Steve Wozniak hält Computer für überbewertet

Problemlösungen fände man an anderen Stellen

Der Apple-Mitbegründer Steve Wozniak steht in der IT-Industrie für seine Offenheit und facettenreichen Meinungen immer noch hoch im Kurs. Im Rahmen eines neuen Vortrages in Massachusetts äußerte Wozniak die These, dass Computer und Informationstechnologien heute überbewertet würden: „Wir haben sie für uns zu wichtig gemacht. Am Ende sind wir nun ihre Haustiere“, erklärt das IT-Urgestein ironisch. Es ist bekannt, dass Steve Wozniak künstliche Intelligenzen (K. I.) beispielsweise eher als Gefahren denn als Segen einstuft.

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Als Beispiele für die Überbewertung von Computern nennt Wozniak unter anderem treffenderweise das Bildungssystem: „Wir machen in den Schulen nun alles mit Computern – schlauer werden die Jugendlichen dadurch aber nicht.“ Allerdings nimmt Wozniak hier aus medienpädagogischer Sicht selbst eine Überbewertung der Computer vor. So werden Kinder und Jugendliche in erster Linie in ihren Familien und deren Umfeld sozialisiert – erst dann tritt später die Schule auf den Plan. Schule und Lehrer müssen die Basis aufgreifen, die bereits gegeben ist – der Einfluss ist eingeschränkt. Dies ist in der Sozialisationstheorie breit erforscht.

Recht hat Steve Wozniak jedoch damit, dass die Computer seiner Ansicht nach eben zunehmende Klassengrößen etwa nicht kompensieren können. Zudem ersetzen die Computer eben nicht didaktische Kompetenz, die bei den Lehrern gefordert ist – und auch in Deutschland häufig fehlt. So konzentriert sich das Lehramtsstudium hierzulande vor allem auf die fachlichen Aspekte und vernachlässigt Pädagogik und Didaktik im Verhältnis. Genau hier wäre ein Ansatzpunkt bereits in der Lehrerausbildung gegeben. Die Bildungspolitik konzentriert sich aber marktschreierisch in der Regel auf simplere Thematiken oder schlägt Reformen vor, die eher der Ökonomie (Einsparungen) als den Lehrern und Schülern dienen. Und hier trifft Wozniaks Kritik dann zu: Die besten Computer können nichts bewirken, wenn das Gleichgewicht im Bildungssystem aus den Fugen gerät.

Quelle: Cnet

André Westphal

Redakteur

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