Mikrochips als langfristige Verhütungsmethode?

Soll unter der Haut 16 Jahre vor Schwangerschaft schützen

Ein Forschungsprojekt, zu deren Unterstützern der Microsoft-Gründer Bill Gates persönlich zählt, arbeitet an einer neuen Verhütungsmethode via Mikrochips: Die Chips lassen sich unter die Haut implantieren und geben über bis zu 16 Jahre lang Hormone ab, um ungewollte Schwangerschaften zu verhindern. Der Prozess lässt sich jederzeit über eine Fernsteuerung abschalten. Allerdings visiert man mit dem Verhütungs-Chip in erster Linie Entwicklungsländer an, in denen hierzulande gängige Verhütungsmittel selten bzw. teuer sind.

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Auch in westlichen Industrienationen könnte der Chip allerdings für manche Paare interessant sein. Robert Farra von der verantwortlichen Firma MicroChips erklärt: „Der Verhütungschip enthält einzelne Dosen eines bereits breit eingesetzten Progestins.“ Progestine kommen zur Verhütung auch in der Antibabypille, Spiralen und Verhütungsstäbchen zum Einsatz. Laut Farra enthalten die Chips viele einzelne Kammern mit den Hormondosen: „Ein kleiner Computer und eine Uhr auf dem Chip sorgen dafür, dass genau zur richtigen Zeit jeden Monat immer die gleiche Progestin-Menge abgegeben wird“, verspricht Farra. Auch sollen die Chips präzisere Dosierungen erlauben als etwa bei Hormonspiralen. Implantierbar wären die Mikrochips in kurzen, ambulanten Eingriffen.

Noch sind allerdings weitere Tests notwendig: Erst ab 2016 sollen die finalen Experimente beginnen. Die Markteinführung ist für 2018 angesetzt. Thomas Rabe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF), mahnt Euphorie noch zu vermeiden: „Es bleibt abzuwarten, ob der Chip in der jetzigen Form wie gewünscht als Minipille wirkt oder als Pille danach.“ Denn entscheidend sei nicht die abgegebene Hormon-Menge, sondern wie die jeweilige Frau sie aufnehme. Zudem könne Kapselbildung die Funktionen des Implantats beeinträchtigen. Außerdem kommunizieren der Chip und seine aktuelle Fernsteuerung per Funk – ohne Verschlüsselung. Das würde natürlich im realen Alltag Missbrauch Tür und Tor öffnen. Erste Aufgabe der Forscher vor weiteren Tests ist also für eine sichere Datenübertragung zu sorgen.

Auch die potentiellen Kosten der Verhütungs-Chips sind noch offen. Das Projekt gilt unter Medizinern aber als vielversprechend und facettenreich: So könnte man die Chips nicht nur zur Verhütung einsetzen, sondern auch zur Medikamentendosierung bei chronischen Krankheiten.

Quelle: SpiegelOnline

André Westphal

Redakteur

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