Das verkrüppelte NAS

Western Digital mag das teilen von Audio- und Videodaten nicht. Denn diese könnten nicht lizensiert sein. Aber was ist mit all den anderen Daten? Und mit den Kunden?

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Die My Book World Edition von Western Digital ist im Grunde ein herkömmliches NAS. Um den Nutzern die Bedienung so einfach wie möglich zu machen, hat man eine Software names „WD Anywhere Access“ beigelegt. Diese ermöglicht einfachen und weltweiten Zugriff auf die Daten. Eine aufwändige Konfiguration mit dynamischem DNS und ähnlichem entfällt. Doch es gibt Beschränkungen.

Der Nutzer kann auswählen, welche Daten nur für ihn bestimmt sind und welche Daten er mit anderen Nutzern teilen möchte. Wenn die Software auf den PCs anderer Nutzer installiert ist, können sich diese weltweit zum NAS verbinden und die dort gespeicherten Daten so handhaben, als ob sie lokal angebunden wären. Es ist auch möglich, Leuten ohne die Software Zugang zu den Daten zu verschaffen. Dies geschieht über einen Link, der per E-Mail verschickt wird und den Nutzern einen VPN-ähnlichen Zugang zu den Daten ermöglicht (VPN: Virtual Private Network).

Zwei Sorten von Daten sind vom Teilen allerdings ausgeschlossen. Und zwar Audiodaten und Videodaten. Denn laut Western Digital wäre es nicht möglich, die Lizenzen dieser Daten zu verifizieren. Und so bleiben Musik und Videos dem eigenen Account vorbehalten. Wenn man sie mit einem anderen Nutzer teilen will, werden sie ihm gar nicht erst angezeigt. Western Digital hat eine Auflistung der Dateiendungen herausgegeben, die herausgefiltert werden.

An dieser Stelle werden natürlich einige Fragen aufgeworfen. Zum einen warum sich Western Digital überhaupt anmaßt dem Nutzer vorzuschreiben, welche Art von Daten er den mit anderen teilen will. Zum anderen, warum man ausgerechnet auf diese Dateiendungen gekommen ist. Werden Audiodaten im unkromimierten WAV-Format oder im verlustfrei komprimierenden FLAC-Format grundsätzlich lizensiert verbreitet? Sind die Formate OGM und Matroska einfach zu „Geekig“, als dass der unbedarfte Western Digital Kunde sie verwenden würde?

Warum sind nur Audio- und Videodaten von der Filterung betroffen? Gibt es im Universum von Western Digital keine „Warez“, also unlizensiert verbreitete Software? Und auch keine „Ebookz“, also digitalisierte Bücher, die ohne Zustimmung des Rechteinhabers verbreitet werden? Gibt es keine Rechteinhaber von Bildern? Und lässt sich nicht alles Übel dieser Welt in eine ZIP-Datei komprimieren? Welche Dateiendungen dürften überhaupt noch verbreitet werden, wenn Western Digital konsequent wäre (zumal der heißeste Kandidat, temporäre Windows-Dateien mit der Endung TMP, von Western Digital von vorne herein ausgeschlossen werden)?

Und die vielleicht wichtigste aller Fragen in diese Angelegenheit: Hat sich bei Western Digital niemand darüber Gedanken gemacht, dass diese Art der Bevormundung von manchen Kunden abgelehnt wird und daher zu verärgerten Käufern und negativer PR führen kann?

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