„DRM“ für Kaffeemaschinen erweist sich als Flop

Amerikanischer Hersteller scheitert mit Experiment

Der US-Hersteller Keurig ist in Deutschland ein unbeschriebenes Blatt. In den Vereinigten Staaten jedoch gehören die Kapsel-Kaffeemaschinen der Firma zu den beliebtesten Modellen ihrer Gattung. 2014 wagte der Hersteller ein Experiment und führte eine Art DRM für seine Maschinen ein: Mit den Keurig Kaffeemaschinen 2.0 ließen sich nur noch Original-Kapseln des Herstellers selbst verwenden. Über ein Scan-System wurden die Kaffee-Kapseln von Drittherstellern ausgeschlossen. Doch damit scheint sich der Hersteller ordentlich in die Nesseln gesetzt zu haben.

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So musste Keurig bei den Verkaufszahlen Einbußen in Höhe von 12 % hinnehmen. CEO Brian Kelley gibt zu: „Die Veröffentlichung unseres Modells 2.0 erwies sich als weniger erfolgreich, als von uns erhofft.“ So habe man zum einen zu sehr damit gezögert kompatible Kapseln in den Handel zu bringen und auch zu wenig darüber aufgeklärt, welche Kapseln offiziell durch Partner lizenziert und somit in der Kaffeemaschine verwendbar seien. Viele Kunden quittierten diese Strategie mit einem Shitstorm im Internet, der sich etwa in allerlei erzürnten Produktbewertungen auf Amazon.com äußerte. Es zeigte sich wenig Verständnis dafür, dass der Hersteller ab sofort vorschreibt, welche Kaffee-Kapseln zu benutzen seien.

Keurig rechtfertigte sein Kaffe-DRM anfangs damit, dass die Maschinen dank des Infrarot-Scans der Kapseln zum Beispiel den Unterschied zwischen Kaffe für kleine Tassen und große Kannen unterscheiden könnten. Allerdings war dies wohl eher eine marketingwirksame Ausrede, da ein Techniker der Firma zugab, dass das System auf Anti-Plagiat-Methoden der Firma US Mint basiere. Aus rein wirtschaftlicher Sicht ist Keurigs Strategie nachvollziehbar: Wie auch dt. Anbieter von Kapsel-Kaffeemaschinen, verkauft Keurig seine Maschinen möglichst günstig, um mit dem Vertrieb und der Lizenzierung der Kapseln das große Geld zu machen.

Auf YouTube sammeln sich bereits Videos, die zeigen, wie man die Keurig 2.0 „hacken“ kann, um wieder allerlei illustre Kaffee-Marken zu nutzen. Bleibt zu hoffen, dass sich dt. Hersteller nicht vom Kaffee-DRM inspirieren lassen.

Quelle: TheVerge

André Westphal

Redakteur

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