Amazon vernichte laut Greenpeace massenweise Neuware

Nachhaltigkeit stehe beim Online-Händler ganz hinten auf der Liste

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisiert Amazon: Der Händler vernichte in Deutschland massenweise nicht verkaufte Ware, die aber noch als Neuware gelte. Aufgedeckt wurde dies durch einen Mitarbeiter der Umweltschutzorganisation, den man verdeckt bei Amazon am Standort Winsen einschleuste. An acht Arbeitsplätzen würden in Winsen an sogenannten „Destroy-Stationen“ bewusst originalverpackte Waren für die Zerstörung aussortiert und dann entsorgt.

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Allein an jenem Standort vernichte man somit in einer Woche eine ganze LKW-Ladung nicht verkaufter Produkte. Darunter seien etwa T-Shirts, Bücher aber auch Elektroartikel. 2020 trat ein Gesetz gegen solche Verschwendung in Kraft, die „Obhutspflicht“. Sie wird allerdings von den Behörden nicht kontrolliert, sodass Amazon laut Greenpeace nicht unter Druck stehe. Für Amazon sei der Platz im Regal wichtiger, als das Produkt darin. Es gehe also nur um möglichst schnellen Umsatz.

Amazon bereite sich sogar bereits darauf vor, dass Entsorgungsunternehmer bald nur noch kaputte Ware abholen dürften. Daher sollen dann Mitarbeiter abkommandiert werden, welche die Waren zuvor unbrauchbar machen – etwa T-Shirts zerschneiden. Bevor ein Gesetz in Kraft trete, plane Amazon also bereits es zu unterlaufen, so Greenpeace. In Winsen werde dabei vor allem nicht verkaufte Ware von Dritthändlern vernichtet, die über den Amazon Marketplace aktiv sind.

Denn für die Händler fallen sonst hohe Lagergebühren an und eine Rücksendung an die oft im Ausland ansässigen Anbieter lohne sich dann wirtschaftlich nicht. Also vernichte man die Waren. Das ARD-Magazin Panorama hat ebenfalls über die Lage berichtet und eine Stellungnahme von Amazon erhalten: Der Online-Riese hat die Vernichtung von Neuwaren nicht bestritten, verfahre aber nur so, wenn es keine andere Möglichkeit gebe.

Das zentrale Problem ist, dass es zwar die Obhutspflicht gibt, es aber an notwendigen Verordnungen fehlt. Daher wird das Gesetz gar nicht umgesetzt. Die zuständige Bundesumweltministerin Svenja Schulze versprach vor rund 15 Monaten, dass an den Verordnungen gearbeitet werde, lehnte sich seitdem aber offenbar zurück. So ist aktuell davon auszugehen, dass sich da in dieser Legislaturperiode nichts mehr tun wird.

Quelle: Greenpeace

André Westphal

Redakteur

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