Extremes Leistungsgefälle zwischen PS4 / Xbox One

Zahlreiche Entwickler geben anonym Auskunft

Die Entwickler der Firma Gaijin Entertainment („War Thunder“) hatten der Sony Playstation 4 bereits in Interviews deutlich mehr Leistung bescheinigt, als der Microsoft Xbox One. Der Microsoft-Manager Albert Penello war jedoch fluchs bei der Hand, um jene Angaben zu dementieren. Das Gaming-Magazin Edge wollte es genauer wissen und interviewte anonym einige, nach Angaben der Redakteure „hochrangige“, Entwickler, um weitere Meinungen einzuholen. Das Resultat ist eindeutig: Alle Befragten sprechen von „signifikanten“ und „offensichtlichen“ Leistungsunterschieden.

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So soll die PS4 Speicher um 40 bis 50 % schneller lesen als die Xbox One. Das ALU (Arithmetic Logic Unit) der Sony-Konsole sei ebenfalls um 50 % schneller, als das der Xbox One. Ein Entwickler gab ein anschauliches Beispiel: Würde man ohne Optimierungen für die jeweiligen Konsolen einen plattformunabhängigen Development-Build auf beiden Systemen laufen lassen, könnte die Sony Playstation 4 1920 x 1080 Bildpunkte bei 30 Bildern pro Sekunde darstellen, während die Xbox One „irgendwo bei 20 Frames pro Sekunde“ und 1600 x 900 Bildpunkten läge.

Während Entwickler bei Veröffentlichung der PS3 über den Cell klagten, treffen Vorwürfe über die komplizierte Architektur nun die Xbox One: „Die Xbox One ist leistungsschwächer und es ist eine Qual mit dem eSRAM zu arbeiten“, klagt ein Entwickler. Zu Microsofts jüngsten Anhebungen der Taktraten äußern sich die Entwickler: „Die Steigerung der Taktraten ist nicht signifikant und verändert kaum etwas – aber immerhin ist eine kleine Modifikation besser als gar keine.“

Gleichzeitig bestätigen mehrere Entwickler, dass sowohl Sony als auch Microsoft noch an den Grafiktreibern arbeiten, was sich in der Praxis stark auswirken könne. Auch hier liege Microsoft derzeit aber hinter Sony: „Microsoft ist mit seinen Treibern spät dran, was der Xbox One schadet“, mahnt ein Entwickler. Nach dem Launch der PS4 / Xbox One dürften beide Hersteller noch weiter an der Software feilen.

Wenigstens in einem Punkt liege die Microsoft Xbox One aber vor der Sony Playstation 4: „Nutzt man Procedural Generation oder Raytracing über parametrische Oberflächen, also man schreibt viel in den Speicher und arbeitet wenig mit Texturing oder der ALU, dann ist die Xbox One schneller.“

Zu Sperenzchen wie dem Touchpad des DualShock 4 oder der Bewegungssteuerung Kinect äußern sich die Entwickler genervt: „Beide Hersteller wollen, dass wir ihre plattformspezifischen Eingabemöglichkeiten einbinden. Aber wenn es keine zwingenden Design-Gründe oder andere Anreize gibt, verzichten wir meistens darauf.“ Sprich: Microsoft und Sony sind von derlei Spielereien offenbar selbst begeisterter als Spieleentwickler.

Am Ende berichten die Entwickler noch, dass sich die Leistungsvorteile der PS4 in der Praxis bei Multiplattformtiteln wohl nur dezent oder gar nicht auswirken werden: Zum einen sei dieses Thema „politisch“, da Microsoft verärgert sein könnte, wenn Triple-A-Blockbuster deutlich besser auf Sonys Konsole aussähen, zum anderen sei die Optimierung für leistungsfähigere Hardware auch ein Kostenfaktor. In erster Linie werden also vermutlich PS4-Exklusivtitel von den Leistungsvorteilen der Konsole profitieren.

Quelle: Edge

André Westphal

Redakteur

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