Double Fine: Spieler finanzieren Adventure

Neue Finanzierungsmodelle für Entwickler?

Außerhalb Deutschlands gilt das Point-and-Click-Adventure als gestorben. Das wollte einer der Genre-Begründer nicht auf sich sitzen lassen: Tim Schafer („Day of the Tentacle“, „Full Throttle“, „Grim Fandango“) wagte den Versuch, auf der Plattform Kickstarter einen Auruf an Fans zu richten: Wenn sie möchten, dass Schafers Studio „Double Fine“ ein klassisches Adventure entwickelt, können Fans Geld investieren. Ziel war, bis zum 13. März 2012 400.000 US-Dollar zu sammeln, um die Entwicklung zu sichern. Das Ergebnis begeistert: Bereits nach wenigen Tagen sind fast 1,3 Mio. US-Dollar zusammen gekommen.

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Schafer ist angesichts dieses Ergebnisses überwältigt: Viele Kollegen rieten ihm von der Kickstarter-Finanzierungsplattform ab, da 400.000 US-Dollar eine viel zu hohe Summe seien – doch bereits 8 Stunden nach Einstellen des Finanzierungsaufrufs kam der Betrag zusammen. Und der Zähler läuft weiter, so dass auch bei 1,3 Mio. US-Dollar keinesfalls ein Ende absehbar ist.

Offenbar war das Angebot für Adventure-Fans zu verlockend: Double Fine verspricht den Spielern je nach investiertem Betrag Download-Codes für das fertige Spiel, Original-Konzeptzeichnungen oder sogar ein Treffen mit Schafer höchstpersönlich. Zudem erhält jeder Geldgeber Zugang zu einer privaten Online-Community mit direktem Draht zu den Entwicklern. Dabei soll jeder Cent der Spieler in das Spiel fließen und je mehr zusammenkommt, desto höher die Produktqualität. Die gesamte Entwicklung wird dabei von einem Dokumentationsteam begleitet, das bewusst Abstand von reinem Marketing-Material sucht und auch Probleme und Stolpersteine für Zocker greifbar machen soll.

In der Industrie findet Double Fines Aktion bereits nie erwartetes Echo: Man spekuliert, ob Double Fine vielleicht ein völlig neues Finanzierungsmodell aufgetan habe. Tim Schafer ist bei aller Begeisterung aber vorsichtig. Er mahnt, dass Double Fine mit den Adventure-Spielern eine ganz besondere Fanbasis anvisiere und man das Ergebnis sicher nicht verallgemeinern könne.

Dennoch ist Double Fines Kickstarter-Erfolg nicht nur ein Hinweis darauf, dass Adventures weiterhin international Potential haben, sondern zeigt auch, dass Spieler in Zeiten vermeintlich wachsender Produktpiraterie gewillt sind, für ein aus ihrer Sicht lohnenswertes Spiel weit vor der Fertigstellung Geld auf den Tisch zu legen.

Wer sich selbst an Double Fines Aktion beteiligen möchte, kann dies hier tun. Bereits ab einer Zahlung von 15 US-Dollar bzw. umgerechnet ca. 11,50 Euro erhält man das Spiel bei Fertigstellung direkt per Steam-Code. Wer eine PlayStation 3 oder Xbox 360 besitzt, erhält eventuell später Gelegenheit, sich stattdessen für eine der Konsolen eine Gratisversion zu sichern. Angesichts der Höhe des gesammelten Geldes ist die Multiplattformentwicklung so gut wie sicher.

Quelle: Kickstarter

André Westphal

Redakteur

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