Intels neue CPU-Kerne starten zuerst im Desktop

Bei der nächsten CPU-Generation dreht Intel die bisherige Reihenfolge um

Intel will bei der Einführung seiner nächsten CPU-Architektur einen ungewöhnlichen Weg einschlagen: Die neuen Prozessorkerne sollen zunächst in Desktop-CPUs zum Einsatz kommen und erst später in Xeon-Prozessoren für Rechenzentren. Das hat Robert Hallock, Vice President und General Manager für Intels Enthusiasten-Geschäft, in einem Interview bestätigt.

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Damit setzt sich Intel bewusst von AMD ab. AMD hat seine neue „Zen 6“ Architektur zunächst mit den EPYC „Venice“ Prozessoren im Server-Bereich eingeführt, bevor die neuen Kerne in Ryzen Desktop-Prozessoren erscheinen sollen. Intel will dagegen offenbar zuerst die PC-Enthusiasten von seiner nächsten Generation überzeugen. Hallock deutete dabei ausdrücklich an, dass Nutzer die Aussage mit Blick auf die nächste Generation (Nova Lake) „zusammenrechnen“ sollten.

Hallock nannte zwar weder den Namen noch technische Details der neuen Architektur. Seine Aussage passt jedoch eindeutig zur erwarteten Einführung von „Nova Lake“. Die kommende Desktop-Generation soll die aktuelle „Arrow Lake“ Familie ablösen und wird derzeit für Ende 2026 beziehungsweise die Zeit rund um die CES Anfang 2027 erwartet.

Gerüchten zufolge könnte Intel mit Nova Lake unter anderem neue Performance- und Effizenzkerne namens „Coyote Cove“ beziehungsweise „Arctic Wolf“ einsetzen. Diese Bezeichnungen sind allerdings bislang nicht offiziell bestätigt. Ebenso offen sind konkrete Angaben zu IPC, Taktfrequenzen und der Leistungsaufnahme der neuen Architektur.

Fest steht nach Hallocks Aussage lediglich die Reihenfolge: Die neue CPU-Kernarchitektur debütiert im Desktop und kommt anschließend in weitere Produktklassen – einschließlich Xeon. Die Technologie soll damit nicht dauerhaft exklusiv für Consumer-Prozessoren bleiben.

Chip aus Intels 18A-Fertigung

Besonders interessant ist die Aussage vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Strategien von Intel und AMD. AMD setzt bei neuen CPU-Architekturen traditionell zunehmend auf die Wiederverwendung einer gemeinsamen Chiplet-Basis über mehrere Produktsegmente hinweg. Bei Zen 6 kommt die Architektur zunächst im Server-Bereich zum Einsatz.

Intel möchte dagegen offenbar demonstrieren, dass der Desktop wieder eine höhere Priorität besitzt. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil der Hersteller zuletzt Marktanteile an AMD verloren hat und die erste Generation von Core Ultra Desktop-Prozessoren auf Basis von Arrow Lake bei Spielern und Enthusiasten nicht die erhoffte Resonanz erzielte. Hallock räumte die Skepsis gegenüber Intel ein und verwies gleichzeitig auf die Verbesserungen der inzwischen verfügbaren Arrow Lake Refresh-Modelle.

Intel bezeichnet Nova Lake intern beziehungsweise in seiner Kommunikation bereits als besonders wichtigen Schritt für das Desktop-Geschäft. Hallock sprach von einem der bedeutendsten Desktop-CPU-Starts in der Geschichte des Unternehmens.

Die bisher durchgesickerten Informationen zeichnen tatsächlich das Bild eines größeren Umbruchs. Für Nova Lake werden unter anderem verschiedene Chip-Konfigurationen und deutlich mehr Cache erwartet. High-End-Modelle sollen Gerüchten zufolge über einen zusätzlichen „Big Last Level Cache“ (bLLC) verfügen, mit dem Intel auf AMDs X3D-Prozessoren und deren 3D V-Cache zielen könnte.

Auch Varianten mit bis zu 52 Kernen werden kolportiert. Solche Angaben sind allerdings noch mit Vorsicht zu betrachten, zumal Intel die endgültige Produktpalette bislang nicht vorgestellt hat.

Quelle: Tom's Hardware

Frank Schräer

Herausgeber, Chefredakteur und Webmaster

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