HD und 16:9 als zwiespältiger Segen

TV-Serie "The Wire" macht den Sprung

Für Heimkino-Fans ist es eine interessante Zeit: Vorbei sind die Zeiten, als Filme auf VHS in beschnittenen 4:3-Versionen erschienen und bis zu 30 % des Bildinhalts verloren gehen konnte. Damals war den Zuschauern ein ausgefüllter Fernsehbildschirm oft wichtiger als das Originalformat mit allen Informationen. Doch hat sich wirklich so viel geändert? Denn jetzt fordert das Publikum häufig umgekehrt, dass alte Fernsehserien, die noch im damals gängigen Format 4:3 (1,33:1) produziert wurden, heutige TVs mit 16:9 (1,78:1) ausfüllen sollen. Hier werden HD-Remaster zu Fluch und Segen.

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Rechteinhaber könnten ihre Serien häufig nur noch international an Sende-Partner verkaufen, wenn sie das Material in 16:9 und HD liefern. Selbst die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland kennen etwa kein Erbarmen und beschneiden in der Regel ohne Rücksicht auf künstlerische Aspekte selbst ihre alten Eigenproduktionen. Als neues, zweifelhaftes Resultat dieser Entwicklung erscheint nun die Serie „The Wire“ als Kritiker-Liebling in HD und 16:9. Das Format wurde ursprünglich bewusst in 4:3 konzipiert. Immerhin beschneidet man das Bild hier allerdings nicht, sondern konnte mithilfe des Original-Kameramaterials den Bildausschnitt erweitern. Trotzdem führt dies natürlich zu einem gänzlich anderen Bildeindruck, der eigentlich nicht so vorgesehen war.

In seinem Blog erklärt der Schöpfer von „The Wire“, David Simon, das Für und Wider dieser Herangehensweise, auf die er selbst wenig Einfluss gehabt habe. So verstehe er, dass es der Zeitgeist sei alles in 16:9 zu senden und, wenn möglich, anzupassen. Aber „The Wire“ sei kompromisslos für 4:3 gedreht worden, so dass dies so oder so die künstlerisch beste Version bleibe. Laut Simon könne man die neue Version in HD und 16:9 aber als Alternative für ein jüngeres Publikum betrachten. Am Ende könne so jeder Zuschauer selbst wählen, was ihm wichtig sei. Eine Beispielszene, die in 4:3 und 16:9 jeweils etwas anders wirkt, ist diese hier:

Quelle: DavidSimon

André Westphal

Redakteur

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