Das Ende des alten PC-BIOS

Eigenes, kleines Betriebssystem EFI soll die Ära des BIOS beenden

Die Zeit des althergebrachten BIOS eines heutigen PCs scheint dem Ende entgegen zu gehen. Das “Basic Input/Output System“ gab es schon in den ersten Personal Computern von IBM vor mehr als 20 Jahren und viel geändert hat sich am BIOS seither nicht. Abhängig von Mainboard und Chipsatz sind lediglich einige Funktionen hinzu gekommen. Um die neue Version eines BIOS aufzuspielen (BIOS-Flash), ist derzeit meistens noch eine Diskette und ein entsprechendes Laufwerk notwendig. Das BIOS selbst bietet ja keine Unterstützung für Treiber irgendwelcher Art oder für die Partitionierung und Formatierung der Festplatte(n). Hier ist man auf den Inhalt der DOS-Bootdiskette angewiesen oder greift auf eine CD zu, sofern die DOS-Disk entsprechende Treiber enthält.

Anzeige
Dies alles soll sich in Zukunft ändern und mit EFI – dem “Extensible Firmware Interface“ – deutlich einfacher werden.

EFI ist ein kleines Betriebssystem, das wie das BIOS zwischen Hardware bzw. Firmware und dem Loader des eigentlichen Betriebssystems angesiedelt ist, aber ohne die Restriktionen des bisherigen BIOS. EFI unterstützt eine grafische Benutzeroberfläche und höhere Auflösungen anstatt den reinen Textmodus. Netzwerkfunktionen sind integriert, so dass ein Remote-Zugriff möglich ist. Außerdem wird eine ‚Shell‘ angeboten – eine Kommandozeile, über die z.B. die üblichen Festplattenfunktionen wie Partitionierung und Formatierung möglich sind. EFI verwendet sein eigenes Dateisystem, das einen reservierten Teil des Festplattenplatzes benötigt. Um den Speicherbedarf von EFI nicht zu groß werden zu lassen, soll die Einbindung externer Treiber von einer USB-Disk erlaubt sein.
Mark Doran, EFI Program Manager und Ingenieur bei Intel, präsentierte EFI letzte Woche auf dem Intel Developer Forum in San José (wie auch schon im Herbst 2002 auf dem vorherigen IDF). Nach seinen Angaben ist EFI nicht nur eine Erleichterung für den Anwender, sondern auch für die Entwickler. “Das BIOS ist der letzte Teil des PCs, an dem die Leute noch in Low-Level Assembler programmieren müssen. Das wollen wir beenden.“, meinte Doran. Stattdessen ist EFI fast komplett in C programmiert und kann auch mit herkömmlichen Entwicklungswerkzeugen noch erweitert werden. Solche Erweiterungen könnten beispielsweise genauere Diagnose-Tools sein, sich-selbst-konfigurierende Programme und Problemlösungsansätze, wenn das Betriebssystem abgestürzt ist.
“Wir haben eine Konzept für das sogenannte Afterlife. Wenn das Betriebssystem abstürzt, kann man sich den Status der Maschine anschauen, die Konfiguration ändern, einen anderen Treiber laden und einen vernünftigen Neustart durchführen.“, fügte Doran hinzu und demonstrierte dies an einem laufenden PC-System. Dort wurde ein Netzwerk-Treiber im Betrieb ausgetauscht sowie verschiedene Neu-Konfigurationen von USB-Geräten vorgenommen.
EFI kann außerdem vorgeben ein BIOS zu sein. Der EFI-Spezialist bei Intel erwartet nicht, dass das herkömmliche BIOS quasi über Nacht abgelöst wird. EFI unterstützt bisherige Systeme in der Art, dass es auf ein bestehendes BIOS aufbauen und die Kontrolle übernehmen kann, wenn es benötigt wird.
Dies wird auch notwendig sein, denn ein Mainboard mit “EFI statt BIOS“ muss explizit vom Betriebssystem unterstützt werden. Bisher wird EFI nur in Systemen mit Intels High-End Server-CPU Itanium eingesetzt. Ein geeignetes Desktop-Betriebssystem für den Standardbetrieb gibt es noch nicht und Microsoft hat sich nach bisherigem Stand noch nicht offiziell zu EFI bekannt. Allerdings ist zu erwarten, dass die nächste Windows-Version, bisher nur unter dem Codenamen ‚Longhorn‘ bekannt, EFI unterstützen wird. Erst dann können wir vermutlich endgültig auf Diskettenlaufwerke verzichten.

EFI
EFI Boot Manager
EFI Shell - mit Liste der integrierten Treiber

Quelle: CNET News.com

Frank Schräer

Herausgeber, Chefredakteur und Webmaster

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.