Analysten kritisieren Apple TV

Vision des Herstellers sei zerstörerisch

Mehrere Analysten, etwa Wall-Street-Spezialist Gene Munster, üben Kritik an Apples kommendem Apple TV: Sie sehen den TV in erster Linie als Schachzug, um Apples Kontrollmechanismen im Multimedia-Segment auszubauen. So sei Apples Plan mit einem benutzerfreundlichen Gerät eine Art „virtuellen Kabelanbieter“ zu kombinieren, sich von anderen Anbietern Inhalte möglichst kostengünstig zu sichern und über sie die Kontrolle zu übernehmen. Apple wolle die eigentlichen Kabelanbieter entmachten und deren Gewinnmöglichkeiten auf sich selbst umleiten.

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Gleichzeitig wirft man Apple vor mit dem Apple TV relativ gewöhnliche Fernsehhardware zu planen, die aber aufgrund der Popularität der Marke „für den doppelten Preis“ den Besitzer wechseln soll.

Ob Apple seine Pläne umsetzen kann, ist offen: Angeblich soll Apples Manager Eddie Cue bereits bei Kabelanbietern hausieren gegangen sein, um ihnen anzubieten ihre Set-Top-Boxen umzugestalten und zu helfen die Bandbreitennutzung zu optimieren. Die Anbieter erkannten jedoch die Gefahr der potentiellen Apple-Einflussnahme und lehnten die Angebote ab.

Apple soll neben den Netzbetreibern sogar Sender kontaktiert haben, um ihre Kanäle quasi als eigenständige Apps für den Apple TV und weitere Endgeräte zu adaptieren. Unklar ist, ob es dann Bundles mit mehreren „App-Sendern“ gäbe, einzelne Kanäle oder sogar einzelne Shows als Apps. Apple soll das kompromisslose Credo verfolgen: „Wir bestimmen den Preis und welche Inhalte wo und wie angeboten werden.“

Analysten kritisieren, dass Apple genau so vorgehe wie bei Buchverlagen und Musikindustrie: „Gebt uns eure Inhalte und lasst sie uns so verpacken, wie wir und die Kunden es wünschen. Lasst und dafür die Preise veranschlagen, die wir für richtig halten. Nehmt das, was wir euch zahlen wollen.“ Zudem wolle Apple Kabelanbietern die direkten Beziehungen mit den Kunden entziehen und die Kontrolle über die Inhalte an sich reißen, ohne sie selbst mit zu finanzieren.

Kunden würde Apples Strategie soweit in die Hände spielen, als dass die Inhalte zeitlich unabhängig verfügbar wären und die Preise eventuell günstiger ausfielen, als zuvor über Kabelanbieter. Die TV-Industrie soll Apples Pläne indes aktuell blockieren. Eventuell will Apple deswegen „schleichend“ vorgehen und einige Funktionen zunächst auf den beliebten iPads und iPhones implementieren. Somit könnte man die Kabelnetzanbieter und Kabelsender Schritt für Schritt in sein Netzwerk ziehen. Wie groß der Widerstand durch die aktuell etablierte TV-Industrie sein wird, muss dann die Zeit zeigen.

Quelle: BusinessInsider

André Westphal

Redakteur

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