Windows 10 außer Kontrolle?

Sendet ständig Daten trotz höchster Privatspähreneinstellung

Kritik an der Datensammlung von Windows 10 und der Übertragung von Nutzungsdaten an Microsoft gibt es schon länger, aber in den letzten Tagen hat ein Anwender genauer nachgeforscht. Er fand heraus, dass Windows 10 mehrere Tausend mal pro Tag Daten an Microsoft sendet – und dass obwohl er bei der Installation drei Seiten lang sämtliche Tracking-Optionen abgewählt hatte!

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Nach der Installation von Windows 10 und den Privatspähreneinstellungen, bei denen er alle standardmäßig aktivierte Tracking-Optionen abgeschaltet hatte, ließ er das System unberührt im Desktop-Betrieb stehen, überwachte aber den Datenverkehr. In den ersten acht Stunden wollte Windows 10 über 5500 mal Daten an 51 verschiedene IP-Adressen von Microsoft schicken. Nach 30 Stunden stieg die Zahl der verschiedenen IP-Adressen auf 113.
Abgesehen von den enormen Ausmaßen dieses Datenverkehrs ist dies auch eine potenzielle Angriffsfläche für Hacker.
Danach wurde ein zweiter Test durchgeführt. Nach der Neuinstallation von Windows 10 wurde zusätzlich das Programm „DisableWinTracking“ aufgespielt, das versucht, den im Hintergrund laufenden Datenverkehr des Betriebssystems zu unterbinden. Trotzdem hat Windows 10 innerhalb der ersten 30 Stunden nach der Installation über 2750 mal Kontakt zu 30 verschiedenen IP-Adressen aufgenommen.
Nicht nur die Ausmaße der Datenübermittlung sind überraschend, es ist auch erstaunlich, dass dies geschieht, obwohl das System unbenutzt blieb.

Als Anwender kann man prinzipiell nichts dagegen machen, denn mit dem Akzeptieren der Windows 10 Lizenzbedingungen während des Installationsvorgangs stimmt man dieser Datenübermittlung zu – auch wenn diese fast keiner liest. Microsoft ist also rechtlich auf der sicheren Seite. Im November hat Microsoft außerdem erklärt, dass die Daten anonymisiert sind und dazu dienen, das Betriebssystem zu verbessern.

Nachdem Microsoft zunächst keinen Kommentar zu dem enormen Datentransfer von Windows 10 abgeben wollte, hat man einen Tag später doch reagiert und laut Forbes.com versprochen, im Laufe dieses Jahres Updates herauszubringen, die dem Anwender die „volle Kontrolle“ über den Versand der Telemetriedaten geben. Er soll dies auch komplett abschalten können. Microsoft betont aber, dass man „entschieden davon abrät“.

UPDATE 13.2.2016:
Mittlerweile gibt es widersprüchliche Berichte über die Pläne von Microsoft. ZDNet meldet, dass Microsoft mitnichten die Privatspäreneinstellungen von Windows 10 ändern wird, beruft sich dabei allerdings lediglich auf ungenannte Quellen. Eine offizielle Stellungnahme von Microsoft gibt es dazu nicht.

Quelle: ghacks.net

Frank Schräer

Herausgeber, Chefredakteur und Webmaster

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