Krise bei ARM wegen China-Chef

CEO von ARM China verweigert Entlassung, handelt eigenmächtig

Bei ARM, den bekannten Chip-Architekten, gibt es aktuell einige interne Differenzen, die aus einem Wirtschafts- und Politdrama kommen könnten. ARM hat nach eigenen Angaben den bisherigen Chef seines Subunternehmens in China im Juni entlassen, aber dieser weigert sich und führt „ARM China“ trotzdem weiter.

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Allen Wu war – oder ist – Chef von ARM China, dem Tochterunternehmen der britischen ARM Ltd., die wiederum zum japanischen Konzern SoftBank gehört. Im Juni erklärte ARM Ltd., dass Allen Wu wegen nicht spezifizierter Vertragsverstöße entlassen worden ist. Allerdings weigerte er sich, die bei asiatischen Unternehmen üblichen Dokumente und Unterlagen wie Siegel und Stempel der Firma an einen Nachfolger zu übergeben und führte das im südchinesischen Shenzhen, direkt nördlich von Hongkong zu findende ARM China trotzdem weiter. Einer der Gründe für die Entlassung soll sein, dass Allen Wu nebenher eine Investment-Firma gegründet habe, die eine Konkurrenz darstelle für ARM. Wu bestreitet dies und habe mittlerweile sogar eigene Sicherheitsleute angeheuert, die ihn vor dem Zugriff und Kontakt seitens ARM Ltd. schützen sollen.

ARM Ltd. wirft dem Boss von ARM China vor, dass er falsche Informationen verbreite und eine Firmenkultur von Einschüchterung und Verwirrung unter den Angestellten kreiert habe. Das würde der Halbleiterindustrie in China schaden, weil dortige Firmen Unterstützung von ARM für ihre eigenen Chip-Designs benötigen. Schließlich sind die Chip-Architekturen von ARM in praktisch jedem modernen Smartphone zu finden, in etlichen Server-Systemen und bald auch in Notebooks von Apple.

ARM China bzw. Allen Wu weist die Vorwürfe von ARM Ltd. zurück und erklärte schriftlich, dass er offen sei für Gespräche und dass die Geschäftsbeziehungen mit den Kunden ungestört weiterlaufen wie bisher. ARM China hat nach eigenen Angaben rund 200 Kunden in China und ist exklusiv für die ARM-Lizenzen im Reich der Mitte verantwortlich.

Man darf gespannt sein, ob sich die chinesische Regierung hier einschalten wird. Allen Wu ist US-Bürger mit chinesischen Wurzeln, aber die politischen Beziehungen zwischen Großbritannien und China sind derzeit angespannt. Die britische Regierung hatte das neue Sicherheitsgesetz in Hongkong kritisiert und außerdem den chinesischen Marktführer Huawei aus dem Rennen um den 5G-Mobilfunk auf der britischen Insel ausgeschlossen. Andererseits könnte die Situation rund um ARM China sowie die Einmischung der chinesischen Regierung ausländische Investoren abschrecken.

Für ARM und seinen Investor kommt diese Krise zum ungünstigen Zeitpunkt, denn SoftBank will sich bei ARM vermeintlich zurückziehen und hat seine Anteile bereits Apple angeboten, die aber sbgelehnt hatten. Allerdings hat Nvidia angeblich Interesse an ARM, aber das ist noch unbestätigt.

Quelle: South China Morning Post

Frank Schräer

Herausgeber, Chefredakteur und Webmaster

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