, dass ein neues Spiel für 50 Euro und ohne jeglichen Wiederverkaufswert für Kunden wie ein massives Loch im Budget ist.“ Lindsay glaubt demnach, dass Kunden auch weniger neue Spiele kaufen werden, wenn sie wissen, dass ein einmal gekauftes Spiel nicht mehr weitergegeben werden kann.

Steven Doyle, Manager des Händlers Games Dojo, glaubt der Erfolg von „Always On“ hängt von Sony ab: „Es kommt darauf an, wie Sonys Strategie aussieht. Sollte die nächste Xbox gebrauchte Spiele aussperren, die Playstation 4 sie aber zulassen, wird das meiner Ansicht nach der Xbox den Todesstoß versetzen.“

Der große Konsens der Händler ist, dass der Markt für gebrauchte Spiele von immenser Wichtigkeit ist – auch für die Publisher, ohne dass sie es zugeben. Fällt der Wiederverkaufswert eines Spieles komplett aus, werden sich die Kunden in Zukunft viel genauer überlegen, welchen Titeln sie eine Chance geben. Somit könnte Microsofts Online-Zwang für die Xbox 720 dem gesamten Markt schaden.

Quelle: MCV

André Westphal

Redakteur

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