Japan: Gefängnis für Raubkopierer

Harte Strafen zeigen aber wenig Wirkung

In Japan sind Medien wie CDs, DVDs und Blu-ray deutlich teurer als in Deutschland. Um dennoch den Reiz von Raubkopien zu reduzieren, trat im Land der aufgehenden Sonne im Oktober 2012 ein neues Gesetz in Kraft, das Raubkopien mit Freiheitsstrafen von zwei Jahren bestraft. Analysen zeigen nun, dass die Zahlen der Nutzer von Filesharing-Netzwerken in Japan gesunken sind – die Verkaufszahlen von Musik-CDs allerdings auch. So wurden bisher 2013 um 7 % weniger Musik-CDs in Japan verkauft als noch 2012. Die digitalen Absätze sind sogar seit Einführung des Gesetzes um 24 % gefallen.

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Das Gesetz in Japan gilt als eines der härtesten gegen Raubkopien weltweit: Denn während in anderen Ländern vor allem Uploader harte Strafen ereilen, kann in Japan bereits der einfache Download einer urheberrechtlich geschützten Datei zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren führen. Zusätzlich gibt es für Richter kaum Spielraum: Entweder der jeweilige Angeklagte kommt ungeschoren davon oder wandert tatsächlich ins Kittchen. Die abschreckende Wirkung trat in Japan sehr schnell ein, denn die Filesharing-Netzwerke des Landes sind seitdem wie leergefegt.

Gleichzeitig zeigt das Gesetz, dass die Musikindustrie sich einer Milchmädchenrechnung hingibt, wenn sie oft behauptet jeder illegal heruntergeladene Titel sei mit einem Verkauf gleichzusetzen. Wie man sieht, sind die Verkaufszahlen von CDs und sogar digitalen Musikstücken dennoch weiter eingebrochen. Interessanterweise sind die Verleihzahlen stattdessen um 50 % angestiegen. Vermutlich leihen sich viele Japaner also nun lieber CDs aus, statt sie zu kaufen (oder herunterzuladen).

Quelle: TorrentFreak

André Westphal

Redakteur

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