Die ungewöhnlich stark gestiegenen Preise für DDR5-Speicher sorgen für eine Renaissance einer eigentlich bereits auslaufenden Desktop-Plattform. Intel will die Prozessoren der Raptor Lake Generation wohl noch mehrere Jahre weiter produzieren. Der Grund: LGA1700 bietet im Gegensatz zu neueren Plattformen weiterhin die Möglichkeit, Systeme mit vergleichsweise günstigem DDR4-Speicher aufzubauen oder vorhandenen Speicher weiterzuverwenden.
Roger Chandler, bei Intel als Vice President und General Manager für den Enthusiast Channel verantwortlich, soll Raptor Lake weiterhin als wichtigen Bestandteil des Produktsortiments bezeichnet haben. Entsprechend will Intel die Versorgung mit Prozessoren aufrechterhalten, da die Nachfrage nach LGA1700-Systemen zuletzt unerwartet wieder angezogen hat.
Raptor Lake und die überarbeitete 14. Generation der Core-Prozessoren unterstützen sowohl DDR4 als auch DDR5. Entscheidend ist dabei das Mainboard: Die meisten Platinen sind jeweils auf einen Speichertyp festgelegt und können DDR4 und DDR5 nicht gleichzeitig nutzen. Für Aufrüster kann diese Flexibilität jedoch einen erheblichen Unterschied machen. Wer bereits ein ausreichend großes DDR4-Kit besitzt, kann dieses beim Wechsel auf einen passenden LGA1700-Rechner weiterverwenden. Die Anschaffungskosten einer neuen Plattform sinken dadurch deutlich.
Normalerweise gilt DDR5 inzwischen als Standard für aktuelle Desktop-Systeme. Der starke Preisanstieg beim Arbeitsspeicher dreht diese Rechnung jedoch teilweise um. Einfache 32-GByte-Kits, die Mitte 2025 noch für für rund 100 Euro erhältlich waren, sind inzwischen nicht mehr unter 300 Euro zu bekommen. Für den deutschen Markt werden laut den zugrunde liegenden Angaben durchschnittliche Preise für Desktop-DDR5-Kits genannt, die im Vergleich zum Juli 2025 um 448 Prozent gestiegen sein sollen. Je nach Kapazität, Takt und Händler fällt die Entwicklung aber unterschiedlich stark aus. Unabhängig davon ist DDR5 inzwischen ein erheblicher Kostenfaktor bei einem neuen PC. Das dürfte sich auch kurzfristig nicht ändern. So rechnet AMD erst in zwei Jahren mit Entspannung bei DDR5.
Der Preisvorteil der alten Plattform bleibt allerdings nicht vollständig erhalten. Intel hatte die Nachfrage offenbar geringer eingeschätzt und entsprechend weniger Produktionskapazität für Raptor Lake eingeplant. Die unerwartet hohe Nachfrage führt deshalb inzwischen teilweise zu Engpässen und steigenden Prozessorpreisen. So kostet der Core i5-14600K, der im Jahr 2025 regelmäßig für weniger als 200 Euro oder weniger angeboten wurde, inzwischen rund 250 Euro, sofern er überhaupt verfügbar ist. Auch der Core i7-14700K wird teurer: Statt der früher üblichen rund 320 Euro werden inzwischen etwa 380 Euro verlangt.
Damit wird die Entscheidung für LGA1700 stärker zu einer Frage der Gesamtkosten. Wer DDR4 bereits besitzt, kann trotz gestiegener CPU-Preise weiterhin günstiger davonkommen. Wer dagegen sowohl Prozessor als auch Arbeitsspeicher kaufen muss, sollte die Plattformpreise genauer mit aktuellen DDR5-Systemen vergleichen.
Auch die Mainboard-Hersteller haben die anhaltende Nachfrage offenbar erkannt. Gigabyte hat etwa das B760M Gaming DDR4 erneut aufgelegt. Das Modell kombiniert Intels LGA1700-Plattform mit DDR4-Unterstützung und bietet unter anderem einen PCI Express 5.0 Steckplatz. Auch ASRock und weitere Hersteller halten weiterhin DDR4-kompatible LGA1700-Platinen im Sortiment oder legen entsprechende Modelle neu auf. Teilweise gibt es sogar Mainboards mit Steckplätzen für DDR4 und DDR5. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine gleichzeitige Unterstützung beider Standards: DDR4 und DDR5 können auf solchen Boards normalerweise nicht parallel betrieben werden.
Die Hersteller profitieren damit von einer ungewöhnlichen Situation. Eine eigentlich auslaufende Plattform gewinnt durch die Entwicklung am Speichermarkt plötzlich wieder an Attraktivität.
Noch weiter geht ein bislang unbestätigtes Gerücht: Intel soll für die erste Hälfte des Jahres 2027 eine weitere Raptor Lake Ableitung planen. Unter der Bezeichnung „Raptor Lake Next“ könnte die Architektur demnach einen weiteren Refresh erhalten und dabei ebenfalls DDR4 unterstützen. Damit wäre dies bereits die dritte Überarbeitung der ursprünglichen Raptor Lake Architektur. Offiziell bestätigt hat Intel eine solche Produktfamilie bislang allerdings nicht. Modellnamen, technische Daten, Preise und ein möglicher Starttermin sind daher mit Vorsicht zu betrachten.
Sollte Intel tatsächlich einen weiteren LGA1700-Refresh vorbereiten, wäre dies dennoch ein bemerkenswertes Signal. Die Plattform wäre damit deutlich länger im Markt präsent, als es bei einer klassischen CPU-Generation zu erwarten wäre.
Dass Intel eine ältere Desktop-Plattform wegen hoher Speicherpreise länger am Markt hält, zeigt, wie stark die Kostenstruktur eines PCs von einzelnen Komponenten beeinflusst werden kann. Der technische Fortschritt spricht klar für neuere Plattformen und DDR5. Wirtschaftlich kann ein LGA1700-System mit vorhandenem DDR4-Speicher derzeit jedoch weiterhin interessant sein. Der entscheidende Punkt ist deshalb nicht allein der Preis des Prozessors. Wer bereits DDR4 besitzt, kann mit Raptor Lake einen vergleichsweise günstigen Plattformwechsel durchführen, während ein kompletter Umstieg auf eine neue DDR5-Plattform zusätzliche Kosten für den Arbeitsspeicher verursacht.
Quelle: ITHome (China)

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