Netzneutralität entfällt: Online-Gamer zahlen

Deutsche Telekom kündigt prompt enttäuschende Pläne an

Das EU-Parlament hat diese Woche den Fall der Netzneutralität eingeläutet: Telekommunikationsanbieter erhalten zahlreiche Spielräume, um bestimmte Dienste bei der Verbindungsgeschwindigkeit zu bevorzugen (oder zu benachteiligen) bzw. Sondergebühren zu erheben. Wie aufs Stichwort hat sich der Chef der Deutsche Telekom, Tim Höttges, zu Wort gemeldet und grinsend seine Pläne angekündigt: Sogenannte „Spezialdienste“ will man bald geradezu altruistisch nicht „im Stau“ stehen lassen und mit schnelleren Geschwindigkeiten ausstatten – freilich aber nur, wenn die Nutzer dafür zur Kasse gebeten werden.

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Die Deutsche Telekom hält das für legitim, denn Kunden zahlten schließlich auch für „mehr Speicherplatz für Mails extra, genauso wie erweiterte Suchfunktionen bei Xing und LinkedIn oder Videos in HD statt SD. In Zukunft wird es eben auch die Möglichkeit geben, einen Dienst für ein paar Euro mehr in gesicherter Qualität zu buchen“. Zur Kasse bitten will die Deutsche Telekom beispielsweise bei Video-Konferenzen, Telemedizin aber auch Online-Gaming.

Damit müssen auch manche PC- und Konsolen-Spieler in Zukunft eventuell ihr Portemonnaie weiter öffnen, als sie es bisher gewohnt waren. Aber nicht nur auf Privatkunden hat die Deutsche Telekom es abgesehen: Startups, die neue Internetdienste aufbauen und so hohe Bandbreiten benötigen, sollen am liebsten vom Umsatz einen prozentualen Anteil abführen. Höttges argumentiert: „Das wäre ein fairer Beitrag für die Nutzung der Infrastruktur. Und es sorgt für mehr Wettbewerb im Netz.“

Man ahnt es: In der Presse und der IT-Community wurde der Blogbeitrag des Chefs der Deutsche Telekom mit einem gewaltigen Shitstorm bedacht. Man darf gespannt sein, wie in Europa nun die Zukunft des Internets aussehen wird.

Quelle: DeutscheTelekom

André Westphal

Redakteur

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