Windows 11: Versteckte Funktion für CPU-Boost manuell aktivieren

„Low Latency Profile“ soll die Reaktionsgeschwindigkeit deutlich verbessern

Mit dem kumulativen Juni-Update KB5094126 für Windows 11 hat Microsoft offenbar eine neue Performance-Funktion eingeführt, die bislang weitgehend unbemerkt geblieben ist. Die als „Low Latency Profile“ bezeichnete Technologie soll die gefühlte Reaktionsgeschwindigkeit des Betriebssystems verbessern, indem sie die Zeit zwischen einer Benutzereingabe und dem Hochfahren der CPU-Taktfrequenz reduziert.

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Bereits vor rund einem Monat wurde berichtet, dass Microsoft daran arbeitet, Windows 11 deutlich schneller und responsiver zu machen. Mit den jüngsten Updates wurde dies jetzt ins Betriebssystem integriert, aber die Funktion ist derzeit noch versteckt und standardmäßig nicht aktiviert. Erste Tests zeigen bereits spürbare Verbesserungen bei alltäglichen Interaktionen mit Windows 11.

Moderne Prozessoren sind darauf ausgelegt, Energieverbrauch und Wärmeentwicklung möglichst gering zu halten. Deshalb arbeiten sie einen Großteil der Zeit mit reduzierten Taktraten und erhöhen ihre Frequenz erst dann, wenn zusätzliche Rechenleistung benötigt wird. Genau hier entsteht jedoch eine kleine Verzögerung: Klickt ein Nutzer auf das Startmenü, öffnet die Windows-Suche oder startet eine Anwendung, muss das Betriebssystem zunächst die anstehende Last erkennen und anschließend höhere Taktraten beim Prozessor anfordern. Dieser Vorgang dauert zwar nur Millisekunden, kann aber dazu beitragen, dass Benutzeroberflächen subjektiv weniger direkt reagieren.

Mit aktiviertem Low Latency Profile verfolgt Windows einen anderen Ansatz. Sobald eine Benutzereingabe erkannt wird, hebt das Betriebssystem die CPU unmittelbar auf ihre maximale Turbo-Frequenz an. Dieser kurzfristige Leistungsschub bleibt für etwa ein bis drei Sekunden aktiv. In diesem Zeitfenster können typische Aufgaben wie das Rendern von Oberflächenelementen, das Öffnen von Menüs oder das Starten von Anwendungen schneller abgeschlossen werden. Anschließend kehrt der Prozessor wieder in seinen normalen Energiesparmodus zurück. Microsoft versucht damit nicht, die Dauerleistung eines Systems zu erhöhen, sondern die subjektiv wahrgenommene Geschwindigkeit im Alltag.

Erste Tests deuten darauf hin, dass sich die Funktion insbesondere bei typischen Desktop-Aufgaben bemerkbar macht. Zu den beobachteten Verbesserungen gehören schnellere Animationen des Startmenüs, reaktionsfreudigere Windows-Suche, zügigeres Öffnen von Benachrichtigungen und Panels, kürzere Verzögerungen beim Start von Anwendungen sowie flüssigeres Bediengefühl auf Energiesparprofilen. Besonders profitieren dürften Systeme, die auf maximale Energieeffizienz ausgelegt sind. Dort verbleiben Prozessoren häufig länger in niedrigen Taktbereichen, bevor sie auf Lastspitzen reagieren.

Aktuell wird die Funktion über Microsofts „Controlled Feature Rollout“ (CFR) ausgerollt. Das bedeutet, dass die erforderlichen Komponenten bereits auf vielen Systemen installiert sein können, obwohl die Funktion weiterhin deaktiviert bleibt. Bislang existiert weder in den Windows-Einstellungen noch in Windows Update eine sichtbare Option zur Aktivierung.

Wer die neue Funktion ausprobieren möchte, benötigt zunächst eine kompatible Windows-Version: Windows 11 24H2 Build 26100.8655 oder neuer oder Windows 11 25H2 Build 26200.8655 oder neuer. Anschließend lässt sich die Funktion mit dem bekannten, bei GitHub frei zur Verfügung stehenden Tool „ViveTool“ durch diesen Befehl aktivieren:

vivetool /enable /id:58989092

Nach erfolgreicher Ausführung ist ein Neustart des Systems erforderlich.

Die bisherigen Testergebnisse fallen überraschend positiv aus. Da die maximale Turbo-Frequenz lediglich für wenige Sekunden nach einer Benutzereingabe aktiviert wird, scheinen sowohl Stromverbrauch als auch Temperaturen im normalen Desktop-Betrieb weitgehend unverändert zu bleiben. Für Desktop-PCs dürfte die Funktion daher praktisch ohne Nachteile nutzbar sein. Bei Notebooks könnten sich die Auswirkungen auf die Akkulaufzeit zwar geringfügig bemerkbar machen, bislang gibt es jedoch keine Hinweise auf einen signifikanten Mehrverbrauch.

Noch ist unklar, ob Microsoft das Low Latency Profile künftig standardmäßig aktivieren wird. Die Einführung zeigt jedoch, dass das Unternehmen weiterhin gezielt an der wahrgenommenen Geschwindigkeit von Windows 11 arbeitet.

Quelle: Windows Latest

Frank Schräer

Herausgeber, Chefredakteur und Webmaster

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